Schwangerschaft, Stillzeit
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Wie sich dein Diabetes in der Schwangerschaft auf das Stillen nach der Geburt auswirkt

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Bist du von einem Schwangerschaftsdiabetes betroffen?

Meistens wird dieser etwa rund um die 25. Schwangerschaftswoche festgestellt.

Das hängt damit zusammen, dass seit 2012 in Deutschland ein Screening für alle Schwangeren empfohlen wird. Dieses ist nur der erste Schritt eines längeren Diagnoseverfahrens bis hin zur Diagnose Gestationsdiabetes.

Wenn du betroffen bist, wirst du inzwischen vermutlich von einem speziellen Facharzt begleitet und hast eine Ernährungsberatung erhalten. Nun werdet ihr versuchen, in wieweit sich der Schwangerschaftsdiabetes alleine mit einer Ernährungsumstellung im Zaum halten lässt. Erkennbar ist das an deinen täglichen Blutzuckerkontrollen, die helfen den Verlauf einzuschätzen.

Reicht die Ernährungsumstellung nicht oder im Verlauf der Schwangerschaftswochen nicht mehr aus, wirst du Insulin erhalten, welches die Arbeit deiner Bauchspeicheldrüse ergänzen soll.

Eine Geburt am Ende einer Schwangerschaft mit Gestationsdiabetes endet häufiger mit einer künstlichen Einleitung der Geburt oder einem Kaiserschnitt. Obwohl das die offiziellen Leitlinien gar nicht empfehlen.

Sowohl die Geburt, als auch der Diabetes selbst haben Einfluss auf euren Stillbeginn. Deshalb ist es so wichtig, dass du dich damit noch während deiner Schwangerschaft beschäftigst, um einen gut funktionierenden Stillbeginn zu ermöglichen.

Denn das geht!

Schauen wir uns die Fakten genauer an.

Auswirkungen des Diabetes auf die Geburt

“Obwohl die Sectio bei Diabetikerinnen, wie bei allen Frauen, nur aufgrund geburtshilflicher Indikationen durchgeführt werden sollte, ist die Sectiorate bei Diabetikerinnen viel höher als in der Gesamtpopulation. Dies läßt sich eigentlich nur schwer rechtfertigen, außer dadurch, daß das durchschnittliche Geburtsgewicht bezogen auf das Schwangerschaftsalter bei diabetischen Schwangerschaften größer ist.” (Effektive Betreuung während Schwangerschaft und Geburt; Enkin/Keirse/Renfrew/Neilson, Ullstein Medical 1998)

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Und am wichtigsten: Was DU tun kannst.

Bei einem Schwangerschaftsdiabetes ist es ähnlich, wie bei anderen Diagnosen in der Schwangerschaft. Es kommt häufiger dazu, dass dir eine Einleitung oder direkt ein Kaiserschnitt empfohlen wird.

Nicht immer ist es leicht zu erkennen, ob die Empfehlung für einen Eingriff in den natürlichen Verlauf eurer Geburt aufgrund begründeter Indikationen ausgesprochen wird, oder aus anderen Gründen

“Ärzten ist es ausdrücklich erlaubt, sich aus organisatorischen oder juristischen Gründen für einen Kaiserschnitt zu entscheiden. Oder aufgrund der Unerfahrenheit des Arztes.” (Gott und die Welt – Der beste Weg auf die Welt. Minute 14:50)

Auswirkungen des Bonding auf den Blutzucker

Wenn dein Baby direkt nach der Geburt bei dir liegen darf, ist das nicht nur einfach “schön”!

Es hat ganz wichtige Auswirkungen auf den Körper deines Babys. Seine Temperatur bleibt konstant. Daher muss es viel weniger Energie aufbringen, um diese stabil zu halten!

Auch Pulsschlag und Blutzuckerspiegel sind ausgewogener, so lange dein Baby nackt im Hautkontakt mit dir liegen darf.

Das wiederum hat einen unmittelbaren Einfluss darauf, ob die Blutzuckerwerte deines Babys so “gut” bleiben, dass dein medizinisches Personal entspannt bleibt.

Auswirkungen des Diabetes auf Babys Blutzuckerkontrollen

Weil deinem Baby in der Schwangerschaft den diabetestypischen Schwankungen deines Blutzuckers ausgesetzt war, ist die Bauchspeicheldrüse deines Babys bereits ganz aktiv.

Dort wird das Insulin von deinem Baby produziert.

Es hat im Bauch quasi selbst dafür gesorgt, dass es gut mit deinen Blutzuckerwerten zurecht kommt.

Im Moment der Nabelschnurdurchtrennung fällt die Versorgung durch dein Blut weg. Dein Baby “weiß” davon aber ja noch nichts. Auch seine Bauchspeicheldrüse nicht.

Deshalb ist es so wichtig, dass die Blutwerte deines Babys überwacht werden.

Was normalerweise nur dann passiert, wenn es sichtbare Symptome einer Unterzuckerung bei einem Baby gibt, erhaltet ihr nach einem bestimmten Schema. Dieses Blutzuckerschema kannst du vorab erfragen und mit einer Stillberaterin besprechen, welche Auswirkungen das auf euren Stillbeginn haben wird.

Auswirkungen auf Babys Frühfütterung

Ein Baby direkt nach der Geburt mit der Flasche zu füttern ist normalerweise nicht notwendig.

Es würde sich selbst melden, wenn es bereit ist das erste Mal zu Stillen. Meistens innerhalb der ersten 2 Stunden nach der Geburt und dann immer wieder.

Auch für dein Baby ist das nicht routinemäßig notwendig. Dennoch passiert es viel häufiger, dass zugefüttert wird.

Ich erklär dir, warum.

Meistens wird die erste Blutzuckerkontrolle etwa 1-2 Stunden nach der Geburt durchgeführt. Das ist der Zeitpunkt, an dem ALLE Babys aufgrund der Umstellungsprozesse einen sehr niedrigen Blutzucker haben.

Nur: das merkt man nicht – man macht ja keine Kontrolle.

Nun steht da ein sehr, sehr, sehr niedriger Blutzuckerwert auf dem Messgerät und das Personal ist gezwungen zu handeln.

Weil beim Stillen niemand sehen kann, wie viel dein Baby trinkt, ist es vielen Kinderärzten nicht ausreichend genug. Sie sind an den Handungsvorgaben in der Klinik maßgeblich begteiligt. Und auch ohne sie, würde niemand ein “Risiko” eingehen wollen.

Obwohl die offizielle Richtlinie das Stillen gleichwertig mit der Gabe von Nahrung nennt, wird also die in ml messbare Nahrung in den allermeisten bevorzugt. In einer Menge, die ein Neugeborenes normalerweise nicht trinken würde.

Das hat einen massiven Einfluss auf den Beginn eurer Stillbeziehung.

Hast du zu wenig Milch für dein Baby? So funktioniert die Milchbildung beim Stillen.

Auswirkung des Zufütterns auf deine Stillbemühungen

Du kannst dem Kreislauf bereits frühzeitig entgegenwirken, indem du hilfst den Blutzucker gar nicht erst zu niedrig werden zu lassen.

Zum einen kannst du versuche, dein Baby schon nach einer halben Stunde zu Stillen – noch ehe die Blutzuckerkontrolle stattfindet.

Allerdings sind frisch geborene Babys manchmal etwas müde.

Deshalb gibt es die Möglichkeit vor der Geburt etwas Kolostrum mit der Hand zu gewinnen.

Dazu kannst du den Milchspendereflex mit einer sanften Massage deiner Brust auslösen und mit einer speziellen Entleerungsbewegung Tropfen für Tropfen gewinnen.

Es ist unter Umständen nicht gleich einfach, weil dein Baby ja noch im Bauch ist und die Milchproduktion zurückgehalten wird. Daher kann es sein, dass du mehrfach einen Anlauf starten musst.

Dann kannst du das gewonnene Kolostrum bis zur Geburt haltbar aufbewahren – abhängig davon, zu welchem Zeitpunkt vor der Geburt du es entleerst.

Die zusätzliche Portion Vormilch, wird euren Stillstart nachhaltig unterstützen können.

Auch dein eigenes Kolostrum solltest du in begrenzter Menge verabreichen und darauf achten vorrangig zu Stillen – aber es hat den großen Vorteil auch in kleinen Mengen wirksam auf den Blutzuckerspiegel zu sein.

Auswirkungen des Diabetes, die Zufüttern bedeuten können

Abhängig vom Verlauf der Geburt kann dein Baby zu Beginn verstärkt müde sein.

Günstig bei Müdigkeit wirken ununterbrochener Hautkontakt und uneingeschrankter Zugang zum Stillen.

Darüber hinaus hilft es, wenn ihr bereits in den ersten 24 Stunden nach der Geburt darauf achtet, dass dein Baby regelmäßig kleine Mengen Muttermilch erhält. Das hat einen positiven Einfluss auf den Blutzuckerspiegel und den Gewichtsverlauf deines Babys, sowie auf deine Muttermilchproduktion.

Babys, die in den ersten 24 Stunden selten Stillen und viel Schlafen müssen häufiger zugefüttert werden.

Auswirkungen des Stillens auf deine spätere Gesundheit

Das Stillen bietet gesundheitlichen Nutzen für jede Mutter und für jedes Baby. Speziell bezüglich des Verlauf deiner Gesundheit im Rahmen deines Schwangerschaftsdiabetes hat Stillen jedoch noch eine weitere wichtige Bedeutung!

Etwa jede zweite entwickelt nach einem Gestationsdiabetes innerhalb von 10 Jahren eine dauerhafte Blutzuckererkrankung. Diese Entwicklung wird durch den Verzicht auf das Stillen begünstigt. In einer Untersuchung fand man heraus, dass unter den Diabetikerinnen besonders viele Frauen vom frühen Abstillen betroffen waren.

Deine eigene Gesundheit kannst du positiv beeinflussen, indem du die günstigere Stoffwechsellage deines Körpers nutzt, die beim Stillen entsteht.

Auch dein Baby wird durch das Stillen besser vor Übergewicht geschützt. Nicht-gestillte Kinder entwickeln bis zum 6. Lebensjahr doppelt so häufig Übergewicht und leiden dreimal so häufig an Fettleibigkeit.

Das Stillen hat für euch also einen wirklich wichtigen gesundheitlichen Wert.

Fazit: Ein bewährtes Vorgehen damit dein Baby sicher ist und nur im Notfall zugefüttert wird

Damit du und dein Baby Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit in bestmöglichster Gesundheit erleben können, gibt es offizielle Leitlinien, die für alle Kliniken und Ärzte gelten.

Anhand dieser Leitlinien ist immer noch ein breites Spektrum sinnvoller Maßnahmen möglich, die überall verschieden umgesetzt werden.

Eine sehr sinnvolle Möglichkeit ist es, sich nach dem Vorgehen der Leitlinie zur Versorgung von Neugeborenen diabetischer Mütter zu richten.

  • Das bedeutet, dass das Stillen nach 30 Minuten stattfindet oder dass ihr das vorher gewonnene Kolostrum geben könnt, wenn dein Baby noch zu müde ist.
  • Nach weiteren 2 Stunden – dein Baby ist dann etwa 2,5 Stunden alt – wird das erste Mal der Blutzuckerwert überprüft. Natürlich wird dein Baby auch auf Symptome eines Unterzuckers beobachtet! Außerdem werden weitere Risikofaktoren, wie ein Sauerstoffmangel unter der Geburt, berücksichtigt – also Phänomene, die sehr selten sind.
  • Ist dieser Blutzuckerwert sehr gut (>45 mg/dl), werden weitere Kontrollen durchgeführt, wenn dein Baby etwa 6, 12 und evtl. 24 Stunden alt ist. Liegen 3 Werte in Folge über 45 mg/dl kann auf weitere Kontrollen normalerweise verzichtet werden.
  • Ist der Blutzuckerwert 2,5 Stunden nach der Geburt eher grenzwertig, muss erneut gestillt oder Kolostrum verabreicht werden. Um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten, reichen sehr kleine Mengen.
  • Muss zugefüttert werden, weil kein Kolostrum entleert wurde, gibt es in der Leitlinie keine Mengenrichtwerte. Aus stillberaterischer Sicht ist es günstig, wenn du dein Baby mit einem Becher oder noch besser während dem Saugen an der Brust zufüttern kannst, wenn dies unumgänglich ist.

Derzeit (September 2016) befindet sich die genannte Leitlinie zwar in der Überprüfung, dennoch ist sie die zuverlässigste Quelle zum sinnvollen Umgang mit eurer Situation. Obwohl sie bereits seit 2010 gültig war, hat dieses Vorgehen noch längst nicht Eingang in die Abläufe der meisten Kliniken gefunden.

Möchtest du dich ausführlicher in den medizinischen Kontext einlesen und Quellenmaterial zur Besprechung mit deinen Ärzten nutzen, dann helfen dir die medizinischen Fachinhalte von ELACTA sicher weiter.

Hast du bereits Erfahrungen gesammelt mit dem Stillbeginn nach einer Schwangerschaft mit Diabetes? Oder stehst du gerade im Austausch mit den Ärzten darüber, wie ihr am besten im Sinne euer beider Gesundheit vorgeht?

Welche Fragen sind für dich noch offen?

Schreib mir in den Kommentaren – ich freue mich auf den Austausch dort.

Alles Liebe und bis bald,
~Tabea

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Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

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