Geburt
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Warum ich mich gegen eine Geburt in einer Klinik entschieden habe

geburt-klinik

„Was beschäftigt dich gerade?“, war die wichtigste Frage meines letzten Newsletters.

Die Antworten, die ich bekam, waren ganz unterschiedlicher Natur. Sie berührten mich alle auf ihre ganz eigene Weise. Trafen mich. Machten mir Mut.

Deshalb teile ich heute ein Stück meiner Geschichte mit dir.

Vielleicht kannst du meine Gedanken, die ich sonst so auf dem Blog mit dir teile, noch besser verstehen. Noch besser für dich nutzen.

Oder wir fühlen uns einfach ein wenig mehr verbunden?

Das fände ich schön. Denn dafür schreibe ich ja auch.

Meine eigene Schwangerschaft kam nicht überraschend. Sie war fest eingeplant. Vielleicht kam sie ein wenig schneller als erwartet. Ein Glück für meine Sehnsucht.

Schon bei der ersten Vorsorge war mir recht klar, dass ich eine normale Geburt ohne medizinische Interventionen erleben wollte.

Dabei waren viele persönliche Überlegungen mit einzubeziehen.

1. Meine Erfahrungen mit Geburtenstationen in Kliniken

Bis zum Beginn meiner eigenen Schwangerschaft hatte ich durch meinen Berufsweg Gelegenheit Einblick in die Arbeitsweise von fünf Wöchnerinnenstationen und Kreissälen zu bekommen.

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Ich hatte längst erkannt, dass die Begleitung unter der Geburt von 2 klinischen Faktoren stark mitbeeinflusst wurde:

  1. Dem anwesenden Personal
  2. Dem Personal : Patienten – Schlüssel zum Zeitpunkt der Betreuung

Auf den zweiten Punkt hatte das Personal keinerlei Einfluss. Wie viele Frauen wann Wehen bekommen lässt sich ja nicht kalkulieren. Auch wenn das System der deutschen Krankenversicherung genau das möchte.

Doch der erste Punkt ist ebenso wichtig. Wüsste ich doch nie, welchen Ausbildungsstand der anwesende Arzt hat oder welche Haltung zu meiner Gebährfähigkeit die anwesende Hebamme.

Immerhin ist das Geschehen der Geburt selbst aber ja auch mitverantwortlich für den ganzen Verlauf nach der Geburt.

Noch viel klarer sah ich, dass ein Klinikaufenthalt über ein oder mehrere Nächte nicht meinen Vorstellungen entsprach.

Glaub mir – ich hätte vorab für die günstigsten Voraussetzungen sorgen können, hätte ich mich für die Klinik entschieden, in der ich zu dem Zeitpunkt tätig war.

Mein Team war großartig. Die Kolleginnen mit einem großen Herz.

Man hätte mich machen lassen. Meine „Regeln“ gekannt.

Doch auch so wäre ich nur einem Teil der Routine entkommen.

Es war mir völlig unklar, was Diskussionen über die Notwendigkeit verschiedener Untersuchungen an meinem neugeborenen Baby und mir ausgelöst hätten. Ich wollte gerne meine Ruhe zu den Momenten, in denen sie mir das kleine Bündel gewähren würde … Essen wann ich Hunger hätte … Schlafen ohne eine Unterbrechung durch Reinigungspersonal oder die Erinnerung, dass nun ich zu einer Visite müsse.

Ich wünschte mir eine kleine Wochenbetthöhle. In der ich bleiben dürfe. Bei der ich nicht nach drei, vier oder 5 Tagen mich erneut einrichten müsste.

Hätte ich in den ersten Tagen so viele Termine wahrnehmen müssen … ich glaube ich hätte das zurückschalten auf WochenBETT nicht geschafft. Und genau dem wollte ich eigentlich vorbeugen.

Also dachte ich an eine ambulante Geburt.

Doch wo. Wer würde mich so durch die Geburt begleiten, dass ich mir sicher sein könne, dass ich den vielen Manipulationen die so „üblich“ sind entgehe?

  • Ich wollte keine Infusionen
  • Ich wollte keinen Einlauf
  • Ich wollte keine häufigen Untersuchungen
  • Ich wollte keine Eröffnung der Fruchtblase – auch nicht aus Versehen während einer Untersuchung
  • Und so vieles mehr!

Wäre doch eine ambulante Geburt das einfachste gewesen, um das „Beste von Allem“ abzugreifen. Die unkalkulierbaren Einflussfaktoren waren mir einfach zu viele.

2. Mein Wohnort

Zum Zeitpunkt meiner Schwangerschaft hatte ein unserem damaligen Wohnort in Bayern nahegelegenes Geburtshaus gerade seine Türen schließen müssen.

Eine Hausgeburtshebamme gab es noch. Sogar zwei. Doch durch die beruflichen Kontakte war eine davon bereits für mich ausgeschieden gewesen.

Zwei Kliniken waren etwa gleich weit entfernt. Eine Anfahrt von 20-25 Minuten über eine recht passable Landstraße musste ich in beide Richtungen rechnen.

Trotz der relativ weiten Entfernung der nächsten Geburtshäuser in Augsburg und München, recherchierte ich vor allem hier weiter. Die zu fahrende Strecke war vergleichbar. Der Unterschied hauptsächlich im Anteil von Landstraße zu Autobahn zu finden.

Im Berufsverkehr würde beides schwierig werden.

Dennoch bestand ich darauf, dass wir zumindest an einem Informationsabend teilnehmen würden. Vor allem auch, damit sich mein Mann ein allererstes Bild machen könnte.

Meine Vorsorgen musste sich meine Gynäkologin mit einer regionalen Hausgeburtshebamme teilen. So hätte ich vor Ort genug Notfallkontakte aller Art gehabt.

In Infoveranstaltung und dem Kennenlernen im persönlichen Gespräch überzeugte auch meinen Mann von dem Geburtshaus mit einem sehr hohen Qualitätsmanagement. Hier waren ab dem ersten Moment die persönlichen Belange genauso angenommen, wie die medizinische Kontrolle und Begleitung – was in meiner Schwangerschaft tatsächlich auch noch von Bedeutung wurde.

Die Distanz wurde – nach einigen Fahrten – für uns immer machbarer.

Erst zur Geburt selbst war das Wissen um diese Distanz eine sehr relevante Hürde. In meinem Kopf. Wobei es auch da weniger die Strecke an sich war … sondern ich schon zu Geburtsbeginn merkte, dass ich gern „sofort“ in der Geburtsumgebung gewesen wäre.

3. Meine eigenen Ängste und die meines Umfeldes

Eigene Ängste vor einer Geburt außerhalb einer klinischen Einrichtung gab es nicht.

Umso mehr musste ich aufpassen mir die Ängste von anderen nicht zu eigen zu machen.

Zwar ging ich mit der Information, dass ich im Geburtshaus gebären wollte nicht hausieren. Doch wurde ich gefragt, war es natürlich Thema!

Natürlich gab es ermutigende Kommentare. Doch das ist doch – seien wir mal ehrlich – nicht das, was im Kopf bleibt.

Vielmehr wurde ich mit Ängsten konfrontiert.

Ängsten, dass wir den Weg nicht schaffen könnten

Ängsten, dass dem Baby und mir etwas passieren könnte

Es kamen auch alte Ängste bei Familienangehörigen hoch. Kein Wunder wenn diese selbst Schreckliches bei ihrer Geburt erlebt hatten.

Doch meine Haltung war klar. Geburtshaus. Die Backup-Anmeldung in der nahegelegenen Klinik stand. Fertig.

Aber: würde ich es auch schaffen?

4. Meine Erfahrungen im Verlauf der Schwangerschaft

Seit einigen Jahren werden von allen Hebammen – auch jenen die einzeln arbeiten – hohe Qualitätsnachweise gefordert. Verbessert das die Qualität wirklich?

Ich weiß es nicht. Ich finde es übertrieben. Unglaublich viel Papierarbeit … aber vielleicht ist diese auch notwendig?

Um eine hohe Qualität in der Betreuung von Schwangeren zu gewährleisten, finde ich es wichtig, dass es einen Austausch gibt. Am besten interdisziplinär. Offen für alternative Wege.

Den konnte ich im Geburtshaus wahrnehmen. Ich kannte „mein Hebammenteam“ und sie kannten mich. Sie sprachen über mich. Wussten, wie ich zu nehmen bin und waren dennoch alle offen. Jede auf Ihre Art.

Als ich während der Schwangerschaft mit den Symptomen einer Schwangerschaftscholestase dringend eine Blutentnahme braucht, waren sie vernetzt und kümmerten sich sofort darum, mich bei der Diagnosestellung zu unterstützen. Klärten parallel andere mögliche Ursachen meiner Symptome ab. Selbstverständlich! So konnte viel schneller als sonst vielleicht die entsprechende Therapie begonnen werden.

Bereits zuvor hatte sich diese höchst fachliche Teamhaltung bemerkbar gemacht, als ich auf der Suche nach dem richtigen Pilzmittel für mich war. Völlig selbstverständlich gab man mir eine Laborbox mit. Ich wollte erst noch warten, ob die Behandlung die ich gewählt hatte anschlagen würde.

Die hohe Qualität in der Arbeitsweise, die ich im Geburtshaus aus Sicht einer Patientin kennenlernen durfte, habe ich noch nie so wahrgenommen.

Sie fehlte mir sowohl bei der Arbeit der alleine arbeitenden Hebamme, wie auch bei der Gynäkologin. Der Austausch untereinander im Team des Geburtshauses machte etwas ganz wertvolles, was mir als Patientin zugute kam.

So konnte ich im Verlauf dann auch wieder klarer mit meiner Betreuung vor Ort weiterarbeiten.

5. Mein Sicherheitsnetz und Plan

Vor Ort dennoch nicht alleine zu sein, war der wichtigste Aspekt.

Die Eventualitäten nicht fürchten, sondern einkalkulieren sorgte für meine persönliche Sicherheit.

So hatte ich neben den regelmäßigen Besuchen im Geburtshaus natürlich weiterhin auch Besuche bei meiner Gynäkologin wahrgenommen. Aber auch mit der Nachsorgehebamme, die mich auch während der Schwangerschaft begleitete.

Und es erwies sich als gut!

Ich musste feststellen, dass die Arbeitsweise meiner gewählten Nachsorgehebamme nicht dem entsprach, was ich für mich brauchte. Konnte mir – gerade noch rechtzeitig – einen Ersatz organisieren.

Auch für die Geburt gab es Plan A, B, C, D ….und E.

Verrückt? Schau selbst…

  • In größter Not hätte ich – trotz dem „Zerwürfniss“ – eine Notfall-Hausgeburtsbetreuung an der Hand gehabt … da war ich mir recht sicher.
  • Die nächste Klinik war mir gut bekannt und 20 Minuten entfernt.
  • Der geplante Weg ging natürlich ins Geburtshaus.
  • Eine normale Verlegung in Ruhe, wegen Geburtsstillstand ohne Komplikationen hätte jederzeit in Absprache mit der Hebamme im Geburtshaus stattfinden können – in jede Klinik der Stadt. Auf ihre Empfehlung hätte ich in dieser Situation gezählt.
  • Die naheliegenste Klinik zum Geburtshaus bekam einige Wochen vor Geburt meine Unterlagen, meinen Geburtsplan und alles was sie brauchten. So war auch eine Notfallverlegung ohne weiteres möglich und eingeplant.

Wie es dann kam… mit unserer Geburt?

Ohne hier einen genauen Bericht zu schreiben. Sie dauerte lang. Viel länger als ich je gedacht hätte.

Und sie hatte eine Pause. Eine lange Pause die ich brauchte … die in einer Klinik aber mit sehr großer Wahrscheinlichkeit zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gewährt worden wäre.

Was dann passiert wäre?

Die Pause kam tagsüber. Zu einer Zeit, in der es verschiedene Optionen gegeben hätte. Verschiedene Beteiligte, die vielleicht gedrängelt hätten.

Es wären Interventionen gekommen. Welche oder welche Kaskade sie hinter sich hergezogen hätten? Ich weiß es nicht. Natürlich sind das alles Spekulationen.

Vermutlich hätte mein Umfeld gesagt:

„Siehste: War es doch gut, dass du in der Klinik warst … wer weiß, was sonst passiert wäre.“

Und genau dieser Satz ist der, der mich den Kopf schütteln lässt. Er lässt vermuten, dass es eine Sicherheit gäbe, wo keine ist.

Denn schaut man die Zahlen genau an, weiß man: die Sicherheit für dich und dein Baby ist gewährleistet, unabhängig von dem Geburtsort, den du wählst.

Doch die Wahrscheinlichkeit, dass du deine Geburt aus eigener Kraft erlebst steigt mit ganz klaren Faktoren.

Der Geburt in der 1:1-Betreuung durch eine Hebamme.

Der ununterbrochenen Begleitung durch eine an dich glaubende Person, wie eine Doula.

Das ist der Grund warum ich mich für unsere Geburt für unseren eigenen Weg entschieden habe. Entscheiden konnte. Gemeinsam mit meinem Mann – denn die Gemeinsamkeit unserer Entscheidung war uns wichtig.

Rückblickend kann ich nun sagen:

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„Siehste. War es doch gut, dass ich 1:1 von einer Hebamme betreut wurde. Dass ich den Raum hatte, den unsere Geburt brauchte.“

Doch das wollen viele gar nicht hören.

Für dich ist es nur von Bedeutung, um zu erkennen, dass dein Weg einfach ein einzigartiger sein darf. Je besser du die Einflussfaktoren kennst, die eure Geburt umgeben werden, je besser du dich auf diese einstellen kannst … desto weniger werden dich zusätzliche unerwartbare Einflussfaktoren aus dem Takt bringen können.

Ich wünsche euch alles Gute und davon nur das Beste! Und eines interessiert mich: Warum hast du deinen (voraussichtlichen) Geburtsort gewählt?

Bis bald,
~Tabea

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Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

Ich helfe dir bei Stillproblemen und Fragen im Leben mit deinem Baby. Weinen, Verwöhnen, Bedürfnisse, Schlafen, Beikost und bis hin zum Abstillen. Oder auch zum Weiterstillen in einer Folgeschwangerschaft. Alles hat seinen Raum.
Im Blog findest du dazu viele Gedanken und Anregungen - individuelle Beratungen finden per Videochat & Hausbesuch statt.
Schön, dass du da bist.

2 Kommentare

  1. Nach meiner ersten Geburt im Krankenhaus mit Notkaiserschnitt in Vollnarkose in der 32. SSW habe ich mich dieses mal für das Geburtshaus entschieden. Ich kann dem Krankenhaus/dem Oberarzt in der Entscheidung um die Geburt nichts schlechtes nachsagen, denn nur so konnte mein Baby überleben. Doch immer wenn ich in die Nähe der Klinik komme wird es mir ganz komisch. Deshalb möchte ich, vorausgesetzt diese SS verläuft ausreichend normal, ich Geburtshaus entbinden, weil ich mich im Krankenhaus nicht entspannen könnte, da ich immer in Hab-Acht-Stellung wäre ob auch wirklich alle Interventionen nötig wären. Ich traue es meinem Körper zur Zeit wirklich zu unser 2. Baby zu gebären und hab auch von meiner mentalen Fähigkeit gerade eine hohe Meinung. 😉

    • Tabea Laue | Kinderkrankenschwester sagt

      Liebe Anika,

      danke für deinen offenen Bericht!

      Ich glaube ganz fest daran, dass viele Ärzte und Schwestern gute Arbeit leisten. Nein – ich glaube nicht daran, ich weiß es. Toll, dass es auch für euch ein gutes Notfallmanagement gab. Genau darin sehe ich die Aufgabe eines Krankenhauses übrigens auch.

      Gut, dass du für eure zweite Geburt auch deine mentalen Fähigkeiten im Blick hast. Ich wünsche dir alles Gute, dass du diese weiter schulen kannst und eine gesunde Schwangerschaft und Geburt erleben darfst.

      Alles Liebe für euch,
      ~Tabea

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