Warum Milcheinschuss und reichliche Milchbildung manchmal auf sich warten lassen

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<< im vorangegangenen Abschnitt zeige ich dir, warum medizinisches Personal zu schnell oder zu spät zum zufüttern rät.

In den ersten 3 bis 5 Tagen nach der Geburt scheint es einer Zitterpartie zu gleichen, ob die Milch kommt oder nicht.

Alles in dir und um dich herum wartet auf die ersten deutlichen Signale im Mama-Körper.

Den Milcheinschuss.

Es hört sich immer ein bisschen so an, als gäbe es für dein Baby erst an dem Tag des Milcheinschusses endlich die erlösende erste Mahlzeit.

Doch. Was passiert beim Milcheinschuss überhaupt?

Und noch wichtiger – was passiert davor? Und was passiert, wenn es gar keinen Milcheinschuss-typischen riesigen und festen Busen gibt?

So hat sich deine Brust vor dem Milcheinschuss entwickelt

Lass mich dich mitnehmen auf eine Reise – viele, viele Jahre zurück. Du bist gerade in der Pubertät. Immer wieder ist es ein wenig unangenehm in deiner Brust. Es sticht. Oder es drückt. Es fühlt sich an, als würde sich da drinnen ein “Knubbel” entwickeln.

Das war die erste wichtige Entwicklungsphase die deine Brust auf das Stillen vorbereitet hat.

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Und am wichtigsten: Was DU tun kannst.

Voran in der Zeit hattest du irgendwann dann die verrückte Nachricht eines kleinen Striches in deinen Händen gehalten.

Schwanger!

Bereits in den ersten Monaten deiner Schwangerschaft – auch hier kann es sich anfühlen wie ein Ziehen – entwickelte sich, dank der Hormone, erneut “etwas” in deiner Brust.

Ob da im Verlauf deiner Schwangerschaft ein Tropfen oder mehr aus deiner Brust kam, ist null-komma-null ausschlaggebend für deine Fähigkeit zu Stillen. Es hat ausschließlich etwas mit dem Gleichgewicht anderer Hormone zu tun.

Dazu gleich mehr.

Wichtig ist für dich zu wissen, dass die Hormone die deinen Schwangerschaftsverlauf begleiten auch dafür Sorgen, dass die vielen, träubleinförmig wie an Reben aufgereihten Zellen ihre Fähigkeit erlangt haben Milch zu produzieren. Den Milcheinschuss auszulösen.

Sie können es.

Sehr fähig sind sie dazu bereits viele Wochen vor Geburtstermin. Sogar so fähig, dass deine Muttermilch für ein zu früh geborenes Baby mit 1500-1800 g zu diesem Zeitpunkt ideal wäre. Wir nennen diese speziell zusammengesetzte Muttermilch heute “Preterm-Milch”.

Nun wissen wir also – deine milchbildenden Zellen in der Brust sind bereits lange Zeit vor dem Geburtstermin absolut ready for take off.

Dann müsstest du ja eigentlich ständig auslaufen, oder?

Richtig.

Wenn da nicht dein Baby wäre.

So hält dein Körper die Milchproduktion vor dem Milcheinschuss noch ein wenig zurück

Über die Plazenta ist dein Baby mit deinem Körper verbunden und wird versorgt. Gleichzeitig bestimmt der Mutterkuchen auch die Art der Ernährung deines Babys. Er produziert spezielle Hormone, die in dein Blut gehen und über diesen Weg die hormonabhängige Produktion deiner Muttermilch zurückhält.

Ja genau.

Zurückhält!

Wann geht’s also los mit dem Milcheinschuss und der Produktion deiner Muttermilch?

Sie steht schon in den Startlöchern, wenn dein Baby das allererste Mal trinkt.

In exakt der Menge, die dein Baby braucht.

Mit der Geburt stellt sich der Körper deines Babys idealerweise ganz langsam um von der permanenten Dauerversorgung mit Nährstoffen in deinem Körper hin zur schubweisen Versorgung über den Magen.

Deshalb ist es total logisch, warum die ersten Tage die Mahlzeiten sinnvollerweise ganz häufig und in sehr, sehr kleinen Mengen stattfinden – dein Baby profitiert davon.

So. Und was ist dann nun der Milcheinschuss?

So wird der Milcheinschuss besonders unangenehm und heftig

Den Milcheinschuss nennen Stillfachleute heute “initiale Brustdrüsenschwellung” und beschreiben damit, das was tatsächlich passiert. Es kommt zu einer Ansammlung von Gewebewasser und zu einer Schwellung in dem plötzlich sehr aktiven Gewebe deiner Brust.

Wie stark diese Schwellung ist, hängt ab davon,

  • ob du eher seltener anlegen konntest und euer Gleichgewicht daher noch nicht finden konntet.
  • ob du während der Geburt reichlich Infusionsflüssigkeit bekommen hast, die dein Lymphsystem durcheinander bringt.
  • ob du während der beginnenden Schwellung Anleitung zum lindernden Umgang damit bekommen hast, damit du dich dennoch wohl fühlen kannst.

Die Stärke der Schwellung hat natürlich auch Einfluss darauf, ob die Milchkanäle deine Milch leicht zum Baby fließen lassen können oder ob die starke Schwellung sowohl das Anlegen selbst, als auch das Fließen der Milch schwierig machen.

Alles in allem kann man sagen, dass die starke Schwellung gar nicht so wünschenswert ist. Dass sie die Stillsituation auch manchmal noch einmal belasten kann.

So passiert gleichzeitig mit dem Milcheinschuss die erste Milchbildung

Zu einem ähnlichen zeitlichen Punkt nach der Geburt, steigt durch den Wegfall der Plazentahormone und durch die Stimulation beim Stillen (vgl. “Wie deine Milchproduktion funktioniert“) bemerken manche Mamas auch den Anstieg der mengenmäßigen Milchproduktion.

Meist ist dieser Anstieg 3 Tage nach dem ausgiebigen Anlegen zu beobachten.

Das ist der häufig beschriebene Zeitraum, den dein Körper braucht, um sich – auch später – dem Milchmengenbedarf deines Babys anzupassen.

Dass Milcheinschuss und reichlicher Milchfluss dabei einen zeitlichen Kontext zu haben scheinen, bedeutet nicht, dass es nur beides miteinander gäbe.

Nein. Absolut nicht!

Der Stillbeginn kann ebenso ohne eine auffällige, schmerzhafte Schwellung der Brust vorüber gehen und es kann dennoch ebenso gut eine reichliche Milchproduktion angeregt werden. Es kann also sein, dass du den Milcheinschuss gar nicht bemerkst!

So wird nach dem Milcheinschuss deine reichliche Milchproduktion angeregt

Ausschlaggebend ist hierbei lediglich die effektive “Entnahme” der Milch. Dazu gibt es verschiedene Wege, abhängig von der Situation, die sich euch nach der Geburt zeigt. Die Wahl des Entnahmeweges der Milch muss ebenfalls angepasst an deine Bedürfnisse sein.

  1. Wahl: direktes Stillen ohne Hilfsmittel
  2. Wahl: Stillen mit dem Einsatz von Hilfsmitteln
  3. Wahl: Entleerung der Brust von Hand
  4. Wahl: Entleerung der Brust mit einer elektrischen Milchpumpe neuer Generation
  5. Wahl: Entleerung der Brust per Handpumpe

Natürlich können auch verschiedene Möglichkeiten miteinander kombiniert werden. Eine häufige Entleerung kleinster Mengen ist die ideale Basis für das Signal, welches deine Milchproduktion braucht, um in Gang zu kommen.

So bekommt dein Baby schon vor dem Milcheinschuss ausschließlich Muttermilch, auch wenn es nach der Geburt sehr müde ist

Sollte dein Baby noch müde nach der Geburt sein, profitiert es extrem von den kleinen Mengen Kolostrum, die während dem Anlegen zusätzlich in den Mundwinkel geträufelt werden können. Auch per Löffel ist die Verabreichung möglich.

Ist das Saugen für das Stillen noch erschwert, kann ich nur davon abraten dein Baby an anderen Gegenständen saugen zu lassen. Lieber kommen Massagen und Maßnahmen zum Einsatz, die deinem Baby ermöglichen das Stillen immer wieder und mit viel Ruhe zu üben.

Es gibt eine reichliche Auswahl an Wegen, bei denen dein Baby alles bekommt was es braucht, ohne dabei einen anstrengenden Wechsel der Saugtechniken lernen zu müssen. Das erleichtert den Stillbeginn, auch wenn er sich erst einmal schwierig anbahnt.

Die Milchmenge wird steigen können, auch ohne spürbaren Milcheinschuss. Messbar wird das an den regelmäßigen Nacktgewichtskontrollen deines Babys.

 

Das wissenschaftliche Arbeiten auf fundierten Quellen ist Teil der Herangehensweise an die Stillberatung als IBCLC. Doch es gibt einen sehr gewichtigen Grund, in diesem Workbook darauf zu verzichten.

Dazu gleich mehr im nächsten Abschnitt.

Wie lange hat es bei dir gedauert, bis die Milch so fließen konnte, dass du mit gutem Gefühl wusstest: “Mein Kind wird satt!”?

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Dieser Abschnitt ist Teil des Live-Book Projekts „Nie wieder Fläschchen“. Er wird während der Buchentstehung frei verfügbar sein. Weitere bereits verfügbare Buchabschnitte findest du über das Inhaltsverzeichnis.

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