Abstillen, Baby, Stillzeit
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Natürliches Abstillen? Warum Babys manchmal unerwartet und plötzlich Abstillen

Können sich Babys von selbst abstillen? Ja natürlich!

Selten tun sie dies im ersten Lebensjahr – doch, ja es gibt sie.

Gerade bedürfnisorientierte Mamas machen sich fast verrückt, wenn das Stillen frühzeitig einem unerwarteten Ende entgegensteuert. Gleichzeitig wird sehr häufig berichtet, dass sich Babys bereits im ersten Lebensjahr „selbst“ abgestillt hätten.

Heute berichte ich dir von den verschiedenen Gründen, aus denen Babys auch bereits im ersten Lebensjahr „von selbst“ abstillen. Außerdem möchte ich dir erklären, was die Unterschiede dabei sind.

Es kann sein, dass du dies als Wertung deiner eigenen Stillsituation empfinden wirst. Wenn du diese unangenehm findest, kannst du gerne weiterblättern und dich anderer Lektüre zuwenden.

„Ein Baby stillt sich im ersten Lebensjahr nicht von selbst ab!“

Das ist eine weit verbreitete Meinung innerhalb der Still-Szene.

Doch was bedeutet „sich selbst abstillen“ überhaupt?

Ich habe festgestellt, dass ich in 3 Terminologien spreche, wenn es um das Abstillen geht.

  1. Das vom Kind ausgehende Abstillen
  2. Das integrierte Abstillen, welches immer von den Eltern ausgeht
  3. Das induzierte Abstillen, welches mit Nachdruck von den Eltern ausgeht

Genau genommen wird es darüber hinaus sicher auch das erzwungene Abstillen geben, auf das ich in diesem Rahmen nicht weiter eingehen werde, weil es meiner Haltung im Zusammenleben widerspricht. Außerdem bin ich mir sicher, dass es mit einer frühzeitigen Reflexion der am Abstillprozess beteiligten Erwachsenen nicht notwendig sein wird, das Abstillen strikt zu erzwingen.

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Behalte den Überblick mit der praktischen Beobachtungstabelle.

  • Wähle die Spalte mit dem Alter deines kleinen Schatzes
  • Checke alle wichtigen Parameter und du weißt sofort, ob du genug Milch für dein Baby hast.

Die eigenen Bedürfnisse gilt es auch zu achten, wenn du als Mama ein Stillkind hast. Egal, wie alt dieses ist. Dem Stillen die Schuld an deinen unbefriedigten Bedürfnissen zu geben bedeutet, dass du noch einmal genau hinschauen darfst, welche deiner Bedürfnisse auch anders erfüllt werden können.

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Wann ist es trotz Abstillen kein natürliches Abstillen?

Stillt eine Mama ab, so stillt sie ganz offensichtlich nicht mehr.

Doch betrachten wir das Baby… stillt es auch nicht mehr?

Oder „stillt“ es seine Bedürfnisse nach Milchnahrung, nach Selbstregulation durch Saugen und nach Nähe einfach auf andere Art und Weise? Eine übrigens sehr praktische Art und Weise, wenn wir ein distanziertes Zusammenleben prägen wollen.

Wenn du eine Mutter bist, die um das Stillen gekämpft hat und die Ernährung mit der Flasche so stillähnlich – wie möglich – praktizierst, weißt du darum. Du hast längst gelernt, den natürlichen Kontext des Stillens für dich zu adaptieren.

Manchmal bedeutet das auch, dass zur Ernährung mit Ersatznahrung dennoch das Stillen genutzt wird. Selbst dann wenn kaum oder keine Muttermilchproduktion vorhanden ist. Mit einem Brusternährungsset und ohne Flasche.

So können viele Benefits des Stillens jenseits von Nährstoffen weiterhin genutzt werden.

Doch zurück zum Abstillen.

Echtes Abstillen bedeutet, dass ein Kind von der Ernährung durch Milchnahrung, hin zu fester Nahrung gewechselt hat. Alle Nährstoffe werden nun aus pflanzlichen und möglicherweise tierischen Quellen genährt.

Eigenständig.

Diesen Blickwinkel behalte ich bei, wenn ich in diesem Artikel vom Abstillen schreibe und zeige dir Gründe auf, warum dein Baby sich möglicherweise frühzeitig vom Stillen abwendet.

Ohne, dass du es erwartest, forcierst oder erzwingst.

1. Ein Baby stillt ab, weil es keine Zeit mehr zum Stillen hat

Meist beginnen Babys rund um den 4. Monat herum so viel mehr in der Welt wahrzunehmen, als bisher.

Sie geraten in einen Sog-Modus und wollen nichts verpassen.

Irgendwo auf dem Schoß von Mama liegen und Stillen? Na – vielleicht für 0,3 Sekunden. Noch ehe der Milchspendereflex einsetzen konnte, lassen sie los.

  • Ein interessantes Geräusch
  • Ein bewegter Schatten
  • Ein Luftzug

Nahezu alles dienst als „Auslöser“, damit sich das größer werdende Baby nicht mehr um das Stillen kümmern möchte.

Wenn dein Baby keine Zeit zum Stillen findet, obwohl es dies bräuchte. Oder wenn dein Baby die Stillzeiten dafür nachts in einem Ausmaß ausdehnt, dass du kaum noch Schlaf findest, ist es Zeit wieder mehr auf das Stillen zu achten.

Du kannst beginnen tagsüber mehr darauf zu schauen, dass ihr eine sehr ruhige Umgebung findet, um zu stillen.

Du kannst beginnen die Gesamtgeräuschkulisse zu verstärken. Früher wäre es niemals so ruhig gewesen, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören. Die extreme Ruhe im Zuhause der Kleinfamilie macht manchmal geräuschemfindlicher als nötig.

Du kannst beginnen deinem Baby die Möglichkeit zu geben, stillen zu können, während es weiter am Leben teilnimmt. Zum Beispiel in der Trage vor dem Bauch. Das ist gut zu erlernen.

2. Ein Baby stillt ab, weil sein Stillbedürfnis umfassend erfüllt wurde

Stillen erfüllt ein breites Spektrum an Aufgaben, weit über die Ernährung hinaus.

Es verstärkt den lebensnotwendigen Bindungsaufbau, beinhaltet eine emotionelle Regulationsunterstützung, stärkt das Immunsystem und schützt so vor einer breiten Anzahl körperlicher & psychischer Erkrankungen.

Das Abstillen ist ein natürlicher Prozess, der dann beginnt, wenn ein Baby seine

  • Ernährungsbedürfnisse jenseits des Stillens erfüllen kann
  • Still- und Nähebedürfnisse in neue Bahnen lenken kann
  • Selbstregulation weitgehend aus sich selbst heraus erreichen kann

Dabei kann sich das Abstillen lange ankündigen und letztlich sehr langsam zu Ende gehen. Oder es kann sehr plötzlich unwichtig werden – zum Erstaunen der Beteiligten.

Natürliches Abstillen muss dabei keine Einbahnstraße sein. Denn manchmal kommt es erneut zu einem Stillbedürfnis – auch wenn dann zuerst einmal (vorübergehend) keine Muttermilch käme.

Auffallend beim natürlichen und vom Kind ausgehenden Abstillen ist dabei, dass es keine Ersatzbefriedigungen braucht. Die auffälligsten Ersatzbefriedigungen finden wir in einem teils exzessiven Gebrauch von Schnullern, Fläschchen oder auch anderen Übergangsobjekten.

Diese Übergangsobjekte gehören zu unserem gesellschaftlichen Bild selbstverständlich hinzu und haben deshalb auch eine wichtige Bedeutung. Auch sie werden erst dann unwichtig, wenn die damit befriedigten Bedürfnisse ausreichend erfüllt wurden.

3. Ein Baby stillt ab, weil es sich einer leichteren Nahrungsquelle zuwendet

Manchmal hat sich eine Stillbeziehung trotz ungünstiger Vorzeichen sehr gut entwickelt. Vielleicht hat niemand auf die knappe Gewichtsentwicklung reagiert, die sich zeigte.

Das kann zum Beispiel dann passieren, wenn eine Schilddrüsenunterfunktion keine tatsächlich ausreichende Milchproduktion zulassen konnte.

Kommen diese Babys ins Beikostalter, fällt mir immer wieder auf, dass sie sich von sich aus sehr schnell dem angebotenen Nahrungsangebot zuwenden. Von Studien zu diesem Aspekt des Abstillens habe ich bisher nichts gehört. Obwohl mich genauere Erhebungen dazu natürlich sehr interessieren würden.

Es scheint, als hätten die Kleinsten unter uns auch in diesem Lebensbereich sehr ausgeprägte Antennen für ihre eigenen Bedürfnisse.

4. Ein Baby stillt ab, weil niemand mehr da ist, der es stillen kann

Die aktuelle westliche Lebensweise erfordert von uns – wie zu allen Zeiten – eine starke Anpassung an die Gegebenheiten. Eine Trennung von dir und deinem Baby für viele Stunden des Tages, kann beruflich bedingt bereits in einem sehr jungen Alter deines Babys notwendig werden.

Auch Unglücke die zum Tod einer Mutter führen, können ein sofortiges Abstillen notwendig machen.

Wir leben hier in einer sehr lukrativen Situation. Denn unser Überleben hängt aktuell eben nicht mehr von der Ernährung durch Muttermilch ab. Zumindest nicht mehr in dem Ausmaß.

Wenn für ein Baby keine Muttermilch vorhanden ist, kann es sehr gut auch mit adaptierter Prenahrung überleben. In vielen Fällen mit kaum gesundheitlichen Nachteilen. Falls diese doch auftreten, ist unser Gesundheitssystem meist in der Lage, die Nachteile zu lindern.

5. Ein Baby kann von selbst abstillen und bringt sich dabei niemals in eine Ernährungsgefahr

Wenn du dich fragst, ob dein Baby bereits so weit ist, von selbst abzustillen, dann frage dich, ob es ohne Mutter- oder Ersatzmilch vollständig ernährt ist.

Von sich aus wird dein Kind sich sonst (noch) nicht vom Stillen abwenden.

Und es wird eine Übergangszeit geben, in der du dir noch nicht sicher bist. Weil du vielleicht siehst, dass dein Kind sehr wohl fähig ist, seinen täglichen Kalorienbedarf vollständig mit fester Nahrung zu decken.

Weil du vielleicht nicht verstehst, warum es nachts dennoch weiterhin auf das Stillen besteht und gar nicht daran denkt, die von dir angebotenen Alternativen zu nutzen.

Da im 1. Lebensjahr das Gehirn- und Körperwachstum rasant von statten geht, ist es kaum möglich, diese Kalorienzufuhr ausschließlich am Tag und rein über feste Nahrung abzudecken. Oder zumindest sehr selten.

Auch die emotionelle Sicherheit, die beim Stillen gesucht wird, ist für die gesunde seelische Entwicklung und die Bindungssicherheit von großer Bedeutung.

Fazit: Der Zeitpunkt an dem dein Baby selbst abstillt kommt …

Aber nicht immer dann, wenn du es gerade erwartest.

Die meisten Kinder stillen (freiwillig) zwischen dem 2. und 7. Geburtstag ab – das ist heute in verschiedenen, auch in technisierten, Kulturen ersichtlich und auch aus früheren Zeiten in Knochenfunden nachgewiesen.

Gerade in der stärksten Phase der Autonomie, ist es für manche Kinder von unglaublicher Bedeutung, auf diese Form der Rückversicherung zugreifen zu können.

Abstillen ist mehr als eine strikte Entscheidung eines Menschen über das Ende der Stillzeit. Es ist ein Teil einer sehr engen Beziehung, die veränderbar ist. Da sind die richtigen Antworten nicht immer leicht zu finden.

Umso wichtiger, dass die Frage nach eurem Abstillen eine ganz persönliche und individuelle Antwort von dir bekommt.

Hat dein Kind bereits abgestillt? Dann erzähle gern in den Kommentaren von eurem Erlebnis.

Oder stillst du noch und hast eine Frage zum Abstillen? Dann freue ich mich davon in den Kommentaren zu lesen, denn ich den kommenden Monaten soll es weitere hilfreiche Artikel für dich zu diesem Thema geben.

Machst du dir gerade sehr akut Gedanken über das Abstillen? Möchtest du Unterstützung? Dann wirf einen Blick in meinen Terminkalender und vereinbare mit mir ein kostenfreies Gespräch.

Oder fordere dir den „10-Fragen-Schnelltest zum Abstillen“ zum herunterladen an.

Alles Liebe und bis bald,
~Tabea

 

Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

Ich helfe dir bei Stillproblemen und Fragen im Leben mit deinem Baby. Weinen, Verwöhnen, Bedürfnisse, Schlafen, Beikost und bis hin zum Abstillen. Oder auch zum Weiterstillen in einer Folgeschwangerschaft. Alles hat seinen Raum.
Im Blog findest du dazu viele Gedanken und Anregungen - individuelle Beratungen finden per Videochat & Hausbesuch statt.
Schön, dass du da bist.

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