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Warum Nabelschnurblutspende & Nabelschnurbluteinlagerung für mich nicht in Frage kommen

Nabelschnurblutspende

Hast du schon überlegt, euer Nabelschnurblut zu spenden?

Je näher der Termin der Geburt rückt, desto häufiger wird es zum Thema – die Frage nach einer Nabelschnurspende für Andere oder die Aufbewahrung für die Gesundheit des eigenen Kindes.

Wenn ich daran denke, dann kommt mir unmittelbar dieser kleine Junge in den Sinn. 2 Jahre war er alt. Er surfte auf seinem stabilen Infusionsständer über die Klinikflure der Kinderklinik. Vermutlich war er gedanklich gerade in der Welt eines kleinen Piraten. Der Wind in seinen Segeln war Mama, die den Infusionsständer schob.

Der Mast war voller Perfusoren für verschiedene Medikamenten-Infusionen gepackt. Die Segel wurden von Infusionsschläuchen gehalten.

Sein Lächeln strahlte schon auf dem Flur entgegen, wenn ich die Tür zu Onkologie öffnete.

Das Leben auf einer Kinder-Krebs-Station.

Ich hatte ihn nie unzufrieden oder quengelig erlebt. Obwohl er alle möglichen Prozeduren erlebte und täglich viele Tabletten schlucken musste. Mit 2. Manche davon zerbiss er lieber und spülte sie beherzt – mit einem Schluck Saft – hinunter.

Ein bewundernswerter, fröhlicher kleiner Knirps – der viel mehr vom Leben wusste, als viele seiner Altersgenossen. Als so mancher Erwachsene.

Irgendwann war meine Praxisphase dort zu Ende, die zu meiner Ausbildung als Kinderkrankenschwester gehörte.

3 Wochen später – ich war wieder in einer Phase mit Unterrichtseinheiten kam die Nachricht: Der kleine blonde Junge … er ist tot.

Der kleine, strahlende Junge….

Die Vorstellung einem leukämiekranken Kind mit der sonst weggeworfenen Nabelschnur helfen zu können, bewegt Mamas ganz tief im eigenen Herzen. Wenn man selbst betroffen wäre, würde man sich über eine solche Hilfe doch auch freuen, oder!?

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Alles klar.

Nabelschnurblutspende.

Was ist also passiert, dass es heute für mich nicht mehr in Frage kommt?

Dazu muss ich ein wenig ausholen.

Schauen wir zuerst, zum Baby in den Bauch.

Woher kommt das Blut, das in der Nabelschnur fließt? Und die Nabelschnur selbst?

Ganz am Anfang – 5 Tage nach der Befruchtung – kommt es nach den ersten Zellteilungen zu einem ganz besonderes Stadium. Man spricht von einer Blastozyste. Innerhalb der Zellhülle entstehen Zellansammlungen zu zwei Seiten, die verschiedene Zelltypen beinhalten.

Daraus werden später Plazenta und Baby wachsen.

Zwischen den Zellbereichen wächst innerhalb kurzer Zeit dann die Nabelschnur. Sie entsteht aus den Zellen der Plazenta. Dort wo sie am Baby endet, entsteht der Nabel. Und damit der Zugang zum Geflecht der Blutgefäße im Babykörper.

So, wie diese Verbindung von selbst entstanden ist, könnte sie sich auch von selbst wieder lösen. Dafür entscheiden sich manche Eltern. Sie praktizieren eine Lotusgeburt.

Was in jedem Fall bewusst wird ist, dass die Nabelschnur aus der befruchteten Eizelle entstanden ist. Ebenso auch das Blut. Denn die Schranke in der Plazenta lässt ja lediglich den Austausch von gewissen Stoffen zu.

So kommen Nährstoffe, Energie, Eiweiße, Immunstoffe und vieles mehr zu deinem Baby. Ohne, dass sich mütterliches & kindliches Blut vermischen würden.

Es ist sogar möglich, das Mama & Baby unterschiedliche Blutgruppen haben!

Lass mich also zusammenfassen.

  • Der Kreislauf zwischen Baby und Plazenta entsteht aus der befruchteten Eizelle.
  • Die Gefäße in der Nabelschnur, die den Abtransport von Abfallstoffen vom Baby zur Mama erlauben und die Zulieferung aller lebensnotwendiger Bausteine, ist aus dem Babykörper „ausgelagert“.
  • Das entstandene Blut ist Babys Blut. Es kann sogar eine andere Blutgruppe haben, als die der Mama.

Damit ist es in meinem Verständnis keine einfache Nabelschnurblutspende, sondern eine Babyblutspende.

Blutspende bei Schwangeren verboten

Wer schonmal Blut gespendet hat weiß: Sobald die Schwangerschaft bekannt ist, ist man als Frau raus.

Schwangere dürfen kein Blut spenden – auch 6 Monate nach der Geburt ist das Spenden nicht erlaubt.

Klar – der Körper hat immer noch mit der eigenen Regeneration zu tun – auch bei Nicht-Stillenden. Beim Weiter-Stillen gilt die Spendepause bis zum Ende der Stillzeit.

Bei einer normalen Blutspende werden etwa 500 ml Blut gespendet. Etwa 8% unseres Körpervolumenes, also vom Gewicht, sind Blut.

Bei Frauen spricht man da etwa von 4,5 – 6 Litern. Man kann also sagen es werden – maximal 10% des Blutvolumens gespendet. Maximal 4x im Jahr. Und nur, wenn der Hb-Wert, der zuvor gemessen wird, hoch genug ist, dass die gute Regeneration des Körpers gewährleistet ist.

Babys verzichten auf 30% ihres Blutvolumens

Damit eine Nabelschnurblutspende oder – einlagerung sicher funktioniert, ist das schnelle Abnabeln notwendig, nachdem das Baby geboren ist.

Auch wenn „nur“ ca. 60 ml Blut für eine Spende benötigt werden.

Wartet man ab – das kann gemacht werden – ist eine erfolgreiche Spende nicht mehr gewährleistet.

Eine Hb-Kontrolle wird zuvor beim Baby nicht durchgeführt – die Spende erfolgt auf Wunsch der Eltern und wenn gewisse Eckpunkte erfüllt sind. Solche Vorgaben gibt es natürlich auch für die Blutspende beim Erwachsenen, dennoch wird der Hb-Wert vorab grundsätzlich kontrolliert.

Was bedeutet die Nabelschnurblutspende für das Spenderbaby?

Eine „halbe“ Entscheidung ist möglich, häufig aber nicht erfolgreich – das erklärt Jana vom Hebammenblog in ihrem Blogpost über die Nabelschnurblutspende. Die Blutmenge kann dann häufig nicht erfolgreich entnommen werden.

Die wirkliche Entscheidung zur Spende – aus welchen persönlichen Gründen auch immer – hat damit zur Folge, dass frühzeitig abgenabelt werden muss. Dann gilt es abzuwägen, ob die Nachteile, die das Spenderbaby trägt, den Nutze aufwiegen.

Diese Entscheidung muss persönlich gefällt werden.

Die Nachteile die so mit einer Nabelschnurblutspende einhergehen sind also:

> weniger Blutvolumen

Etwa 30% weniger Blutvolumen steht deinem Baby beim Lebensstart zu Verfügung.

Damit steht auch weniger Hämoglobin im kleinen Körper zur Verfügung. Hämoglobin ist der Stoff, der den Sauerstoff im Körper transportiert.

> weniger Zeit zur Anpassung

Babys sind im Moment der Geburt in einem faszinierenden Situation der Doppelversorgung.

Sie können bereits anfangen zu atmen, werden aber weiterhin durch die pulsierende Nabelschnur mit Sauerstoff versorgt. Durch die sofortige oder schnelle Abnabelung muss dein Baby sich umgehend anpassen. Auch wenn ihm eine kleine Ruhepause nach all der Arbeit gut täte.

> weniger Sauerstoff-Transport

Die Sauerstoffversorgung ist dadurch schwieriger, weil ja weniger Hämoglobin zur Verfügung steht.

Eine Doppelbelastung, die man jahrelang in Kauf genommen hat, als alle Babys routinemäßig frühzeitig abgenabelt wurden. Um die Atmung zu verbessern setzte man die Babys zusätzlicher Stimulation durch einen „Klatsch auf den Po“ oder anderen eher rohen Methoden aus.

Dass dies nicht notwendig ist, wurde inzwischen längst bewiesen – dennoch wird das frühe Abnabeln aus Routinegründen in manchen Kliniken noch standardmäßig und beim Kaiserschnitt noch häufiger praktiziert.

>weniger Flüssigkeit

In den ersten 24 Stunden wird auf die erste Urin- und Stuhlgangausscheidung geachtet.

Die folgenden Tage wird weiter auf eine regelmäßige Ausscheidung geachtet. Die Trinkmengen sind – aufgrund der kleinen Magengröße – noch recht klein. Darüber hinaus fehlt nun auch die Flüssigkeit, die im vorgeburtlichen Blutkreislauf enthalten war.

Sie fehlt in den Zellen, für die Körperfunktionen. Aber eben auch, um die Nieren zu spülen und gute Mengen Urin auszuscheiden.

Häufig kommt es in den ersten Tagen zur Ausscheidung von Urinsediment (das ist so rötlich wie Ziegelsteine) oder zu sehr kleinen Urinmengen. Natürlich ist vorrangig ein sehr gutes Stillmanagement in den ersten Tagen sehr hilfreich, um dennoch genügend Flüssigkeit für den kleinen Babykörper zur Verfügung zu stellen.

Eine Flüssigkeitsbasis aus dem eigenen Blut ist da in jedem Fall viel wert.

> weniger Nährstoffreserve

Unser Blut ist die Fundgrube an Nährstoffen, die unserem Körper zur Verfügung stehen.

Die Vielzahl an wertvollen Salzen, Fetten, Vitaminen, Mineralien und Körperbausteinen wurden über die Plazentaschranke ins Babyblut transferiert. Darauf wird beim frühen Abnabeln gleich mit verzichtet.

> weniger Eisenreserve

Im Verlauf des ersten halben Lebensjahres verbrauchen Babys ihre Eisenreserven zu einem nennenswerten Anteil.

Eisen ist in der Muttermilch in einer sehr hohen Bioverfügbarkeit enthalten. Jedoch in geringeren Mengen, als in anderen Lebensmitteln.

Es gibt diverse Einflussfaktoren auf die Eisenreserve mit der dein Baby geboren wird. Unter anderem die Dauer der Schwangerschaft (Frühgeborene brauchen häufig von Anfang an regelmäßige Eisengaben zusätzlich) und das Auspulsieren der Nabelschnur.

Die Kombi-Versorgung aus der vorgeburtlichen Eisenreserve und durch Laktoferrin hoch bioverfügbarem Eisen aus der Muttermilch ist perfekt, um Babys mit Eisen zu versorgen. So ist später die Einführung der Beikost unter ganz entspannten Vorzeichen möglich.

Gibt es Ausnahmen, bei denen ich mich gegen das Auspulsieren entscheiden würde?

Ja, natürlich.

Wenn du schon häufiger bei mir gelesen hast, dann weißt du bereits, dass ich von starren Entscheidungen wenig halte. So ist das Leben doch einfach nicht. Es gibt nie nur EIN Richtig.

Manchmal ist die Nabelschnur so kurz, dass das Bonding nach der Geburt nicht gut möglich ist. Dann würde ich kurzfristig entscheiden nach einer kurzen Weile bereits abzunabeln.

In einem medizinischen Notfall kann die bestehende Verbindung hilfreich sein – oder störend. Ich gehe davon aus, dass die besten Entscheidungen gemeinsam getroffen werden in so einer Situation.

Selbst bei einem Kaiserschnitt wäre mir ein Ablauf, der das Auspulsieren zulässt wichtig. Gerade auch da. Mit intraoperativem Bonding. Wenigstens einige Minuten.

Das sind auch Punkte, die in meiner nächsten Patientenverfügung für die Geburt stehen werden. Das ist Teil der Geburtsvorbereitung, die einen natürlichen Geburtsablauf ermöglichen sollen, und ebenso auf das im-Fall-des-Falles vorbereitet ist.

Vorab könnte die Erkrankung einer nahestehenden Person natürlich meine Entscheidung beeinflussen. Wenn ganz konkret klar ist, dass eine Therapie erfolgversprechend ist.

Allerdings nicht zur Einlagerung auf ungewisse Zeit!

Nabelschnurspende vs. Auspulsieren

Für mich persönlich ist die Entscheidung des Auspulsieren lassen sehr klar. Es hat nur Vorteile für den Start in das Leben. Momentan sehe ich einen zu unklarer Nutzen der Nabelschnurblutspende bzw. nur den Faktor Hoffnung und zu viele reale Nachteile

Viele werden wir noch nicht einmal kennen!

Dennoch ist es wichtig, dass jede Frau hierbei eine eigene Entscheidung treffen darf. Deshalb ist es gut, dass wir die Wahlfreiheit über diese Abläufe haben.

Mehr Infos um deine Entscheidung genau & klug abzuwägen hat Jana vom Hebammenblog hier zum Thema Nabelschnurspende versus Nabelschnur auspulsieren lassen zusammengestellt.

Videotipp: In diesem Facebook-Live stellt sich Jana außerdem den Fragen rund um die Abläufe, die zur Nabelschnurblutspende gehören.

So triffst du in Ruhe schon in der Schwangerschaft eine Entscheidung für die Gesundheit – ganz abhängig von deiner persönlichen Situation. Ein wertvolles Gut!

Alles Liebe und bis bald,
~Tabea

 

 

 

Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

Ich helfe dir bei Stillproblemen und Fragen im Leben mit deinem Baby. Weinen, Verwöhnen, Bedürfnisse, Schlafen, Beikost und bis hin zum Abstillen. Oder auch zum Weiterstillen in einer Folgeschwangerschaft. Alles hat seinen Raum.
Im Blog findest du dazu viele Gedanken und Anregungen - individuelle Beratungen finden per Videochat & Hausbesuch statt.
Schön, dass du da bist.

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