Geburt
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Wie dein Kaiserschnitt zur selbstbestimmten Geburt wird

Kaiserschnitt selbstbestimmt Geburt

Du wolltest auf jeden Fall eine natürliche Geburt.

Selbstbestimmt wolltest du gebären. Mit einer Hebamme. Aus eigener Kraft.

Nur: bitte keinen Kaiserschnitt!

Doch nun sieht alles danach aus, als würdest du genau das bekommen, was du nie wolltest.

Du hast genug Gruselberichte gelesen.

Jetzt fühlst du dich schlecht. Doppelt schlecht.

Ausgeliefert.

Das verstehe ich! Und ich höre da zwei Dinge mitschwingen:

  1. überhaupt die Geburt im OP-Saal
  2. das Aufgeben deiner Selbstbestimmung

Tatsächlich bin ich der Meinung, dass es das Recht jeder Frau ist, sich eine natürliche, selbstbestimmte Geburt zu wünschen.

Manchmal kommt es dann zu Situationen, wo recht schnell klar ist, dass es keine natürliche, vaginale Geburt geben wird.

Kaiserschnitt-Checkliste anfordern

Ein Kaiserschnitt, der sowohl deinen als auch den Bedürfnissen deines Babys gerecht wird? Das ist in immer mehr Kliniken möglich - hol dir die Checkliste und gehe vorbereitet ins Vorgespräch.
Dazu bekommst du Tipps, die dir nach dem Kaiserschnitt mit dem Stillen helfen können.

Heißt das jedoch auch, dass das Menschenrecht auf Selbstbestimmung hinfällig ist?

Leider ist das Ausleben der Selbstbestimmung gar nicht immer so leicht.

Viel eher passiert es uns, dass uns alles überrumpelt. Dass wir danach denken „Das habe ich doch gar nicht gewollt!“.

Unser Recht auf Selbstbestimmung kommt nicht von alleine zu uns. Wir müssen es in die Hand nehmen.

Aktiv werden.

Nichts voraussetzen.

Fragen stellen. Häufig auch unbequeme Fragen.

 

1. Erkundige dich, was üblich ist

Auch wenn du dich gerade noch im Gefühlsstrudel befindest – – wenn Du noch einige Tage vom Termin entfernt bist, dann mach in der von dir gewählten Klinik gleich einen Termin aus.

Bitte um einen Termin zum Vorabgespräch für einen Kaiserschnitt. Lass dir diesen so zeitnah wie möglich geben.

Es wird sowieso etwas Wartezeit auf dich zukommen.

Bestehe darauf, dass dieser Termin nicht kurz vor knapp stattfindet. Sondern bald.

Du kannst am Telefon durchaus bereits klar machen, dass es für dich ein paar wichtige Fragen zu klären gibt, die du frühzeitig und persönlich beantwortet wissen willst.

Das kleinste hierzulande übliche Setting zur Geburt

Ein Zweier- oder Dreier-Gespann. Eine Kombination aus Gebärender, Hebamme und Kindsvater.

Auch in diesem kleinen vertrauten Kreis gibt es keine Garantie dafür, die eigene Selbstbestimmtheit zu behalten. Doch die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch.

Über die Schwangerschaft hinweg hatte man viel Gelegenheit, um sich gemeinsam auf die Geburt vorzubereiten.

Man kennt sich.

Man vertraut sich.

Viele Köche verderben den Brei

Je mehr „Teilnehmer“ eine Geburt hat, desto unpersönlicher sind die Verbindungen zwischen den Einzelnen.

Aber noch mehr.

Jeder der Beteiligten hat ganz eigene Vorstellungen von dem bevorstehenden Ereignis.

Umso wichtiger ist es, dass du deine eigenen Standpunkte klar machst.

Du wirst kommunizieren müssen, dass du mit eurer Geburt nicht ins „Schema-F“ gepresst werden möchtest.

Im Gespräch mit den Verantwortlichen wirst du herausfinden, in wie weit man sich dort auf dich einstellen und einlassen wird.

Ein Mitbestimmungsrecht über einen Kaiserschnitt ist noch lange nicht üblich

Überhaupt scheint auch sonst noch zu oft am guten Umgang mit Gebärenden zu hapern.

Deshalb ruft die Aktion Roses Revolution jedes Jahr im November dazu auf, aktiv zu werden. Rückmeldung zu geben, wenn man verletzende oder traumatisierende Situationen in der Geburtshilfe erfahren musste.

Es kann durchaus sein, dass du erst einmal das Gespräch mit verschiedenen Kliniken suchen musst.

Ebenso kann es sein, dass am Ende nicht allen deinen Wünschen entsprochen wird.

Was du in jedem Fall tun kannst, ist, das offene, ehrliche und direkte Gespräch zu suchen. Deine Anliegen und deine Bedürfnisse klar zu machen.

Offene Fragen bringen das Gespräch dabei meist weiter.

Du kannst diese Checkliste für deine Fragen zum Kaiserschnitt dafür nutzen.

Selbst wenn die Entscheidung für einen Kaiserschnitt fest steht: Die Wahl der Klinik liegt bei dir.

Deutschlandweit.

 

2. Finde heraus, was dir wichtig ist

Bereits vor eurem Gesprächstermin ist es gut, ins Gespräch mit anderen Kaiserschnitt-Mamas zu kommen.

Sie kannst du fragen, was sie als besonders hilfreich und positiv empfanden. Oder eben im Gegenteil, besonders störend und schwierig.

Informationen über die Aspekte eines selbstbestimmten oder familienfreundlichen Kaiserschnitts aus Sicht von Fachpersonen findest du

Bleib im Gespräch mit einer vertrauten Begleitung

Dabei kann es hilfreich sein, wenn du im Gespräch bleibst mit jemandem, der dich gut begleiten kann.

Die gewonnenen Informationen für dich zu bewerten und herauszufinden, was dir davon sehr wichtig ist, braucht Zeit.

 

3. Leg einen Geburtsplan an

Einen Geburtsplan kennt man immer häufiger aus dem Bereich der spontanen Geburtshilfe. Auch da ist er noch lange nicht überall üblich!

Schreibe hier zusammen, was du und dein Partner für dich und eure kleine Familie als Wunsch festgelegt habt.

Dort kommt alles hinein, was euch wichtig ist.

Anleitungen um einen Geburtsplan zu schreiben findest du im Internet – dort findest du viele gute Gedanken. Die können dich dabei unterstützen eine positive und klare Formulierung zu finden.

 

4. Sprich mit dem Personal

Wenn ihr an den Punkt gekommen seid, an dem eure Geburtsklinik feststeht, ist es wichtig, dass ihr an allen zuständigen Stellen noch einmal euer Anliegen klar macht.

Der Geburtsplan ist euer Leitfaden

Nutzt dafür eine Kombination aus den Gesprächsnotizen, die du dir während eurer Informationsgespräche zusammengetragen hast, und eurem schriftlichen Geburtsplan.

Ein komplettes Exemplar könnt ihr in der Akte hinterlegen.

Teil-Ausschnitte könnt ihr zu den Aufklärungsbögen heften – eben so, wie sie die einzelnen Parteien betreffen.

Auch in deiner Kliniktasche und in deinem Mutterpass kannst du ein Exemplar deines Geburtsplanes hinterlegen.

Wo genau? Das hängt ein wenig von eurer „Logistik“ ab.

So hast du deinen Geburtsplan jederzeit bei der Hand

Bei den Gesprächen zur OP-Aufklärung und zur Anästhesie-Aufklärung, solltet ihr dann noch einmal darauf hinweisen.

Auch, wenn die Geburt unmittelbar bevorsteht – am Tag der Aufnahme – kann es sein, dass ihr neuen Personen gegenübersteht, die für euch zuständig sind.

Kommuniziert eure Wünsche

Jede Familie geht anders in die Situation eines geplanten Kaiserschnittes hinein. Ob ihr schon über alles Wichtige, das es um die Geburt eures Kindes zu wissen und zu planen gibt, informiert seit?

Die Ärzte, Hebammen und Pflegekräfte die euch begleiten wissen nicht.

Ebenso wäre es ja möglich, dass ihr die üblichen Routinen so hinnehmt, wie sie eben tagtäglich geschehen.

Es erwarten euch keine Übermenschen.

Und manchmal erwarten euch auch einfach Menschen, die schon selbst ungute Erfahrungen machen mussten.

Erklärt immer wieder freundlich eure Wünsche – oder weist darauf hin.

Bittet um Alternativen, überall dort, wo ihr mit den geplanten Schritten nicht einverstanden seit.

 

5. Hol dir hilfreiche Backups ins Boot

Vielleicht ist das dein erstes Gespräch mit Medizinern, in dem du ganz eigene Wünsche verdeutlichen wirst.

Es kann sein, dass dir dieser Schritt jede Menge Überwindung kostet.

Du musst diesen Weg nicht alleine gehen

Zum einen gibt es die Möglichkeit, dass du dir eine Mentorin suchst.

Gut ist, wenn deine Mentorin einen tieferen Einblick in die Materie hat.

Eine solche Rat-Geberin kann sein:

  • eine Mutter, die sich selbst intensiv und reflektiert mit den Möglichkeiten beim Kaiserschnitt beschäftigt hat
  • eine Doula
  • eine Hebamme, die einen familienorientierten Kaiserschnitt befürwortet
  • eine medizinische Fachkraft, die einen Überblick zum Thema Kaiserschnitt hat

Auf welchem Weg das Geburts-Mentoring stattfindet, bleibt ganz dir überlassen.

Wichtig ist nur, dass du dich wohl dabei fühlst. Deine Fragen geklärt werden. Du Sicherheit in deinen Wünschen erlangst. Und Sicherheit darüber, dass deine Wünsche auch verwirklichbar sind.

Es gibt bereits eine Menge Kliniken in denen deine Wünsche Realität und Alltag sind.

Neben einer stärkenden Person im Hintergrund, kann es auch sein, dass du und dein Partner euch auch ganz tatkräftige Hilfe mit ins Boot holt.

In Kliniken mit dem Beleghebammen-System könnt ihr vielleicht mit eurer Wunschhebamme auch euren Wunschweg für den Kaiserschnitt verwirklichen.

Gibt es eine solche Möglichkeit der persönlichen Begleitung bei euch nicht, ist die geburtsbegleitende Doula eine Person, die euch unterstützen kann.

Natürlich könnt ihr den Weg auch als Paar alleine gehen.

Wichtig ist nur zu wissen – ihr müsst euren Weg nicht alleine gehen.

Es gibt Menschen die euch unterstützen können. Und die dies gerne in eurem Sinne tun.

 

6. Sorge für euer Wochenbett vor

Ich bin der ganz festen Auffassung, dass vorsorgen besser ist als nachzusorgen.

Egal auf welche Art dein Baby geboren wurde

Das Wochenbett soll eine Zeit der Ankunft und des Kennenlernens für euch sein.

Nach einer OP ist noch einmal viel mehr darauf zu achten, dass es dir gut geht.

Lass es auch zu Hause ruhig angehen

Gerade in den eigenen vier Wänden macht sich nach der Heimreise aus der Klinik häufig so eine gewisse Unruhe breit. Du möchtest vielleicht wieder „gruschteln und gschaffteln“.

Am besten verdrängst du diesen Gedanken gleich noch einmal ganz weit nach hinten.

Das WochenBETT geht auch zu Hause weiter.

Nimm dir die Zeit dort mit deinem Baby anzukommen.

Nach all den Terminen die der Klinikaufenthalt mit sich brachte, kannst du auch ruhigen Gewissens noch einmal zurück „auf Null“ gehen.

Vielleicht nutzt ihr ein schönes Baby-Begrüssungs-Bad als Anlass danach noch einmal ganz in Ruhe zu bonden.

Auch für dein Baby waren die ersten Tage aufregend.

Es wird die Ruhe dankbar annehmen.

Für Essen, Pflege und Haushalt gibt es ganz verschiedene Modelle, um im Wochenbett auch gut ohne dein Zutun über die Runden zu kommen.

Ob die Mahlzeiten vorbereitet in der Tiefkühltruhe warten, ihr Familie und Freude vorab aktiviert habt oder Lieferdienste und Essen auf Rädern nutzt – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!

 

Fazit

Als ich in meiner Ausbildung das erste Mal die Gelegenheit hatte bei einer Geburt dabei zu sein, war ich ganz aufgewühlt. Emotional tief berührt. Die Geburt dieses neuen, kleinen Lebens war etwas ganz Wunderbares.

Die Art des Geburtsmodus hat sicherlich einen Einfluss auf den Beginn eures Lebens als Familie. Dennoch ist und bleibt eine Geburt eine Geburt.

Deine Selbstbestimmung musst du nicht an der Kliniktür abgeben!

Auch dort bist du ein Mensch mit allen Rechten. Ich gebe zu, manchmal muss man auf diese etwas nachdrücklich bestehen.

Deshalb:

  1. Such das Gespräch mit der Klinik, so frühzeitig wie möglich
  2. Recherchiere, welche Aspekte wichtig sind, damit es für dich stimmig bleibt
  3. Schriftlich fixiert ist dein Geburtsplan greifbar und verbindlicher
  4. In einer Klinik arbeiten Menschen – mit ihnen darf man auf Augenhöhe reden
  5. Mit einer Freundin, Doula oder Mentorin hast du ein zusätzliches Backup
  6. Ein gut geplantes Wochenbett gibt dir genug Raum für Ruhe nach der Geburt

Ich wünsche dir eine gute Geburt und einen wunderbaren Beginn.

Und ich freue mich über einen Kommentar, in dem du hier schreibst, wie eure Kaiserschnitt-Geburt zu einer selbstbestimmten Geburt wurde.

Bis bald,
~ Tabea

Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

Ich helfe dir bei Stillproblemen und Fragen im Leben mit deinem Baby. Weinen, Verwöhnen, Bedürfnisse, Schlafen, Beikost und bis hin zum Abstillen. Oder auch zum Weiterstillen in einer Folgeschwangerschaft. Alles hat seinen Raum.
Im Blog findest du dazu viele Gedanken und Anregungen - individuelle Beratungen finden per Videochat & Hausbesuch statt.
Schön, dass du da bist.

6 Kommentare

  1. Danke für diese umfangreichen Tipps. Sie werden bestimmt vielen Mamas Mut machen.

    Welche Aspekte können denn bei einem Kaiserschnitt wichtig sein oder was kann man da verändern? Läuft das nicht immer nach Krankenhaus-Plan-F ab?

    Wirst du auch irgendwann noch Tipps für einen Geburtsplan geben? 🙂 Das Krankenhaus hat mich über meinen aus dem Internet belächelt. Dass der doch total veraltet sei und das meiste schon Standard ist (was ja auch gut ist).

    Viele Grüße,
    Julia

    • Tabea Laue sagt

      Liebe Julia,

      danke für deine Rückmeldung.

      Schema-F ist für ein eingespieltes Klinik-Team sicherlich praktisch. Dort wo dabei Mutter & Kind im Mittelpunkt stehen ist das auch völlig ok. Viele Kliniken haben sich inzwischen darauf eingestellt die werdenden Mütter und die neugeborenen Babys mit ihren Bedürfnissen wahr und ernst zu nehmen.

      Doch leider ist das nicht in allen Kliniken Gang & Gebe.

      Oben im Menü findest du die Checkliste mit Fragen rund um den Kaiserschnitt. Damit hast du einen Leitfaden und Fragenkatalog an Möglichkeiten, die du vielleicht in einem Gespräch klären magst.

      Ich lass dir den Link noch eben hier: http://mama-baby-vision.de/kaiserschnitt-checkliste/

      Ein Geburtsplan generell ist auch eine gute Sache – das werde ich mir mal notieren, um darauf in einem Artikel einzugehen.

      Bis bald,
      ~Tabea

  2. Susanne Egger sagt

    das klingt alles schön und gut. Ich hatte einen Notfallkeiserschnitt, meine Tochter war anschliessend 11 Tage auf der Intensiv. Nichts von all dem umzusetzten, wie kann ich machen, das es irgendetwas Positives gibt, über einen solchen Horror?

    • Tabea Laue sagt

      Liebe Susanne,

      du hast wirklich Schreckliches erlebt – und du hast völlig recht: Für Notfälle und große Unglücke gibt es keine Planung, keine Sicherheit. Manchmal geht es nur noch darum zu überleben.

      Auch für dich gibt es nach diesem Horror – wie du es beschreibst – bestimmt viele Tage die du nur überlebst. Oder die nur platt vorbeiziehen – wie ein böser Traum.

      All das, was ihr erlebt habt ist nun aber bereits Teil von eurer Geschichte. Es wird jetzt Zeit und Kraft kosten das aufzuarbeiten. Aber es ist möglich. Das durften schon viele Frauen erleben! Auf ihrem Blog schreibt die Hebamme Anja darüber – http://www.zockt.com/vonguteneltern/?p=3314 .

      Der Weg von dir und deiner Tochter, deiner Familie, ist hier nicht zu Ende. Du musst ihn aber auch hier nicht alleine weiter gehen. Hol dir Hilfe ins Boot um das Positive, das du jetzt noch suchst auch finden zu können.

      Ich wünsch dir und deiner Familie alles Gute und dass ihr bald auf einen helleren Weg kommt!
      ~Tabea

  3. Christiane sagt

    Liebe Tabea,
    schade, dass es Deinen Blog noch nicht gab als ich mit meiner Tochter schwanger war. So vieles stürmt auf einen ein, mit so vielem fühlt man sich allein, wenn neues Leben in einem wächst. Du schreibst und bist so einfühlsam und erklärst gleichzeitig so klar, dass ganz viel Unsicherheit schwindet! Klasse! Bei dir hätte ich mich als Schwangere geborgen und gut aufgehoben gefühlt. Aber das Thema ist durch 🙂
    Ich wünsch Dir und allen werdenden Mamis hier viel Freude mit den weiteren Beiträgen.
    Lieben Gruss , Christiane

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