Stillzeit
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6 Wege um herauszufinden, ob ein Medikament in der Stillzeit oder in der Schwangerschaft verabreicht werden darf

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Warst du bereits mit der Frage konfrontiert, ob du ein gewisses Medikament in der Stillzeit einnehmen darfst?

Ganz viele Mamas fühlen sich dabei überhaupt nicht wohl. Chemische Bestandteile durchfluten den eigenen Körper – kann das gut für das Baby sein?

Die Sorge vergrößert sich natürlich, wenn der behandelnde Arzt in seiner Beratung kund tut, du dürfest nicht weiterstillen. Auch Hebamme & IBCLC-Kollegin Anja hat darüber vor wenigen Tagen erst gebloggt!

Ohne die Kompetenz eines Arztes in seinem Fachbereich anzuzweifeln, fällt hier bei längerfristiger Betrachtung auf, dass es vielen Fachpersonen – sogar im Bereich Gynäkologie und Geburtshilfe – nicht bekannt ist, wie sich die Sicherheit für dein Baby gewährleisten lässt und dir dennoch eine adäquate Behandlung zugute kommt.

An sich ist es jedoch in den allermeisten Fällen ohne weiteres möglich

  • das verschriebene Medikament ohne Einschränkung des Stillens zu nutzen.
  • ein Alternativ-Medikament – mit ebenso guter Wirkung und größerer Sicherheit für dein Baby – zu wählen.

Der dritte und letzte Weg – die Unumgänglichkeit einer Behandlung mit einem Medikament, welches du umgehend einnehmen musst und mit dem nichts anderes als eine Stillpause oder sogar das vollständige Abstillen notwendig ist – ist sehr, sehr, sehr selten.

Es gibt ihn.

Keine Frage.

Herausfinden welche Medikamente in der Stillzeit genommen werden dürfen…

Trotzdem sollte immer in Betracht gezogen werden, ob es wirklich notwendig ist, die Nachteile der Ersatznahrungen in Kauf zu nehmen, die so zahlreich sind, dass – wie erwähnt – in den meisten Situationen immer noch die Ernährung mit Muttermilch und die Nutzung von sicheren Medikamenten der Königsweg ist.

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Um herauszufinden, ob du

  • ein Medikament einnehmen darfst
  • ein Medikament nur nehmen darfst, wenn du das Stillen pausierst
  • ein Medikament nur einnehmen darfst, wenn du abstillst

brauchst du in den allermeisten Fällen nur

  1. ein Handy –oder
  2. einen Arzt mit einem Telefonanschluss

Das bedeutet im Klartext, dass du nicht zwingenderweise eine Stillberaterin suchen musst, wenn du Beratung zu einem Medikament brauchst!

Welche Wege gibt es also, um Gewissheit über die Verträglichkeit eines Medikamentes in der Stillzeit zu bekommen?

1. Die Verträglichkeitsabfrage per Internet

Am schnellsten und einfachsten klappt die Abfrage über den Browser deiner Wahl.

Auf Embryotox.de findet sich eine riesige Datenbank, die vom unabhängigen Institut für Embryonaltoxikologie zur Verfügung gestellt wird. Das öffentlich geförderte Beratungszentrum arbeitet für dich als Mutter kostenfrei.

Auch dein Arzt hat kostenfreien Zugang zu allen Informationen – unabhängig davon, ob er eine allgemeine Information abruft, oder eine individuelle Information für deine Behandlung anfragt.

Unter dem Menüpunkt “Medikamente” kann sowohl ein Suchbegriff – der Medikamentenname oder Wirkstoff – eingegeben oder direkt aus einer Liste ausgewählt werden.

Nach Auswahl und Aufrufen der jeweiligen Wirkstoffseite sind umfangreiche Informationen zum einzelnen Medikament hinterlegt.

Die Informationen werden in “niedrig”, “mittel” und “hoch” eingestuft und dann zu den einzelnen Schwangerschaftsdritteln, sowie der Stillzeit erklärt und mit entsprechenden Empfehlungen ergänzt.

So ist in vielen Fällen bereits eine Entscheidung über eine Behandlung mit dem Mittel der Wahl möglich.

Unter einem weiteren Menüpunkt “Erkrankungen” finden sich eine noch recht übersichtliche Auswahl an Erkrankungen mit Behandlungsempfehlungen – allerdings nur für die Schwangerschaft.

2. Die Verträglichkeitsabfrage per Smartphone-Applikation

Kurz: App.

Ebenfalls auf die identische Datenbank greift die Embryotox-App zurück.

Sie ist kostenfrei sowohl im Google Play Store für Android-Geräte verfügbar, als auch im App-Store für Apple-Endgeräte erhältlich.

Nach der erfolgreichen Installation werden im Rahmen von jedem Neustart der App umfangreiche Nutzungshinweise und haftungsrechtliche Einschränkungen zur Bestätigung angezeigt.

Das soll dich daran erinnern, dass du als Laie die enthaltenen Informationen nicht einfach nur für dich anwendest, sondern mit einem Arzt besprechen sollst.

Die App kann auch auf Tablet-PCs genutzt werden und eignet sich somit sehr gut, um sie beim Arzt oder in der Apotheke bereits in den Speicher zu laden. Im Rahmen der Behandlungsempfehlung mit Medikamenten in der Stillzeit könnt ihr hier in guter Zusammenarbeit zwischen dir und deinem Arzt den bestmöglichen Weg für dich finden.

Unter dem Menüpunkt “Über diese App” findet sich bei Allgemeines eine Kurzinformation, damit dein Arzt die Hintergrundinformation sieht, aus welcher Quelle deine Daten stammen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn ihm das embryotoxikologische Institut bisher nicht bekannt war.

3. Die Verträglichkeitsabfrage per Fax

Das gute, alte Fax. Gott sei dank ist es noch nicht völlig abgelöst.

Viele Arztpraxen haben noch ein Faxgerät zur Verfügung und genau damit kann eine Anfrage an das embryotoxikologische Institut gesendet werden.

Dieser Anfrageweg eignet sich besonders dann, wenn die Entscheidung über die anstehende Behandlung nicht sofort getroffen werden muss.

Ich denke da zum Beispiel an Untersuchungen, bei denen sogenannte Kontrastmittel genutzt werden – das ist bei gewissen Verfahren der Röntgenmedizin der Fall.

Wenn also Untersuchungen in der Stillzeit anstehen kannst du bei der Terminvergabe bereits darum bitten, dass dir mitgeteilt wird, ob du im Rahmen der Untersuchung chemische Substanzen einnehmen sollst, weil du derzeit stillst.

So kannst du vorab gemeinsam mit der Röntgenpraxis, deinem Gynäkologen, deinem Hausarzt oder deiner Stillberaterin herausfinden, ob die Untersuchung in dem vorgesehenen Rahmen möglich ist – auch ohne von eurer Stillroutine abweichen zu müssen.

Das Gleiche gilt für Maßnahmen beim Zahnarzt, kleinere Operationen, größere Operationen und alles, was sich vorab eben schon planen lässt.

Für die Schwangerschaft und einige andere Situationen steht eine Auswahl an detaillierten Online-Fragebögen auch zum Ausdruck bereit. Diese kannst du dir selbst auch schon vorab ausdrucken und dafür sorgen, dass alle benötigten Informationen, die du beisteuern kannst, vorhanden sind.

Für sonstige Anfragen in der Stillzeit kann auch ein formloses Fax mit den wichtigsten Informationen über Erkrankung & vorgesehener Behandlung, sowie über das Alter deines Still-Kindes gemeinsam mit den Kontaktdaten des behandelnden Arztes genutzt werden.

4. Die Verträglichkeitsabfrage per Hotline

Das Embryotox steht mit seiner Hotline zwar nicht für die Beratung für schwangere oder stillende Mamas direkt zur Verfügung, jedoch für die behandelnden Ärzte und begleitenden Fachkräfte.

Während den Sprechzeiten ist es so möglich, umgehend Auskunft zu erhalten.

Völlig kostenfrei!

Je nach Anrufaufkommen ist einige Wartezeit in der Hotline-Warteschleife zu erwarten.

Die Beratung nachdem der Kontakt hergestellt ist, erfolgt dann umgehend und präzise.

5. Die Verträglichkeitsabfrage mit Hilfe der Fachliteratur

Zur Standardliteratur vieler Krankenhäuser, Ärzte und Stillberaterinnen gehört die umgangssprachlich genannte “Grüne Liste”.

Im Gegensatz dazu steht die sogenannte “Rote Liste” – ein riesiges rotes Buch, welches die Informationen der Pharmaunternehmen enthält, welche auch in den Beipackzetteln enthalten sind.

Die “Grüne Liste” mit dem Titel Arzneiverordnungen in Schwangerschaft und Stillzeit wird in Zusammenarbeit von verschiedenen Ärzten mit entsprechender Qualifikation und Erfahrung in den unterschiedlichen Wirkstoffbereichen herausgegeben.

Das Herausgeberteam besteht u.a. aus Dr. Schaefer vom bereits kennengelernten Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie in Berlin, kurz Embryotox und Prof. Dr. Spielmann vom Bundesinstitut für Risikobewertung, welchem auch die Nationale Stillkomission untersteht.

In dem umfangreichen Nachschlagwerk schlage ich sehr gerne nach, um einen Überblick über Wirkstoffe zu erhalten, die als Alternative in Frage kommen oder das ähnlichste Mittel der Wahl. Ebenso beinhaltet es Hintergründe, beobachtete Nebenwirkungen und Praxisempfehlungen, sowie weiterführende Quellennachweise.

6. Die Verträglichkeitsabfrage mit Hilfe weiterer Quellen

Wie weiter oben schon erklärt, ist die “Rote Liste” in der Ärzte und Apotheker häufig nachsehen keine sinnvolle Auskunftsquelle für die Beantwortung der Frage, ob gewisse Medikamente in der Stillzeit eingenommen werden dürfen.

Außer: es steht bereits da drinnen: “KEIN PROBLEM!

Das ist daher so, weil diese Informationen von den Pharmazie-Unternehmen stammen und dort vorrangig die Informationen Platz finden, welche im Umkehrschluss das Pharmaunternehmen vor Regressforderungen schützen.

Ist ja auch erstmal legitim.

Das gleiche gilt für Beipackzettel. Sie sind quasi der Haftungsausschluss. Alles was anders entschieden wird als dort empfohlen, empfiehlt dein Arzt auf eigene Kappe.

Aus Angst vor Schadensersatzforderungen bleibt die Motivation deines Arztes unter Umständen zurückhaltend.

Welche Quelle bleibt dir also, wenn du als Patientin und Laie ohne Unterstützung deines Arztes oder einer Stillberaterin ein Medikament suchst, welches auch nicht in den öffentlichen Quellen des Embryotox zu finden ist?

Die Reproduktionstoxikologie an der Uniklinik Ulm hat ein ähnliches Angebot, wie das oben beschriebene. Dort ist es möglich per Anfragenformular eine Information zu einer Medikamenteneinnahme in der Stillzeit zu erhalten.

Auch direkt als betroffene Mama.

Die Auskunft die dort versprochen wird ist eine wissenschaftlich fundierte schriftliche Stellungnahme. Eine persönliche Beratung findet nicht statt.

Fazit zur Frage nach dem richtigen Medikament in der Stillzeit

Das war heute ein ziemlich trockener Artikel, aber es war mir total wichtig dir zu zeigen, dass es unglaublich gut möglich ist herauszufinden, ob ein Medikament in der Stillzeit genommen werden darf.

Selbst wenn dein Arzt die aktuelle einschlägige Literatur nicht vorliegen hat, kann er unmittelbar im Institut für Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit an der Charité in Berlin eine Anfrage per Onlineformular oder Fax eingeben.

Ist es möglich die telefonische Wartezeit in Kauf zu nehmen, kann er sich an die Hotline wenden, die jedoch nur an medizinisches Fachpersonal Auskunft erteilen kann.

Du selbst kannst per Internet oder App auf eine Datenbank von bisher über 400 Wirkstoffen zugreifen, was die häufigsten Verordnungen bereits abdeckt. Dies kannst du ohne Weiteres im Beisein deines Arztes machen – er muss dir nur den Wirkstoff nennen, den er dir verschreiben möchte und du kannst parallel nachsehen.

Sind Unsicherheiten vorhanden, kannst du bei einer IBCLC-Stillberaterin auf eigene Kosten eine Medikamentenberatung anfragen und mit ihr besprechen, welche Möglichkeiten es gibt, um dir die notwendige Behandlung zukommen zu lassen und dabei weiter zu Stillen.

Sie hat Zugang zu allen notwendigen Informationen.

Sollte mit deinem behandelnden Arzt eine Zusammenarbeit im Interesse eurer beider Gesundheit – von dir und deinem Baby – nicht möglich sein, kann es notwendig werden, einen weiteren Arzt hinzuzuziehen, da IBCLC-Stillberaterinnen lediglich beratend, nicht aber behandelnd tätig werden und keine Rezepte ausstellen können.

Wichtig zu wissen ist, dass es in nahezu allen Situationen in denen du eine Behandlung mit Medikamenten in der Stillzeit benötigst ohne Weiteres möglich ist weiter zu Stillen.

Leider ist der Wert des Stillens nicht allen behandelnden Fachkreisen bekannt und wird daher – so zeigen die Berichte und Erfahrungen von Müttern – hinter einer notwendigen Behandlung angestellt.

Das führt zu unnötigem Abstillen und das zudem häufig zu zusätzlichem Abstill-Stress in einer Situation, in der ein plötzlicher Abstillkonflikt aufgrund einer vorherrschenden Erkrankung zusätzlich Kraft kosten wird.

Warst du schon einmal in einer Situation, in der behauptet wurde, du müsstest aufgrund einer Medikamenteneinnahme abstillen?

Wirst du zukünftig klar für das Stillen einstehen können – auch ohne auf die Medikamente die dir helfen schneller gesund zu werden zu verzichten?

Schreib mir deine Erfahrungen in den Kommentaren!

Alles Liebe und bis bald,
~Tabea

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Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

Ich berate Frauen in der Vorbereitung auf die Stillzeit, helfe beim Lösen von Stillproblemen und darüber hinaus in allen Phasen der Stillzeit, beim Tandem-Stillen und bis hin zum Abstillen.
Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

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4 Kommentare

  1. Heike sagt

    Vielen Dank für einen hilfreichen Betrag, wie man herausfinden kann, welche Medikamente in der Stillzeit genommen werden dürfen. Gut zu wissen, dass man im Internet eine Datenbank vom unabhängigen Institut für Embryonaltoxikologie finden kann, wo die Mütter kostenfrei beraten werden. Meine Bekannte hat Fieber und kann mit dem Baby nicht in die Apotheke gehen, daher werde ich ihr diese Option gerne empfehlen.

    • Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin sagt

      🙂 Danke Heike für deinen Kommentar – alles Liebe für deine Freundin.

  2. Markus sagt

    Ich habe gedacht, dass man in der Schwangerschaft überhaupt keine Arzneimittel einnehmen darf, um dem Baby nicht zu schaden. Wie Sie sagen, sollte sich die Frau, wenn sie schon krank ist, unbedingt an den Arzt wenden. Ich würde auch in der Apotheke nachfragen, ob meine Frau bestimmte Medikamente einnehmen darf.

    • Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin sagt

      Das hilft halt nichts, wenn die Apotheke sich auf die “typischen” Quellen verlässt – den Beipackzettel oder die sogenannte rote Liste. Denn die sind primär dafür da eine rechtssicherheit für die Verordnung und den Vertrieb zu bringen.

      Schwangeren & Stillenden eine Behandlung deshalb zu versagen ist ethisch in meinen Augen sehr bedenklich – und genau das passiert immer noch häufig. OBWOHL es extrem viele Medikamente gibt, bei denen ohne (ethisch problematische) Studien eine weitreichende Datenlage erreicht werden konnte.

      Dieses Vorgehen ist in der Pädiatrie übrigens auch häufig notwendig – also sich nicht auf Studien / ausdrücklich zugelassene Medikamente stützen zu können. Unter Pädiatern auf der Neugeborenintensivstation ist in diesem Einsatzbereich von Medikamenten allerdings eine ganz andere Routine vorhanden.

      Zum Glück gibt es mit den Instituten Embryotox & Reprotox Zugang zu der wertvollen Fachinformation, so dass Abstillen fast nie notwendig ist. Die Beratung ist für medizinisches Personal & Apothekenmitarbeiter immer kostenfrei! Also – nur Mut nach dieser zu fragen, statt der Stillenden auszurichten, sie müsse da jetzt durch 😉

      Lg
      Tabea

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