Baby
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Wie dein Baby den Entwicklungsschub erlebt und wie du euch helfen kannst

Steckt dein Baby mitten im Entwicklungsschub?

Bringt euch der Baby-Entwicklungsschub nah an eure Grenzen?

Dann kann es sein, dass ihr noch nicht ganz so gut vorbereitet seit darauf, wie die Entwicklung eures Babys jetzt und in den nächsten Jahren von Statten gehen wird.

Lass mir dir von meinem Sohn erzählen.

Die Geschichte vom Hochzeitsalbum

Voriges Wochenende haben wir – machen wir immer mal wieder – Fotoalben angeschaut. Diesmal war unser Hochzeitsalbum dran.

Das ist ziemlich groß und schwer (obwohl bis heute einige Seiten fehlen – aber darum soll es gar nicht gehen) und wir holen es nur selten raus.

Meist vergehen viele Monate.

So auch diesmal.

Natürlich erkannte unser Sohn viele der Gesichter.

Die aus der Familie. Besonders die von „Mama!“ und „der Papa!“.

Bei anderen wurde nach Namen gegrübelt und ich musste erklären.

Ein paar Seiten weiter, fing das Weiterblättern der Seiten an immer hastiger und hastiger zu werden. Bis er – plötzlich – ganz furchtbar in Tränen ausbrach.

Er konnte SICH auf keinem der Bilder erkennen.

Er war nicht da gewesen.

Mama und Papa hatten etwas ohne ihn erlebt.

Eine Welt brach für den kleinen Blondschopf zusammen. Die Tränen kullerten und zwischen dem Schluchzen versuchte er die Worte zu finden für dieses Durcheinander in seinem Kopf.

Er konnte nicht verstehen, als ich ihm erklärte, dass er bei diesem Ereignis noch nicht auf der Welt gewesen war.

Wie konnte das sein? Er erkannte sie doch gut. Seinen Papa und seine Mama. Sie sahen genauso aus wie heute.

Er war untröstlich…

Und ich… wie sollte ich ihm das erklären? All das, das seinen Verstand gerade überforderte. Die Sache mit „vor seiner Geburt“…

Also hielt ich inne und ihn natürlich weiter in meinen Armen. Erklärte er und ganz langsam wurde er ruhiger. Er verstand es noch immer nicht. Auch nicht als Papa sagte, dass wir ihn niemals alleine lassen würden – denn die Bilder zeigten ja den Beweis des Gegenteils.

Warum erzähle ich dir diese Geschichte?

Wenn Kinder in ein Alter kommen, in dem sie endlich Worte haben für das was sie bewegt, können wir uns (manchmal) etwas leichter in sie hineinfühlen.

Als unser Sohn ein kleines Baby war, gab es viele Momente untröstlichen Weinens, in denen wir gar nicht so genau benennen konnten, was ihn eigentlich gerade plagte.

Trotz Stillen nach Bedarf, Tragen, Familienbett, dem Hören auf die Dunstan Baby Language und allem was sich bedürfnisorientiert „schimpft“ verstand ich ihn oft nicht. Nach 8 langen Monaten konnte ich das erste Mal wieder Luft holen. Es war bitter nötig.

Davor reihte sich Schub an Phase an Schub an Phase an Schub an Phase an Schub an Phase … am liebsten wäre ich davongerannt!

Die Aussage, dass sich die Anspannung der Mama auf das Baby überträgt quoll mir aus den Ohren raus – zuvor hatte ich im Nachtdienst ohne Weiteres auch mal 3 Babys mit 2 Armen geschaukelt.

Gelegentlich lachte ich und sagte, ich hätte wohl mit meiner Vorqualifikation eine besondere Herausforderung verdient… doch die dunklen Stunden empfand ich als Hölle.

Was passiert in Babys Entwicklungsschub oder einer „Phase“

Manchmal geht ein Entwicklungsschub einfach damit einher, dass dein Baby mehr Stillen will, weil sich sein Kalorienbedarf erhöht hat.

Meistens dauert es etwa 3-5 Tage, bis sich die Milchproduktion angepasst hat und nach einer Woche ist der Schub vorbei.

Gerade in den ersten Wochen und Monaten reihen sich die Wachstumsschübe allerdings auch dicht aneinander. So kann es sein, dass es schon bald noch einmal anstrengender wird, weil der nächste Wachstumsschub in den Startlöchern steht.

Natürlich geschieht Entwicklung aber nicht nur auf rein körperlicher, sondern auch auf emotioneller und kognitiver Ebene.

Dann kann es sein, dass dein Baby plötzlich nicht mehr bei anderen Menschen außer dir bleiben will. Du bist für dein Baby dann der einzig sichere Hafen – aus seiner Sicht natürlich.

Das beinhaltet keinerlei Wertung – sondern einfach nur das tiefe Bedürfnis nach Sicherheit. Sicherheit, die dein Baby SELBST als solche empfindet.

Auf kognitiver Ebene kann sich in so einem Entwicklungsschub eine komplette Welt auf den Kopf stellen. So erlebt das gerade mein 3jähriger! Er hat VERSTANDEN, dass seine Eltern etwas ohne ihn erlebt haben und ihm fehlt momentan (während ich diesen Text hier schreibe) das Verstehen über den Verlauf seiner eigenen Existenz.

Eine kognitive Entwicklung kann tiefste Ängste auslösen.

Ängste die wir so nicht fühlen können, weil wir darüber hinaus gewachsen sind.

Die dennoch da sind.

Wie du deinem Baby im Entwicklungsschub helfen kannst

Grundsätzlich muss die vermehrte Unruhe deines Kindes kein Entwicklungsschub sein – aber es kann.

Deshalb sind folgende Punkte wichtig, damit du deinem Kind helfen kannst.

1. Halte inne und beobachte dein Baby

Zeigt es vor dem Weinen bereits frühere Kommunikationszeichen?

Hat sich ein Infekt entwickelt? Beginnt es zu zahnen?

Zeigen sich andere Ungewöhnlichkeiten, die du benennen kannst?

2. Hör auf das was dein Baby sagt

Manchmal ist es einfach notwendig, dass wir als Eltern innehalten zu hinhören. Auch wenn wir gerade kein einziges Wort verstehen.

Gehört zu werden beherbergt einen Schatz großer Kräfte.

Damit dein Baby bemerken kann, dass du es hörst, dass du ganz bei ihm bist, kann es helfen mit einer oder beiden Handflächen in den Kontakt mit dem Bauch oder Rücken deines Babys zu treten.

3. Sprich mit deinem Baby

Wenn dein Baby erst einmal fertig damit ist zu erzählen, ist deine Gelegenheit gekommen.

Du kannst ihm erzählen, was du beobachten konntest. Was du fühlst.

Du darfst dabei auch sagen, dass du gerade keine perfekte Lösung weißt und dass du bei ihm bist, bis ihr wisst, was besser hilft.

4. Wenn du etwas mehr Luft hast, überprüfe deine Grundhaltung

Nicht immer schaffen wir es, sofort auf eine wohlwollende Grundhaltung unseren Kindern gegenüber zu kommen.

Gerade wenn die K**** am dampfen ist und die Trommelfelle klingeln, wegen des ständigen Weinens, ist da vielleicht auch erstmal wenig Platz für diesen Punkt.

Und das ist total in Ordnung!

Doch wenn du immer wieder in dir das Wissen verankerst, dass dein Baby vom Grunde auf gut ist, dann ist dir auch völlig klar, dass es einen guten Grund haben muss, wenn es nicht mehr in seiner Mitte ist.

Ebenso darfst du dir zugestehen, dass du nicht immer eine Patentlösung in der Tasche hast. Ihr beide seid zwei Menschen, die ihre aktuelle Rolle und Beziehung erst noch lernen und üben.

Was du noch tun kannst, wenn du an einem Entwicklungsschub verzweifelst

Früher und auch heute noch in anderen Kulturen, galt das Begleiten eines Kindes als Aufgabe des ganzen Dorfes.

Das was sich früher auf den Schultern vieler verteilte, bündelt sich heute auf zwei Schultern. Manchmal auch nur noch auf deiner.

Wenn du die meiste Zeit des Tages mit deinem verzweifelten Baby alleine bist, kann es leicht sein, dass du dich irgendwann auch selbst auf der Abwärtsspirale in die Verzweiflung befindest. Das Aushalten der Gefühle unserer Kinder, die wir nicht immer perfekt verstehen können, ist ein riesiger Kraftakt.

Um dem vorzubeugen und um dem zu begegnen hilft es, wenn du dir Mentoren und Begleiter an die Seite schusterst.

Eine solche Begleitung hilft dir

  • Wege aus dem Energieloch zu finden
  • Klarheit zu bekommen
  • Grenzüberschreitungen zu minimieren
  • Herausforderungen erfolgreich zu überwinden
  • Stress zu reduzieren

So empfand es zumindest Sarah, die ich im letzten halben Jahr begleiten durfte. Sie schrieb mir darüber hinaus:

Insgesamt bin ich erleichtert und gelassener, wenn auch direkt nach dem Telefonat nach ab und an etwas aufgewühlt und nachdenklich. Du bist wunderbar einfühlsam auf unsere spezielle Familiensituation eingegangen.“

Also such dir ein Gegenüber, bei dem konsequent du im Mittelpunkt stehst. Ohne, dass es Erwartungen an dich zurück gibt. Sondern einfach den Raum, in dem du dich entwickeln darfst.

Dein Baby zugewandt zu begleiten zahlt sich aus

Ich hatte oben erwähnt, dass wir mit unserem Baby-Sohn durch viele dunkle Stunden gegangen sind.

Er viel Begleitung brauchte. Die Schübe nie aufzuhören schienen.

Oft war die Angst da, sie würden tatsächlich niemals ein Ende finden.

Das was ich dir heute schreiben darf ist das, was mir selbst immer wieder geholfen hat zu vertrauen… es wird sich verändern!

Dein Baby wird zu einem Kind heranwachsen, das sich von einem tiefen Vertrauen in seine Eltern nähren wird. Weit über die Kleinkindzeit hinaus.

Es wird in genau seinem Tempo hineinwachsen in seine EIGENE Selbstständigkeit.

Keine aufgesetzte!

Selbst in herausfordernden Situationen – bei uns ist es die Zeit, die unser Sohn in den Kindergarten geht – wird dein Kind sich deiner und eurer absolut sicher sein können. Ebenso wie du dann abwägen wirst, was dein Kind dann in den entsprechenden Situationen braucht.

Aber… alles zu seiner Zeit.

Die Sache mit dem Hochzeitsalbum…

Mein Sohn hat sich vergangenen Sonntag übrigens nach einiger Zeit wieder beruhigen können und sich selbst gefunden.

Ich habe ihm spiegeln können, dass ich sehe, dass ihn das gerade sehr traurig macht. Und dass ich verstehe, dass ihn das jetzt traurig macht.

Als ich ihn „trösten“ durfte – das bedeutet bei uns „Tränen abwischen“ – und er sich eine Weile zu mir kuschelte, wurde es irgendwann besser.

Das Hochzeitsalbum wird jetzt wieder eine Weile verschlossen bleiben – vermutlich so lange, bis er verstehen kann, woher die Babys kommen …oder so. Bis dahin schauen wir gemeinsam Fotoalben, in denen der kleine Held dabei ist.

Und dir hoffe ich, konnte ich einen zusätzlichen Zugang zum Thema „Oje, ich wachse“ geben.

Dein Baby ist auf deine Begleitung angewiesen und wenn du merkst, dass du selbst ein Ventil für diese Phasen brauchst, dann melde dich gern bei mir und wir besprechen wie ich dich da begleiten und stützen kann.

Hast du eine Frage zum Thema? Dann schreib doch in den Kommentaren – ich freu mich, wenn ich dir helfen kann Antworten für dich zu finden.

Alles Liebe und bis bald,
~Tabea

Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

Ich helfe dir bei Stillproblemen und Fragen im Leben mit deinem Baby. Weinen, Verwöhnen, Bedürfnisse, Schlafen, Beikost und bis hin zum Abstillen. Oder auch zum Weiterstillen in einer Folgeschwangerschaft. Alles hat seinen Raum.
Im Blog findest du dazu viele Gedanken und Anregungen - individuelle Beratungen finden per Videochat & Hausbesuch statt.
Schön, dass du da bist.

3 Kommentare

  1. Michaela sagt

    Oh nein, der arme kleine Mann! Vermutlich ist das konfrontiert werden mit der Zeit bevor man existiert fast so schlimm wie die Konfrontation mit der Vergänglichkeit / dem Tod!

    Ich habe jetzt lange überlegt, was ich sage, wenn es bei uns mal so weit ist… Bei euch ist die Situation ja jetzt soweit unter Kontrolle, aber vielleicht hilft es zu sagen, dass das war, bevor Mama und Papa zu Mama und Papa wurden? Dass Mama und Papa nicht immer Mama und Papa waren…? Hilft vermutlich auch nicht bei allen Kindern, aber vielleicht ist es bei manchen dann auch spannend zu entdecken was vor der Mama-Papa-Zeit stattgefunden hat…

    Aber Schübe sind echt doof. Zumindest wenn man gerade mitten drin steckt. Ich geh dann meistens eine Weile am Zahnfleisch, weil meiner so anstrengend ist (ihr versteht was ich meine 😉 ) und merke erst hinterher dass das wieder ein Schub war.

    • Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin sagt

      Ich bin mir gar nicht sicher, ob sich das schon abspielte … oder ob es „nur“ dieses offenbar große Bomborium mit allen außer ihm war…

      Wenn du es erst hinterher merkst, ist das aber auch doof 🙁 … da nutzt ja alle „vorinstallierte“ Hilfe nix.

  2. Michaela sagt

    Ja ich bin mir halt auch ganz oft währenddessen einfach nicht sicher… Heute Vormittag war zum Beispiel super entspannt… duschen, frühstücken, gemeinsam spielen und kuscheln und zwischendurch spielt er auch schon alleine wie ein großer. Aber nach dem Mittagessen waren wir unterwegs, und nachdem wir wieder zu Hause waren und ich ihn aus der Trage raus genommen habe, war auf einmal alles total doof! Das Nachmittagsschläfchen hat es auch nicht besser gemacht, eher schlimmer – nachdem er munter wurde, war er nur noch am schimpfen, quengeln und weinen. Und er arme Papa, der von der Arbeit nach Hause gekommen ist und eigentlich mit Zwerg spielen wollte, war abgeschrieben. Nur noch wie eine Klette an Mama hängen…
    Dazu kommt, dass ich während seinem Schläfchen gemerkt habe, dass meine NäMa auf einmal nicht mehr funktioniert, also war ich auch frustriert!

    Und jetzt weiß ich halt nicht – sind es „nur“ die Zähne, ist es ein Wachstumsschub, ein Entwicklungsschub, oder haben wir im Moment einfach nur ein paar schlechte Tage?
    Ich werde es wissen, wenn es vorbei ist :-S…

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