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10 Eigenschaften, die dein babyfreundliches Krankenhaus auszeichnen

babyfreundliches krankenhaus checkliste

Du bist gerade auf der Suche, nach der richtigen Klinik für eure Geburt?

Dann hast du vermutlich schon feststellen müssen, dass jede Klinik andere Schwerpunkte setzt.

Manchmal werben Kliniken damit, besonders „babyfreundlich“ zu sein. Doch was bedeutet das? Muss eine Klinik speziell zertifiziert sein? Oder sollte es nicht viel mehr selbstverständlich sein, dass eine Geburtsklinik dein Baby freundlich empfängt?

Ist eine entsprechende Zertifzierung vorhanden, wurde durch unabhängige Prüfer bestätigt , dass die Klinik bemüht ist dir und deinem Baby den natürlichsten Start ins Leben zu geben.

Vor allem der Bindungsaufbau wird dabei in den Mittelpunkt gestellt. Sowie das Stillen als natürliche Ernährung.

Auch ohne so eine Plakette können Hebammen, Schwestern & Ärzte natürlich ihr Bestes tun, um dir und deinem Baby einen natürlichen Beginn zu ermöglichen.

Sinnvoll ist, bereits am Infoabend der Klinik einfach Fragen zu stellen. Ebenso kannst du Freunde und Familie nach ihren Erfahrungen der letzten Jahre befragen.

Was zeichnet eine babyfreundliche Klinik also aus?

1. Die Klinik hat schriftliche Tipps für einen guten Stillbeginn

Dieser Leitfaden über das Stillen in den ersten Tagen ist dafür da, dass alle Mitarbeiter an einem Strang ziehen – in eurem Sinne.

Natürlich kann es dennoch sein, dass es einmal zu einer unterschiedlichen Einschätzung eurer Situation kommt. Doch es sollte alles gut erklärt werden können.

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Du wünscht dir einen respektvollen Austausch mit anderen Schwangeren, die genauso "weit" sind wie du?

Du möchtest nicht "Hinz & Kunz" mit deinen Schwangerschaftsfragen nerven - aber platzt, wenn du nicht bald jemanden zum reden hast?

Dann komm jetzt gleich in deine Schwangerschaftgruppe und triff Gleichgesinnte.

Fragen, die du stellen kannst:
  • Hat ihr Team im Kreissaal und auf Station einheitliche Stillrichtlinien?
  • Haben Sie eine Broschüre mit Stilltipps für uns Eltern?

2. Die Klinik hat geschulte Mitarbeiter

Die ordinäre Ausbildung von medizinischem Personal, auch von Hebammen, enthält entsprechend der Vorgabe nur wenige Ausbildungsstunden zum Thema „Stillen“. Es ist notwendig, dass weitere Fortbildung – zu aktueller Forschung und den richtigen Umgang mit dem Stillen – die Mitarbeiter auf einen aktuellen und gleichen Stand bringt.

Dabei ist es sehr sinnvoll, wenn darüber hinaus einige Mitarbeiter die Weiterbildung zur „International Board Certified Lactation Consultant“ (kurz IBCLC-Stillberaterin) absolviert haben.

Häufig wird in Kliniken heutzutage mit diesem Label geworben. Durch den 3-Schicht-Betrieb ist allerdings nicht zu jeder Tageszeit eine zertifizierte Stillberaterin anwesend.

Fragen, die du stellen kannst:
  • Wie viele IBCLCs sind im Schwestern-Team?
  • Ist eine IBCLC zu einer bestimmten Tageszeit erreichbar?
  • Wer ist zuständig, wenn es zu Stillproblemen in den ersten Tagen kommen sollte?

3. Die Klinik hat Angebote für Schwangere – zur Vorbereitung auf die Stillzeit

Natürlich kannst du dich jederzeit selbst mit entsprechender Literatur oder einem Online-Stillvorbereitungskurs auf die Stillzeit vorbereiten.

Eine Klinik, die mit dir zusammen arbeiten möchte, stellt dir darüber hinaus auch eine Möglichkeit zur Verfügung, dich auf die Stillzeit vorzubereiten. Sie hat die wichtige Bedeutung des Stillens erkannt und unterstützt dich dabei.

Fragen, die du stellen kannst:
  • Welche Angebote haben Sie bezüglich der Vorbereitung auf die Stillzeit?
  • Welche weiteren Elternkurse bieten Sie hier an?

4. Die Klinik bietet euch die Möglichkeit zu ausgiebigem Bonding

Völlig unabhängig davon, ob dein Baby auf normalem Weg oder mit Unterstützung auf die Welt kam. Selbst wenn dein Baby per Kaiserschnitt geboren ist.

Die erste Stunde ist von großer Bedeutung.

Es ist sehr hilfreich, wenn die Klinik in dieser Zeit von sämtlichen Routinemaßnahmen absieht.

Den meisten Babys geht es nach der Geburt recht gut. Sie erholen sich sehr schnell von den Strapazen, wenn es anstrengend war und sie bei ihrer Mama liegen dürfen.

Im Idealfall wird dein Baby dabei überhaupt nicht erst untersucht. Erfahrenes Personal kann den Zustand deines Babys ohne Weiteres abschätzen, während es bei dir liegen darf.

Immer mehr Kliniken setzen das Bonding während der Kaiserschnitt-OP bereits um.

Im Falle einer normalen Geburt im Kreissaal gibt es darüber hinaus überhaupt keinen Grund Routinemaßnahmen in der ersten Stunde des Bondings durchzuführen.

Fragen, die du stellen kannst:
  • Wie lange darf das Baby nach der Geburt bei der Mama bleiben, ehe es untersucht wird?
  • Wie ist der Ablauf, wenn das Baby per Kaiserschnitt geboren wird – ist es möglich, dass das Baby während der gesamten restlichen Operation bei der Mama verbleibt?

5. Die Klinik stellt Hilfe & Anleitung zum korrekten Anlegen

Der Stillbeginn ist immer wieder mit Schmerzen verbunden.

Dies liegt in den häufigsten Fällen daran, dass die korrekte Stilltechnik niemals ausreichend erklärt wurde.

Gar nicht selten boxen sich Mama & Baby in den ersten Tagen alleine durch. Oder zwischen unterschiedlichen und sich widersprechenden Angaben des Personals (deshalb sind Punkt 1 & 2 so essentiell).

Damit ihr von Anfang schmerzfrei stillen könnt, ist es sinnvoll über das korrekte Anlegen bereits möglichst viel in der Schwangerschaft zu lernen. Darüber hinaus solltest du dir Hilfe vom Personal nachdrücklich holen, wann immer du sie brauchst.

Hast du das Gefühl mit der zuständigen Pflegekraft oder Hebamme nicht erfolgreich zu sein, frag, wann die IBCLC-Stillberaterin wieder im Dienst ist.

Fragen, die du stellen kannst:
  • Welche Unterstützung werde ich in den ersten Tagen beim Anlegen erhalten?
  • Wie wird die Unterstützung gewährleistet, wenn es zum Babyboom kommt – sind dann zusätzliche Pflegekräfte vorgesehen?

6. Die Klinik sorgt dafür, dass Neugeborene ausschließlich Muttermilch erhalten

Die natürliche Ernährung mit Muttermilch ist von großer Bedeutung. Gerade in der Klinik ist der Kontakt mit vielen familienfremden Keimstämmen nicht verhinderbar. Dabei geht es noch nicht einmal um Krankenhausinfektionen.

Durch die vielen und hoch-potenten Abwehrstoffe in der Muttermilch ist dein Baby besonders geschützt.

Das Kolostrum entspricht einer körpereigenen Impfung – völlig ohne Nebenwirkungen.

Je besser du in den ersten Tagen beim Stillen unterstützt wirst, desto unwahrscheinlicher wird es, dass ihr in eine Situation geratet, wo medizinisch notwendiges Zufüttern geraten wäre.

Fragen, die du stellen kannst:
  • Wie viele Prozent der Babys verlassen ihre Klinik, ohne jemals zugefüttert worden zu sein?
  • Was unternehmen die Pflegekräfte alles, ehe ein Baby zugefüttert werden muss?

7. Die Klinik trennt Mutter & Baby niemals

In einer Klinik warten viele Routinen auf dich. Nur so kann der Betrieb wie Zahnrädchen ineinandergreifen.

Nicht immer sind Routinen nachteilig – doch gerade wenn du noch lernst auf die Bedürfnisse deines Babys zu hören, können stark ausgeprägte Routinen deine feinen Antennen stören.

Fragen, die du stellen kannst:
  • Welche Untersuchungen und Termine erwarten uns während dem Aufenthalt bei Ihnen?
  • Wie wird damit umgegangen, wenn mein Baby gerade stillen möchte, wenn eine Untersuchung angesetzt ist?

8. Die Klinik ermuntert dich dein Baby nach Bedarf zu Stillen

Noch immer halten sich verschiedene Mythen über das Stillen hartnäckig.

Eine Klinik, die dich beim Stillen unterstützt, wird dich ermutigen dich beim Stillen wirklich nach dem Bedarf deines Babys zu richten. Und sie werden dich dazu anleiten, wie du das tun kannst, ohne dabei unter Schmerzen zu leiden.

Fragen, die du stellen kannst:
  • Wie werden Sie mir helfen, wenn mein Baby sehr häufig Stillen möchte und ich mir schwer dabei tue?
  • Wer kann mich abends und nachts unterstützen, wenn ich mir nicht zu helfen weiß?

9. Die Klinik verzichtet darauf euch künstliche Sauger anzudrehen

Im Idealfall unterstützt dich das Klinikpersonal so beim Stillen, dass dein Baby keinen Schnuller benötigen wird. Auch andere Sauger sind in den ersten Lebenswochen ein massiver Störfaktor für das einfache Stillen.

Selbst wenn sie im ersten Moment Erleichterung bringen, folgen nicht selten weitere Schwierigkeiten.

Daher ist es gut herauszufinden, wie damit in deiner Wahlklinik umgegangen wird.

Fragen, die du stellen kannst:
  • Wie werden die Babys bei Ihnen zugefüttert – mit dem Fläschchen oder anders?
  • Stellen Sie Schnuller zur Verfügung oder muss man diese selbst mitbringen?

10. Die Klinik bringt dich mit den nächstgelegenen Stillgruppen in Kontakt

In unserer Generation geht es dir vielleicht, wie ganz vielen von uns. Selten haben wir erlebt, wie es ist, wenn eine Mama stillt. Oder wenn ein Baby stillt.

Was ist normal?

Woran kann man erkennen, dass es dem Baby gut geht?

Oder ob die Milch wirklich reicht?

Bleiben die Nächte für immer so ungewohnt anders?

Der Austausch mit anderen stillenden Mamas wird dir helfen und ermutigt dich, deinen eigenen Weg zu finden.

Fragen, die du stellen kannst:
  • Bieten Sie einen Treff für stillende Mütter an?
  • Wo finde ich Kontakte zu einer Stillgruppe in der Region?

Fazit bei der Kliniksuche für die Geburt

Das Label zur Zertifizierung einer babyfreundlichen Klinik ist eine Möglichkeit, mit der eine Klinik darauf aufmerksam machen kann, dass sie sich um diese 10 Eigenschaften gekümmert hat. Nur so bekommt sie die Plakette „Babyfreundlich Zertifiziert“.

Ein zusätzlicher Punkt, der in der offiziellen „babyfreundlich Agenda“ nicht genannt wird, ist die Kaiserschnittrate. Diese kannst du herausfinden, indem du danach fragst oder schon vorab im Internet danach suchst. Solche Zahlen werden veröffentlicht. In Deutschland schwanken sie zwischen 17 und 51 Prozent.

Wichtig ist natürlich der „Geist“ der in einer Klinik herrscht.

Im besten Fall schwingt ein positiver, ermutigender Geist und überzeugende Zahlen, Daten und Fakten auch auf dem Informationsabend. Solche Abende werden heutzutage in nahezu allen Geburtskliniken angeboten.

Dennoch solltest du nie vergessen, dass ein solcher Abend immer eine Werbeveranstaltung ist.

Deshalb heißt es: sei mutig – und stell die Fragen, die offen geblieben sind!

Man wird später nicht mehr wissen, wer die Fragen gestellt hat – solltest du in Sorge sein, dass man dich für penibel hält.

Was war dir am wichtigsten, als du begonnen hast, nach der Klinik für eure Geburt zu suchen?

Schreib mir gern in den Kommentaren!

Alles Liebe und bis bald,
~Tabea

Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

Ich helfe dir bei Stillproblemen und Fragen im Leben mit deinem Baby. Weinen, Verwöhnen, Bedürfnisse, Schlafen, Beikost und bis hin zum Abstillen. Oder auch zum Weiterstillen in einer Folgeschwangerschaft. Alles hat seinen Raum.
Im Blog findest du dazu viele Gedanken und Anregungen - individuelle Beratungen finden per Videochat & Hausbesuch statt.
Schön, dass du da bist.

2 Kommentare

  1. Yvonne sagt

    Ich hatte das Glück in einem Land zu entbinden, das als.sehr familien und kinderfreundlich gilt.
    Mein Baby war nach der Geburt (letztendlich Kaiserschnitt) und nach der ersten Untersuchung immer bei mir und es wurde selbstverständlich gezeigt, wie gestillt wird. Auch der Vater durfte dabei sein umd auch nachts. Alles selbstverständlich.
    Direkt nach dem Schnitt wurde mir sofort mein Baby gezeigt und das Köpfchen an meinen gehalten.
    Was es hier nicht gibt, sind weitere Elternkurse oder Hebammen, die nach Hause kommen.
    Letzteres ist sehr schade, denn man hätte mir die ein oder andere angst nehmen können. Sie wurde nur mit 2360 gr in der 39 Woche geholt und bin ganz aufs füttern meiner Kleinen fixiert. Der Arzt riet zur Zufütterung nachdem sie nach 3 Tagen nur noch 2100gr wog.
    Das Klinikpersonal war sehr freundlich, vor allem baby freundlich und es wird grundsätzlich eine natürliche Geburt angestrebt

    • Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin sagt

      Das klingt als ob du dich sehr wohl gefühlt hast.

      Toll das das alles so stimmig für dich lief <3

      ~Tabea

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