Geburt
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Warum deine Geburt nicht perfekt werden wird

perfekte geburt

Du denkst, du bist gut vorbereitet?

Deine Geburt wird perfekt sein. Zumindest so perfekt wie möglich.

Die Geburtstasche ist gepackt. Die richtige Musik ist gewählt. Der Geburtsvorbereitungskurs macht dir Spass. Das Kinderzimmer ist längst eingerichtet und die gemütliche Ecke in der du zukünftig Stillen möchtest ebenso.

Wie komme ich also dazu zu behaupten, dass deine Geburt nicht perfekt wird?

1. Weil du mit Menschen arbeitest, die andere perfekte Geburts-Pläne haben als du

Viele Gedanken hast du dir gemacht, wo du dein Kind zur Welt bringen möchtest.

Du warst auf den Infoabenden der 2 oder 3 Kliniken. Hast überlegt mit einer Hebamme 1:1 zu arbeiten. Dann wurde dir zwischen Vorbereitung und Arbeit irgendwann alles zu viel und du hast dich halt doch bei der nächstmöglichen Klinik angemeldet.

Nett eingerichtet ist es da ja auch.

Die Referenten hörten sich nett an.

Sie haben gesagt, dass du über alles bestimmst, was passiert.

Doch du hast etwas vergessen. Du warst auf einer Werbeveranstaltung. Es gab kostenlose Getränke, Knabbereien und genau die Informationen, die preisgegeben werden sollten.

Die Schwangerschaft
gemeinsam erleben


Du wünscht dir einen respektvollen Austausch mit anderen Schwangeren, die genauso "weit" sind wie du?

Du möchtest nicht "Hinz & Kunz" mit deinen Schwangerschaftsfragen nerven - aber platzt, wenn du nicht bald jemanden zum reden hast?

Dann komm jetzt gleich in deine Schwangerschaftgruppe und triff Gleichgesinnte.

Werdende Eltern wünschen sich zu wissen, wo sie die Geburt erleben. Die Kreissaalführung war daher sowieso mit das Wichtigste an diesem Abend.

Ein Blick in das Gebärzimmer im schummrigen Licht. Sogar ein gemütliches Holzbett stand im Wehenzimmer. Hübsch gerichtet mit einer Tagesdecke.

Was glaubst du wie viele Frauen werden darauf gebären?

Die Frage nach einem Gebärhocker wurde zwar bejaht, aber gesehen hast du keinen.

Ob man einen Geburtsplan mitbringen könnte, hatte jemand gefragt. – Natürlich! Aber notwendig sei es nicht, denn Wünsche werden ja sowieso besprochen.

Den Hinweis darauf, dass nur eine Begleitperson möglich sei, hatte deine Nachfrage auch hinfällig werden lassen, ob du eine private Doula mitbringen könntest.

Überhaupt – das Wort „Doula“ war auch im Geburtsvorbereitungskurs nicht gefallen.

Merkst du etwas?

Es passiert leise. Überall.

Die Empfehlung, die Geburtsvorbereitung gleich „im Haus“ zu machen, klang plausibel. So hättest du die Chance wenigstens eine der Hebammen näher kennenzulernen.

Aber auch das kann eine Gefahr für deine Geburt darstellen.

2. Weil deine einzige Geburtsvorbereitung durch Menschen deines Geburtsortes stattgefunden hat.

Es ist recht üblich. Dort wo die Geburt stattfindet, macht „man“ auch den Geburtsvorbereitungskurs.

Es ist aber auch recht bequem?

Für dich? Nein quatsch. Deine Beweggründe sind doch total verständlich. Bequem ist es für die Geburtsbegleiter. So kann dir schon niemand anderes „irgendwelche Flöhe ins Ohr setzen“.

Ach ja … und das was in Büchern steht „Papier ist geduldig“ und das was im Internet geschrieben wird ist, mit Verlaub, natürlich sowieso reiner Quatsch.

Die Geburtsvorbereitung wird dich vorbereiten. Auf die Geburt.

Doch es gibt dafür keine Standards. Egal, ob dein Kurs von der Kasse übernommen wird, weil ihn eine Hebamme leitet, oder ob du ihn privat zahlst, weil du dich für eine alternative Geburtsvorbereitung entschieden hast.

Ein solcher Kurs entspricht alleine dem Standard, den die Kursleitung selbst gewählt hat.

Die Geburtsvorbereitung an deinem Geburtsort ist natürlich abgestimmt auf die „Regeln“ die dort vorherrschen. Sie soll dich schließlich auf die Situation vor Ort vorbereiten.

Immer wieder ergibt dies ein recht verzerrtes Bild.

Das was du liest oder hörst, wenn es um Selbstbestimmung geht, steht nicht mehr im Einklang mit dem Gefühl, welches du im Rahmen der Geburtsvorbereitung bekommst. Oder du merkst immer mehr, dass dich die Geburtsvorbereitung auf alles mögliche vorbereitet.

Jedoch nicht darauf, dir und deinem Körper vollständig zu vertrauen.

Sie bringt dich in eine Abhängigkeit. Welche in Ordnung ist, wenn deine Geburtsbegleitung dich genau dort abholen kann, wo du stehst und dorthin begleitet, wo du und dein Körper hingehen wollen.

Viele Geburtsberichte lassen jedoch anderes vermuten.

Diese sind es auch, die immer wieder Ängste in dir aufsteigen lassen. Was uns zum nächsten Punkt führt.

3. Weil deine Ängste dir bei der Geburt einen Strich durch die Rechnung machen

Seit dem du dich gedanklich auf den Plan einer Schwangerschaft eingelassen hast, hast du unglaublich viel gelesen. Bücher über die Schwangerschaft und das Leben mit Baby.

Will ich dir das jetzt vorhalten? Sagen, dass es falsch war?

Nein!

Niemals.

Es war richtig! Es IST richtig.

Wenn es zu dir passt.

Du öffnest damit deinen Geist für das Abenteuer, das mit der Schwangerschaft und der Geburt auf dich wartet.

Doch dann begehst du einen großen Fehler!

Du gehst davon aus, dass die Geburt jetzt kommen kann.

Dass du weißt, was dich erwartet.

Du verdrängst die kleine Stimme der Befürchtung, dass alles anders kommen könnte.

Du verdrängst die Ängste, denn sie sind schließlich dafür verantwortlich, wenn du unter der Geburt zu wenig Oxytocin ausschütten wirst.

Denn Ängste lassen sich zwar verdrängen. Aber sie kommen wieder. Zum unpassensten Zeitpunkt.

Ein weiterer Grund, warum sie sich anstauen können ist:

4. Weil du deinen geplanten Geburts-Weg als alternativlos ansiehst

Zu glauben, dass du den einzig wahren Weg deiner Geburt kennst, ist ziemlich irrsinnig – um es gerade heraus zu sagen.

Du kennst ihn nicht.

Woher auch.

Du und dein Baby. Ihr seid diesen Weg noch nie gegangen. Ihr werdet ihn nur ein einziges Mal gehen. Es wird euer individueller Geburtsweg sein.

Ein großer Teil ist, wie in einem Nebel, verborgen.

Doch so wie die Brücke im Beitragsbild, siehst du höchstens einen gewissen Anteil davon klar vor dir.

Den Beginn.

Diesen Beginn kannst du beeinflussen. Kannst du planen. Kannst du vorbereiten.

Schritt um Schritt wird sich – wenn du die Brücke zu deinem Baby über den Weg der Geburt beschreitest – auch der Nebel etwas lichten. So dass die nächsten Schritte sichtbar werden.

Ein wichtiger „Scheinwerfer“ um auf diesem Weg mögliche Gefahren zu erkennen und frühzeitig zu umgehen ist deine Hebamme in der 1:1-Betreuung. Für sie haben Stolpersteine durch all Ihre Erfahrung einen Wiedererkennungswert.

Auf Augenhöhe könnt ihr frühzeitig und in Ruhe klären, wie ihr weitermacht.

Warum glaubst du, dass du bisher nur den einen, reinen Weg deiner Geburt vor Augen hattest?

5. Weil dein Bild der perfekten Geburt geklaut ist

Sobald du dich in die „alternative“ oder „reflektierte“ Geburtsvorbereitungsszene begibst, wird er dir vermittelt.

Der einzig wahre Weg.

Doch damit erliegst du einem gleichgearteten Irrglauben, wie die Anhängerinnen der „Save-your-lovechannel“-Bewegung.

Einer Lüge.

Der Wahrheit von anderen.

Natürlich ist es leicht, ein Bild der Geburt einer anderen Mutter auf dich selbst zu übertragen. Doch du wirst enttäuscht sein. Herausfinden müssen, dass mit der Geburt die Täuschung die du dir mühevoll aufrecht erhalten hast beendet ist.

Es passt nicht.

So zumindest, wenn es ein willkürliches, positives Traumbild war, das du dir erschaffen hast.

Nicht minder gefährlich sind negative Geburtserlebnisse anderer. Sie können unrealisitische Ängste zusätzlich schüren.

Daher ist es gut, wenn du lernst bei dir zu bleiben und zu unterscheiden.

Du kannst lernen die Erlebnisse anderer wahrzunehmen und für dich zu prüfen.

  • Was ist dir selbst wichtig.
  • Wohinter stehst du selbst.
  • Was passt zu deiner Lebenseinstellung.

Wenn du nicht an Hypnose glaubst oder es gar gegen deine Lebenseinstellung steht, wird dir Hypnobirthing keinerlei Vorteil bringen.

Wenn du die Vorstellung eklig findest in Kontakt mit eurem Mutterkuchen zu kommen, wird eine Lotusgeburt euch nicht glücklicher machen.

Wenn du Angst hast zu Hause zu gebären wird dies nicht der richtige Ort sein.

Ist es deshalb besser gar nicht so viel zu wissen?

Wenn es besser zu dir passt vielleicht. Dann wird manches was ich hier im Blog schreibe auch gar nicht so zu dir passen – weil ich neben einer guten, engen, vertrauten Geburtsbegleitung, die „aufgeklärte Entscheidung“ als wichtig erachte und du hier immer wieder mit ihr konfrontiert sein wirst.

Sonst erliegst du vielleicht dieser letzten Gefahr.

6. Weil du nicht darauf vorbereitet bist, dass es mit der Geburt völlig anders kommen kann

Ganz bewusst hast du dich entschieden, dich nicht damit zu beschäftigen.

Du hast vielleicht einen Schwangerschaftsdiabetes bekommen – aber mit den Risiken für dein Baby möchtest du dich gar nicht erst näher beschäftigen. Wird schon gutgehen.

Du hast von einer Freundin gehört, die eine Schwangerschaftsvergiftung (Hellp-Syndrom) bekommen hat – aber davon willst du jetzt gar nichts hören. Wird schon gutgehen.

Du hast von anderen gelesen, die ihr Baby viel zu früh geboren haben und obwohl du schon seit einiger Zeit Wehen und einen verkürzten Gebärmutterhalst hast, möchtest du dich mit diesem schrecklichen Thema nicht weiter befassen. Wird schon gutgehen.

Du hast bewusst die Zeichen ignoriert, die dir dein Körper leise sendet, damit du dich vorbereiten kannst. Weil du Angst hast.

Und es ist ok Angst zu haben.

Doch es bringt dich nicht weiter, diese Angst zu verstecken. Oder sie zu ignorieren.

Für dich und dein Baby gibt es so gute medizinische Hilfe und Begleitung. Du hast es nicht nötig das Schicksal zu ignorieren.

Du bist eine wunderbare Frau und wirst eine wunderbare Mutter sein.

Aber einen Schwangerschaftsverlauf können wir manchmal einfach nicht beeinflussen. Manchmal findet die Geburt ganz anders statt, als geplant. Und du brauchst zügig Lösungen, wie du dennoch wieder gut auf die Beine kommst.

Fazit.

Was wir beeinflussen können sind die Umstände und unsere Haltung zur bevorstehenden Geburt.

Daraus entwächst etwas, was sich von außen vielleicht ähnlich ansehen lässt, wie eine perfekte Geburt, jedoch etwas völlig anderes ist! Eine selbstbestimmte Geburt.

Eine selbstbestimmte Geburt wirkt deshalb im Nachhinein vielleicht perfekt, weil die Geburt mit der Mama im Einklang steht. Das liegt aber nicht daran, dass alles perfekt lief, sondern weil es in Einklang gebracht wurde.

Um das für dich zu realisieren brauchst du

  1. Informationen, wie du die Umstände nutzen und beeinflussen kannst
  2. Begleitung, wie du deine Haltung und dein Mindset von innen heraus änderst.

Beides kannst du selbst tun, indem du dir in (Fach-)Büchern und unter Umständen auch online die entsprechenden Informationen aus Publikationen und Studien zusammensuchst. Indem du dir mit Selbstcoaching Methoden hilfst, dich selbst besser zu verstehen.

Wenn du das nicht alleine tun möchtest, sprich mich gerne einfach an!

Wo musst du noch drangehen? Welches Thema steht bei dir auf der Agenda?

Siehst du, dass es anderen wie hier beschrieben geht, dann teile den Artikel einfach mit Hilfe des Button unten in deinem Lieblingsnetzwerk.

Ich wünsche dir, dass du gut vorbereitet bist, wenn du in die Geburt gehst.

Alles liebe und bis bald,
~Tabea

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Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

Ich helfe dir bei Stillproblemen und Fragen im Leben mit deinem Baby. Weinen, Verwöhnen, Bedürfnisse, Schlafen, Beikost und bis hin zum Abstillen. Oder auch zum Weiterstillen in einer Folgeschwangerschaft. Alles hat seinen Raum.
Im Blog findest du dazu viele Gedanken und Anregungen - individuelle Beratungen finden per Videochat & Hausbesuch statt.
Schön, dass du da bist.

5 Kommentare

  1. Sandra sagt

    Hallo Tabea,

    ich bin innerlich aufgebracht!
    Deine Seite generiert schwangeren Frauen tatsächlich Angst vor der Geburt – und genau das ist das hinderlichste für eine „schöne Geburt“. Wo auch immer die stattfindet.

    Denke darüber nach, ob du mit deinen Worten nicht mehr „tolle Geburtserlebnisse“ verhinderst. Deine Worte wirken. Frauen lesen diese ganz angespannt; besonders in der Zeit der Geburtsvorbereitung. Diese Vorbereitung sollte ohne Angst passieren. Das sehe ich als Auftrag für eine gute Vorbereitung.

    Ich bin Hebamme, auch ich bin Krankenhaussystem-kritisch. Den von dir dargestellten Kontext kann ich jedoch nichts abgewinnen. Vielleicht könntest du dich als Kinderkrankenschwester zumindest mit einer Hebamme vor Ort abstimmen, die dir die „Faszination Geburt“ etwas näher bringen kann und dir andere Perspektiven eröffnet!

    Mit freundlichen Grüßen,
    Sandra Göttinger

    • Tabea Laue | Kinderkrankenschwester sagt

      Hallo Sandra,

      vielen Dank für deinen offenen Kommentar!

      Es wäre schön und leicht, wenn es nur meine Worte wären, die Angst generieren würden. Denn diese sind leicht wegzuwischen. Sie wären mit Erfahrungen und feststehenden Statistiken umgehend widerlegbar.

      Die Gesundheitssysteme von D-A-CH mögen sich unterscheiden. Sicherlich haben wir in manchen Bereichen der Geburtsbegleitung gerade „verschiedene Baustellen“ in den Ländern.

      Doch …
      …so lange Frauen sich an der Kreissaaltür entscheiden müssen, ob sie ihren Mann ODER ihre Doula zur Begleitung an der Seite haben wollen,…
      …so lange Frauen während dem Gebären viel zu häufig Untersucht werden – mit allen Nachteilen die sich daraus ergeben,…
      …so lange Frauen in selbstbewussten Gesellschaften unserer Industrienationen weiter Gewalt in der Geburtshilfe erfahren,…
      …so lange Frauen eine Chance von weniger als 10% haben, dass ihre Geburt intervensionsfrei verlaufen darf,…
      werde ich mich nicht auf die „alles-wird-gut-solange-du-es-nur-glaubst“-Seite schlagen. Das kann ich nicht.

      „Die Frauen“ von denen du schreibst, haben diese Ängste längst. Und das bereits BEVOR sie überhaupt schwanger werden. Weil sie genau sehen, wie es ihnen immer noch schwerer gemacht wird einen Platz zu finden, wo sie nach ihrem eigenen Empfinden selbstbestimmt gebären können. Begleitet durch eine Hebamme denen sie vertrauen.
      Sie gehen so weit, dass ihre Gedanken kreisen OB sie überhaupt (ein weiteres Mal) schwanger werden möchten.

      Falls der Artikel auf dich den Anschein macht, dass ich einfach nur krankenhauskritisch bin: es ist nicht so einfach. Ich bin Fremdbestimmungs-Kritisch. Auch wenn es sich dabei um eine noch so alternative Geburtsbegleitung handeln würde. Ich halte sehr viel von der Medizin, so lange sie in einem Maße angewandt wird, in der sie nicht zum Gift wird. So halte ich es ebenfalls mit der Selbstbestimmung.

      Kann Angst zum Gift werden? Ja – ich stimme dir absolut zu. Angst wird zum Gift. Diese Angst wird jeder Schwangeren mit der ich bisher gesprochen habe bei jeder ihrer Vorsorgeuntersuchungen geschürt. Hier ein Prozentpunkt zu wenig Fruchtwasser, dort ein Prozentpunkt in der Entwicklung hinterher, am Ende eventuell wahlweise zu leicht oder zu schwer für eine spontane Geburt. Geschürte Ängste vor einer Behinderung des Kindes welches gleich geboren werden soll. Ach es gibt so vieles.

      Genau deshalb ist es doch wichtig die Angst nicht platt zum Feind zu erklären, sondern zu benennen. Aufzudecken. Aufzuzeigen, dass es eben sehr wohl Möglichkeiten gibt die eigene Geburt nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Kennenzulernen wo und wie Geburt für sich selbst gut funktionieren kann. Völlig egal, wo das ist. Und dennoch ohne auf die Informationen einer Werbemaschinerie angewiesen zu sein.

      Letztlich geht es bei alle dem nämlich nicht einfach nur um „Frauen“ – nein. Es geht um uns. Um unsere Schwestern, Freundinnen und auch wenn es bei mir vielleicht noch dauert dann auch um Töchter oder Schwiegertöchter. Menschen die wir lieben. Und es geht um die Geburtstagskinder, deren Geburt einen gewaltigen Einfluss auf ihr Leben hat.

      Wenn wir es schaffen die Angst ernst zu nehmen. Und sie zu bewältigen, statt sie wegzuwischen.

      ~Tabea

      • Bianca sagt

        Hallo zusammen,

        ja die Angst ist schon da bevor Frauen schwanger werden… Diese Tatsache kann ich aus meiner beruflichen Erfahrung nur unterstreichen.

        Verbindet sich die Angst dann mit tatsächlich gemachten Erfahrungen, kommt es zu nicht mehr nachvollziehbaren Verhaltensweisen wie in einen Fall in meiner Praxis: eine Mutter eines 2-jährigen ist verzweifelt; 9 Wochen nach der Geburt hab es die Diagnose Gendefekt mit Tumorwachstum/epileptische Anfälle etc.; ärztliche Aussage über das gesamte 1. Lebensjahr: vermutlich schwerste Mehrfachbehinderung (was in vielen Fällen auch zutrifft); nach 1 1/2 Jahren dann die erleichterte Nachricht: nur minimale Ausprägung der Erkrankung – Kind entwickelt sich unauffällig und Epillepsie ist gut eingestellt. Also alles gut oder?

        So und jetzt kommts: Eltern haben dringenden weiteren Kinderwunsch! Mutter war bereits in den letzten Monaten 2x geplant schwanger! Konnte sich aber jeweils nur 1 Minute über das absolute wunschkind freuen – dann nur noch das tiefe schwarze Loch „Angst“! Und zwar folgende Angst: Angst vor der Pränataldiagnostik in der 13.SSW… Und zwar nicht unbedingt Angst davor erneut eine ähnliche Diagnose zu bekommen, sondern Angst dann dieses Kind nicht behalten zu dürfen/können wenn ein Befund vorliegt… Und die Folge dieser unaufhaltbaren irrationalen Angst: die Mutter hat 2x einen Schwangerschaftsabbruch in der 9. Woche veranlasst… Um nicht in das Dilemma der Pränatsldiagnostik zu kommen…
        Liebe Grüße
        Bianca

        • Tabea Laue | Kinderkrankenschwester sagt

          Oh Gott Bianca, wenn ich deinen Bericht lese bekomme ich eine Gänsehaut.

          Leider bestätigt es mir meine Erfahrungen…

          Nun ist die Mama in einer Situation, wo sie bereits eine traumatische Erfahrung machen musste – zusammenhängend mit der Schwangerschaft und dem Erleben des Lebens mit ihrem Baby. Ihre Erlebnisse zu verarbeiten – denn die Abtreibung eines Wunschbabys kann ja fast nur eine weitere traumatische Erfahrung sein – wird sicherlich viel Zeit und Heilung brauchen.

          Doch auch in die erste Schwangerschaft gehen wir doch nicht als „unbeschriebenes Blatt“.

          Es gibt diese „unbestimmten Ängste“ in uns. Sie sind da. Und sie wollen gehört werden.

          ~Tabea

      • Tabea Laue | Kinderkrankenschwester sagt

        Zur Ergänzung meiner Behauptungen von gestern Nacht – mir war es wichtig gleich zu antworten – noch ein paar Links.

        Denn es ist durchaus möglich, dass das Wissen – welches Geburtsbegleitern zur Verfügung stehen würde – doch auch gut zu nutzen!

        Es ist möglich den Geburtsfortschritt auch ohne häufige vaginale Untersuchungen festzustellen
        http://www.hebammenwissen.info/wie-weit-ist-der-muttermund-geoeffnet-alternative-methoden-zur-vaginalen-untersuchung-waehrend-der-geburt/

        Eine Doula kann die Arbeit der Hebamme zb. in der Klinik ergänzen
        http://mama-baby-vision.de/doula-geburtsbegleitung/

        Denn die zunehmende Situation in vielen (zumindest deutschen) Kreißsälen entspricht doch den Beschreibungen hier – natürlich mag das manchmal an einer ungünstigen Korrelation vieler gleichzeitig stattfindender Geburten liegen … aber das gleicht ja fast einem Roulette-Spiel ob mir dann zwei oder 0,25 Hebammen zur Verfügung stehen. Wobei ersteres vermutlich selten sein wird … schließlich müssen auch im Kreißsaal Überstunden abgebaut werden (das ist allerdings nur eine Vermutung, die ich aus der klinischen Personalpraxis anderer Arbeitsbereiche schätzend übertrage)
        https://instagram.com/p/83U3wajfOF/?taken-by=vonguteneltern

        Und auch, dass es Gewalt unter der Geburt gibt, wird nicht mehr einfach nur totgeschwiegen. Bald ist wieder Roses-Revolution-Day. Trotzdem lese ich in den Kommentaren zu dem unten verlinkten Buch immer wieder, dass Frauen meinen, dass die Übergriffe, die sie erleben mussten dann ja harmlos seien. Aber nein – kein übergriffiges Verhalten ist akzeptabel.
        https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1488621091468007&id=100009603918066&pnref=story

        Ist das ein neues Phänomen? Absolut nicht. Leider.
        http://www.vonguteneltern.de/?p=4375

        Ich weiß, dass meine Schreibe gestern und heute nicht sehr reflektiert sein kann … weil auch mich dieses Thema aufwühlt.

        Mit deinem Kommentar hast du tatsächlich einen „Knopf“ bei mir gedrückt. 🙂 Doch so kann man es schon ausdrücken.

        Beim Nachdenken über deinen Vorwurf habe ich dann gemerkt, dass genau das, was du mir ankreidest in meinen Augen sehr wichtig ist. Frühzeitig konfrontiert zu sein, dass nicht alles Rosa ist. Es wäre nicht fair von mir etwas anderes zu schreiben. Und ich bin sehr froh, dass ich nicht die einzige bin, die dazu schreibt.

        Unsere Geburtshilfe hat viel „Luft“ nach oben. Dann kann auch wieder so etwas einkehren, wie die „Faszination Geburt“ von der du sprichst. Dazu muss aber der Raum gegeben werden. Die kleinen Räume, die es dafür gibt, kämpfen um das Überleben, um Eltern einen Platz zu geben diese Selbstbestimmung zu leben. In der breiten Masse ist für Selbstbestimmung aller coleur wenig Raum.

        Und so bleibt für mich zu hoffen, dass Frauen, die selbstbestimmt entscheiden, dass sie sich nicht mit „falls“ und „wenn“ und „vielleicht“ beschäftigen wollen, frühzeitig hier wegklicken. Mich und meinen Blog auf die rote Liste setzen und sich selbst schützen. Für sie kann ich nicht schreiben.

        ~Tabea

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