Geburt
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Wie du mit der Routine rund um deine Geburt richtig umgehst

Geburt Routine Untersuchung

Ich mag keine Krankenhäuser.

Beziehungsweise … ich mag keine Krankenhäuser zur Geburt.

Warum?

Weil eine große Zahl der Kliniken in ihrer ganzen Struktur darauf ausgelegt sind Kranke zu heilen. Dafür müssen sie fast immer intervenieren. Das ganze System ist auf Intervention ausgelegt.

Und das macht häufig auch vor dem Kreissaal nicht halt.

Seien wir mal ehrlich.

Zu einem Arzt gehen wir meist erst dann, wenn es uns schlecht geht.

Er hat Abläufe, die es ihm einfach machen dir zu helfen.

Er checkt deinen Blutdruck, deinen Herzschlag, deine Blutwerte. Er fragt dich kurz nach deinen Beschwerden. Selten wird er vielleicht noch darauf eingehen, wann deine Beschwerden stärker werden und welche Umstände sie weniger werden lassen. Dann gibt er dir ein Rezept und du kannst wieder gehen.

Ein Arzt ist ausgebildet zu heilen.

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Er untersucht. Er kontrolliert. Gibt Medikamente. Er operiert.

Ich hatte viele Gelegenheiten tolle Ärzte kennenzulernen. Darunter wirklich zauberhafte Ihrer Art. Menschen, denen ihr Gegenüber wirklich, wirklich wichtig ist.

Doch auch diese Ärzte werden nicht lange in der Geburtshilfe bleiben. Von den meisten dieser Art weiß ich, dass sie sich zurückziehen … in Arbeitsbereiche in denen sie noch gute Entwicklungsmöglichkeiten sehen.

Dann gibt es noch die Ärzte, die eigentlich mehr einer Hebamme mit Arztstudium entsprechen.

In Kliniken findet man sie selten. Gelegentlich als Belegärzte. Ich weiß, dass manche ihrer Art mit einem Geburtshaus zusammenarbeiten. Das sind die Ärzte, die sich auf Geburtshilfe spezialisieren.

Doch was kennzeichnet sie?

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„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“

So steht es – in einem völlig anderen Zusammenhang – bereits in der Bibel geschrieben. Und es ist wahr.

Man erkennt sie also recht einfach. An ihren Zahlen.

Eine Geburt ist ein völlig normales Ereignis. Im Leben jeder Spezies.

Da wir zu einer Spezies gehören, die nur eine kleine Anzahl an Nachkommen auf natürlichem Weg bekommt, ist es umso wichtiger, dass alle wohlbehalten überleben können.

Trotzdem kann es zu Komplikationen kommen. Dafür ist – in unseren wirtschaftlich weit fortgeschrittenen Gesellschaft – die heilende Medizin zuständig. Und das ist gut und richtig!

Geburtsmedizin kann hier Leben retten.

Doch „die Menge macht das Gift“, sagte bereits Paracelsus.

Hier befinden wir uns rund um den Zeitraum einer erwarteten Geburt in einer Situation, die sich durch den zunehmenden Personalmangel der Hebammen weiter zuspitzt.

Noch weiter zuspitzen wird.

Ich schreibe das deshalb in diesem Zusammenhang, weil ich momentan häufig noch ein Hinnehmen der gewachsenen Situation wahrnehme.

Deine Schwangerschaft und die Geburt deines Babys ist etwas völlig Gesundes und Normales … doch gleichzeitig braucht es Menschen, die dich so begleiten, dass diese Normalität erhalten bleibt. Und die dennoch unterstützend eingreifen, wenn du und dein Baby Intervention bräuchtet.

So. Und jetzt kommt der Knackpunkt, bevor ich zum der Frage komme, die in der Überschrift steht.

An genau diesem Punkt geht es nur noch um eines.

Und du hast die Entscheidung, wie du damit umgehst.

Es geht um.

V-E-R-A-N-T-W-O-R-T-U-N-G

Punkt.

Um nicht mehr und nicht weniger.

So lange du den Schritt nicht wagst, diese Verantwortung selbst in die Hand zu nehmen. So lange wird deine Schwangerschaft und deine Geburt Routinen unterworfen werden. Sie sind vorhanden, damit sich diejenigen, die stattdessen für dich die Verantwortung tragen sollen, schützen können.

Denn Verantwortung zu tragen kann eine große Last sein. Genau deshalb steht und fällt damit auch ein großer Teil deiner Selbstbestimmtheit.

Routinen sind ein Schutzgerüst. Absolut.

Aber sie schützen nicht (nur) vor Gefahr. Sondern sie sind ein Konstrukt, das vor allem vor Konsequenzen schützen soll.

Sind alle Routinen schlecht? Nein – natürlich nicht.

Trotzdem sind es in der Schwangerschaft und zu deiner Geburt so viele Routinen, die auf dich warten. Viele davon werden dir als gegeben verkauft. Du bekommst gar nicht mehr die Aufklärung und den Raum eine Entscheidung darüber zu treffen, ob du eine Untersuchung haben möchtest.

Routinen sind gerade deshalb immer zu hinterfragen.

  • Können sie dir ebenso auch schaden?
  • Wie können sie schaden?
  • Wann genau nutzen sie dir mehr, als sie schaden?

Wie kannst du also dafür sorgen, dass deine Geburt nicht dem Nachweis dient, sondern einfach einen natürlichen Verlauf behalten darf?

1. Sprich mit deinem Geburtsteam

Zuallererst musst du natürlich einmal herausfinden, welche Routinen auf dich warten, wenn du zu eurer Geburt kommst.

Dazu kann es hilfreich sein eine deiner Vorsorgen direkt dort zu machen, wo du auch dein Kind gebären möchtest. Oder du bittest um ein Vorgespräch. Das ist gar nicht so unüblich.

So ein Vorgespräch findet meist recht spät in der Schwangerschaft statt. Bitte hier ruhig um einen früheren Termin, damit dir noch genug Zeit bleibt dich in Ruhe, mit den neuen Fakten in der Hand, vorzubereiten.

2. Informiere dich über die geplanten Vorgehensweise bei der Geburt

In dem Gespräch mit einem Arzt oder einer Hebamme kannst du herausfinden:

  • Welche Untersuchungen bei der Aufnahme zur Geburt durchgeführt werden
  • Welche Gebärmöglichkeiten du hast
  • Welche Medikamente oder Infusionen du bekommen wirst
  • Wie lange du dich frei bewegen darfst
  • Wie häufig du während der Geburt weitere Untersuchungen erwarten musst und welche

Natürlich kannst du auch fragen, was andere Frauen wichtig finden unter der Geburt. Diese Frage kannst du mit Freundinnen oder mit deiner Hebamme erörtern.

So bekommst du eine Idee davon, was üblich und möglich ist.

3. Finde heraus, welche Alternativen möglich sind

Wenn du – mit den Schlagworten im Gepäck – nun anfängst zu recherchieren, kannst du so herausfinden, welche Kritik oder Stellungnahmen es zu den einzelnen Vorgehensweisen gibt.

Dazu dient dir das Internet. Dort kann natürlich jeder schreiben, was er mag. In vielen kritischen und offiziellen Quellen sind jedoch weitere Quellen zu Literatur und Studien angegeben.

Ein sehr empfehlenswertes Buch von der amerikanischen Hebamme Ina May Gaskin erläutert ebenfalls auf sehr angenehme Art und Weise verschiedene Aspekte der Geburt. Es heißt „Die selbstbestimmte Geburt“ und beinhaltet des weiteren einige Geburtsberichte, die dir einen Eindruck vermitteln können.

4. Besprich dich mit deinem Partner

In den wenigsten Fällen wirst du die Entscheidungen zur Geburt ganz alleine tragen und vertreten.

Unabhängig davon, wer dein Partner für deine Geburt sein wird, ist es wichtig, dass ihr euch hier besprecht.

  • Was sind eure Sorgen und Ängste – wie könnt ihr damit umgehen.
  • Welche Routinen möchtet ihr nutzen und auf welche lieber verzichten.

Es wird ein kluges Abwägen notwendig sein, damit ihr eure Entscheidung sehr klar treffen könnt.

5. Schreibe auf, was dir wichtig ist für deine Geburt

Egal, ob du zu einer Frage eine klare Antwort für dich gefunden hast, oder ob die Klärung noch aussteht.

Schreib dir alles auf.

  • Schreibe auf, zu was du gefragt werden willst.
  • Schreibe auf, welchen Routinen du zustimmst.
  • Schreibe auf, welche Untersuchungen du ablehnst.

Nur so wirst du es vor Augen haben. Nur so siehst du genau, worüber du dir noch klar werden möchtest.

Fazit.

Unter der Geburt mag vieles plötzlich und schnell passieren. Selten jedoch so plötzlich, dass keine Zeit mehr wäre für Erklärungen.

Auf viele Routine-Situationen kannst du dich schon während deiner Schwangerschaft vorbereiten.

Dazu ist es wichtig ins Gespräch zu kommen: mit Frauen die bereits geboren haben und den Menschen, die dich während deiner Geburt begleiten werden.

Genauso wichtig ist es für dich herauszufinden, welche Routinen du in Anspruch nehmen möchtest und welche nicht. Für eine selbstbestimmte Entscheidung ist es wichtig, dass du dir genug Information suchst und das Gelernte gegeneinander abwägst.

Es gibt meist deutlich mehr als einen Weg.

Niedergeschrieben haben Worte bekanntermaßen mehr Macht als „nur“ gesprochen. Deshalb tu dir etwas Gutes und schreibe deine Entscheidungen auf. Ebenso deine Wünsche – und sei es „nur“ der Wunsch, dass du frühzeitig in den Verlauf mit einbezogen werden möchtest.

Wenn du deine Selbstbestimmungsrecht unter der Geburt wahrnehmen möchtest, bedeutet das auch, dass du die Verantwortung, die du als Mutter hast, bewusst annimmst. Es heißt jedoch nicht, dass du widerspenstig oder unvernünftig sein musst. Viel mehr bedeutet es, dass du dir das Wissen besorgst, um eine informierte Entscheidung zu treffen.

Glaubst du daran, dass es wichtig ist die reine Routine gegen aufgeklärte Entscheidungen zu tauschen? Dann teil diesen Artikel mit Hilfe der Buttons unten mit deinen Freunden und Bekannten.

Alles Liebe und bis bald,
~Tabea

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Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

Ich helfe dir bei Stillproblemen und Fragen im Leben mit deinem Baby. Weinen, Verwöhnen, Bedürfnisse, Schlafen, Beikost und bis hin zum Abstillen. Oder auch zum Weiterstillen in einer Folgeschwangerschaft. Alles hat seinen Raum.
Im Blog findest du dazu viele Gedanken und Anregungen - individuelle Beratungen finden per Videochat & Hausbesuch statt.
Schön, dass du da bist.

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