Stillen lernen, Stillzeit
Kommentare 4

So bekommst du eine Brustentzündung, die sich gewaschen hat (eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung)

Stillen und Brustentzündung

Eine Brust, die hart, hochrot, heiß und schmerzhaft ist? Darauf kannst du verzichten?

Dann kommt heute eine Schritt-für-Schritt-Anleitung an die du dich nicht halten solltest.

Auch wenn eine Brustentzündung – so wie jeder andere Infekt – kein Weltuntergang ist. Behandelbar ist. Und: ein dringender Grund um weiter zu stillen!!

Sie ist verzichtbar.

Und: sie ist vermeidbar.

 

Doch du hast auf den Titel geklickt.

Deshalb erklär ich dir, wie es funktioniert.

Halte dich an die Anleitung und du kommst selbst mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in den zweifelhaften Genuss.

1. Härte deine Brustwarzen ab

Als ich selbst schwanger wurde kam es irgendwann, wie es wohl kommen musste. Meine geliebte Omi fragte mich, ob ich meine Brustwarzen schon abgehärtet hätte.

Für dich ist das der erste wichtige Schritt!

Am besten du nimmst dazu eine Zahnbürste. Weicheier nehmen eine mit weichem Bürstenkopf. Aber hey: nur die Harten kommen in den Garten!

Damit bürstest du regelmäßig. Dabei entstehen wunderbare Mikrorisse auf der Haut. Die perfekte Eintrittspforte für kleine fiese Keime. Die braucht es, um eine Infektion im Gewebe zu verursachen.

Da eine Brustentzündung auf auslösende Keime angewiesen ist, ebnest du damit einer Brustentzündung schon frühzeitig den Weg.

Natürlich kannst du auch den langsameren Weg gehen.

Abhärtungen mit Zitronensaft, Schwarztee oder anderen gerbenden Stoffen machen die Haut deiner Brustwarze weniger elastisch.

Die Mini-Hautverletzungen entstehen dabei nicht sofort, sondern erst bei Beanspruchung der Haut. Also quasi dann, wenn dein Baby auf der Welt ist und mit dem Trinken beginnt.

Einfach nur den BH wegzulassen, um die generelle Empfindlichkeit der Hautsensorik herabzusetzen reicht in diesem Fall übrigens nicht aus! Du musst schon etwas mehr dafür tun.

Aber die Tipps sollten reichen, um schon in der Schwangerschaft mit der Vorbereitung auf eine Brustentzündung zu starten.

Vielleicht hast du ja Glück und du erwischt durch deine Maßnahmen schon ein paar erste Keime, die dich noch vor der Geburt beglücken können.

Sonst musst du dich eben noch ein wenig gedulden. So lange bis du gute Unterstützung durch dein Baby bekommst.

2. Lege dein Baby so an, dass es besonders weh tut

Schmerzen sind immer ein guter Einstieg für eine Verletzung.

Du hast ja schon gelernt:

Kleine Verletzungen helfen den Keimen wirklich sehr.

Diese Hautbarriere ist sonst einfach echt schwierig zu überwinden. Und in den Milchgängen drin lassen sich ja nur schwer Entzündungen initiieren. Da flusht ja dauernd die Milch durch, so dass sich ein ggf. verirrter einzelner Keim nicht mal festsetzen kann.

Also solltest du so Stillen, dass es weh tut. Beobachte einfach ein wenig.

Bestimmt hast du es bald raus.

Merke dir die Positionen und Merkmale beim Anlegen, die zu besonders viel Schmerz führen. Wiederhole diese einfach wieder und wieder.

Die Wahrscheinlichkeit, dass deine Brustwarze unter Schmerzen verletzt wird ist einfach viel, viel höher!

3. Wurschtel dich alleine durch

Und sei bitte nicht so irre und bitte um Hilfe!

Ok – vielleicht die Babyfotografin. Oder deinen Großonkel. Die können dir sicherlich noch nützliche Informationen geben.

Probier es einfach aus.

Wenn du in der Klinik bist, ignoriere oder verneine es, wenn die Schwester fragt, ob du Hilfe brauchst.

Und klingel bloß nicht nach ihr. Du bist ja nicht in der Klinik dafür, dass man dir hilft. Das Personal möchte ja auch sicherlich nicht gestört werden.

Falls du daheim bist, belästige auch bitte deine Hebamme nicht. Deshalb macht sie ja nicht die Nachsorge bei dir. Die macht sie ja nur, damit sie einen Tee bei dir trinken kann.

Du bist auf dich alleine gestellt. Zumindest solltest du so handeln, als wärst du es, wenn du deine Chancen auf eine ordentliche Entzündung verbessern möchtest.

4. Stille nur alle 4 Stunden

Damit hilfst du deinem Körper noch einmal zusätzlich.

Selten zu stillen erhöht die Chancen für einen Milchstau schon mal ungemein. Im Verlauf ist es mit einem Milchstau noch einmal einfacher auch eine Infektion hinzubekommen.

Ich weiß – ein Stau ist keine Garantie. Aber ein wertvolles Hilfsmittel.

Falls dein Baby Anzeichen von Hunger zeigt, kannst du diese wahlweise ignorieren – es mit einem Schnuller hinhalten … oder eine Flasche füttern.

Besonders effektiv ist diese Maßnahme schon während der ersten Tage.

Diese Zeit kannst du nutzen, um die natürlichen und entzündungsvorbeugenden Prozesse in deinem Körper ideal zu unterlaufen.

Im Milcheinschuss ist deine Brust dann so prall und voll, dass dein Baby die Brustwarze eh nur noch an der Brustwarzenspitze fassen kann. Damit wird noch weniger Milch entleert und es entstehen weitere hilfreiche Verletzungen.

Denke immer daran. Die Keime brauchen deine Hilfe!

5. Übertrage Keime direkt von der Kliniktüre an deine Brust

Wusstest du, dass Türklinken die besten Keimschleudern sind? Sie sind perfekt!

Manche Kliniken setzen auf antiseptisch wirkende Kupferlegierungen. Das ist natürlich nachteilig. Aber vielleicht findest du ja doch noch Türklinken, die du nutzen kannst, oder Treppengeländer, oder Wechselgeld aus der Klinikcafeteria.

Gib dir einfach ein wenig Mühe.

Bloß nicht die Hände waschen oder gar desinfizieren.

Nein – direkt übertragen. Sonst verlierst du ja all die helfenden Keime.

Beim Händewaschen verlierst du – wenn du gründlich bist – bis zu 99% der Keime. Beim Desinfizieren werden die auch noch abgetötet. Das solltest du also unterlassen.

Manche Kliniken stellen solche kleinen Spender mit Händedesinfektionsmittel an den Nachtkasten.

Bitte: keinesfalls nutzen! Ich weiß – es ist hart.

Halte durch!

6. Ignoriere Schmerzen – oder halte sie aus

Wenn du dann mit deinen verkeimten Pfoten an deiner Brust „rumgefuhrwerkt“ hast, dein Baby endlich schmatzend an deiner Brust angelegt ist… achte darauf, dass es schmerzhaft ist.

Und dann beginne mit einem tiefen „Ohm….“ die Schmerzen auszublenden.

Zu ignorieren.

Wegzuatmen.

Komm – ein paar Techniken aus dem Geburtsvorbereitungskurs kannst du hier zur Anwendung bringen.

Über den ersten Ansaugschmerz hinweg … weiter.

Du. Kannst. Das.

7. Ignoriere Verletzungen – sei hart im Nehmen

Sind deine Mamillen jetzt endlich ein wenig gerötet? Oder etwas mehr?

Zeichnen sich erste Risse oder Furchen ab?

Sehr gut. Es wird!

Ignoriere die Verletzungen.

Packe sie ein – deine Brüste – am besten in einen gepolsterten, luftundurchlässigen, drückenden, zu kleinen BH mit Bügeln. Komm – vor der Schwangerschaft war der doch auch bequem.

Rein damit in das eng sitzende Kleidungsstück.

Dort können sich deine kleinen Helferlein auf dem Weg zur ersten Brustentzündung perfekt vermehren!

Es ist schön warm.

Dein Gewebe wird schlecht durchblutet.

Die körpereigene Abwehr ist effektiv gehemmt.

Die Bügel verhindern ideal den Abfluss vom Lymphe.

Überhaupt sind so Verletzungen ideal. Wenn sie mit Schmerzen verbunden sind noch besser.

Schmerzen sind perfekt. Sie hemmen die Ausschüttung von Oxytocin. Je weniger du davon ausschüttest, desto besser staut sich die Milch.

Milchstaus können eine recht gute Basis für eine Mastitis sein!

Deshalb:

8. Ignoriere bitte auch den Milchstau – du hast schon Schlimmeres erlebt

Lymphstau, Schmerzen, Schlappheitsgefühl, Milchstau … Fieber… wir kommen langsam auf die Zielgerade.

Halte noch ein wenig durch. Bald hast du es geschafft.

Dazu musst du den Milchstau – wann auch immer er dir zur Hilfe eilt – aber bitte ebenfalls ignorieren.

Der Bereich um den Stau wird erst fest sein, sich irgendwann röten und heiß werden.

Aber das kannst du bitte wirklich aushalten!

9. Nimm bloß keine Hilfe in Anspruch

Vielleicht magst du ja noch etwas Besuch einladen. Und verköstigen.

Mensch, die kommen um das Baby zu sehen – nicht um dir zu helfen.

Bewirte deine Gäste, so wie man das als fröhliche Mutter nach der Geburt so tut.

Sie haben es verdient.

Schließlich freuen sie sich so sehr mit dir. Und bringen euch ja schon Geschenke!

Lehne dankend ab, wenn dir jemand helfen möchte.

Lass sie lieber ein wenig mit deinem Baby kuscheln. Du hattest ja schon 9 Monate Zeit um zu kuscheln.

Und komme bitte nicht auf die Idee zu jammern. Oder gar um Hilfe zu bitten.

Wo kämen wir denn da hin!?

 

Fazit

Du hast es geschafft mit dem Lesen bis hier durchzuhalten?

Du fragst dich, ob all das mein Ernst ist?

Du gehört zu den Menschen, die auf waghalsige Versuche lieber verzichten?

 

Dann:

  1. Verzichte auf körperliche Vorbereitungsmaßnahmen deiner Brust
  2. Lass dein Baby immer gut angelegt saugen
  3. Lass dir beim Stillen von einer Fachkraft helfen, wenn du dir nicht sicher bist
  4. Stille nach Bedarf (zu erwarten sind 8-12 Stillmahlzeiten in 24 Stunden, manchmal auch mehr – abhängig von deinem Bedarf und dem Bedarf deines Babys)
  5. Achte auf eine gute Hygiene
  6. Höre auf deinen Körper, wenn er dir Schmerzen beim Stillen meldet
  7. Sorge für eine gute Heilung, wenn du Verletzungen an den Brustwarzen hast
  8. Glaube deiner Brust, wenn sie Verhärtungen meldet und stille so, dass sich der Stau lösen kann
  9. Hab eine Fachkraft an der Hand, die du frühzeitig kontaktierst, um dir helfen zu lassen

Tu dir etwas Gutes und geh mit aktueller Information in eure Stillzeit.

Den Kontakt zu einer Stillgruppe zb. kannst du schon in der Schwangerschaft suchen.

Ein gutes Stillbbuch kann dir erklären, was dich in der Stillzeit und im Leben mit deinem Baby erwarten wird. Auf was du beim Stillen achten solltest.

Überhaupt hast du hoffentlich gemerkt, dass du nicht als Superheldin in dein Leben als Mama starten musst! Du musst „es“ niemandem beweisen. Schon gar nicht Familie & Freunden.

Sollte sich doch einmal abzeichnen, dass das mit dem Stillen „so ganz von alleine“ nicht funktioniert, nutze frühzeitig die Unterstützung von Menschen, die sich zum Thema intensiv weitergebildet haben.

Stillberaterinnen findest du deutschlandweit beim Bund der Laktationsberaterinnen oder ehrenamtlich beim AFS und der LLL.

Hat dich der Artikel ein wenig nachdenklich gestimmt? Über die Buttons hier unten kannst du ihn gerne teilen.

Bis bald,
Tabea

[mc4wp_form]

Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

Ich helfe dir bei Stillproblemen und Fragen im Leben mit deinem Baby. Weinen, Verwöhnen, Bedürfnisse, Schlafen, Beikost und bis hin zum Abstillen. Oder auch zum Weiterstillen in einer Folgeschwangerschaft. Alles hat seinen Raum.
Im Blog findest du dazu viele Gedanken und Anregungen - individuelle Beratungen finden per Videochat & Hausbesuch statt.
Schön, dass du da bist.

4 Kommentare

  1. Hallo Tabea!
    Gute Tipps! 😉 Vor allem Punkt 9 war mein persönlicher Geheimtipp. Da meine Große 6 Tage nach der Geburt von meinem Zweiten auch Geburtstag hatte, wollte ich natürlich vermeiden, dass sie sich hier irgendwie eifersuchtsmäßig zurückgesetzt fühlt. Den tollen Geburtstag habe ich dann allerdings im Bett mit Aua-Brust und Fieber verbracht. Ts…

    Mit Ruhe, Zurücknehmen und Quark- bzw. Weißkrautwickeln ging’s aber zum Glück bald wieder besser…

    Herzliche Grüße
    Manuela

    • Tabea Laue sagt

      Liebe Manuela,

      da waren Vorbereitungsstress und Aktionismus wohl zu viel. Ich hoffe ihr hattet dennoch einen schönen Tag.
      Gut, dass du dir so schnell und effektiv zu helfen wusstest.

      Bis bald
      ~Tabea

    • Tabea Laue sagt

      Danke 😉

      Ja…. wenn man mal genauer drüber nachdenkt kein Wunder, nicht wahr? Aber wie schnell vergisst man doch auf sich selbst zu achten nach der Geburt.

      ~Tabea

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.