Stillen lernen
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6 Faktoren, die dir den Stillbeginn versauen können

Stillen Stillbeginn

Stell dir vor, dein Baby ist gerade 3 Tage alt – aber das mit dem Stillen klappt vorne und hinten nicht. Dein Baby saugt nicht so an deiner Brust, dass es satt wird. Wenn dein Baby saugt, hast du Schmerzen. Dein Baby will viel zu oft trinken – so heißt es von allen Seiten.

Ruhig wird dein Baby nur, wenn es ein Fläschchen gefüttert bekommt.

Sonst ist es vor allem unruhig. Du weißt gar nicht, wie das zu Hause alles werden soll, wenn du alleine bist – da musst du dich ja auch irgendwie wieder um dich selbst kümmern!

Bämm!

Aus die Maus!

Du hast versagt.

Du kannst dein Baby nicht einmal selbst ernähren.

Doch: Halt!

So lange dein Baby noch im Bauch ist, kannst du unglaublich viel dafür tun, dass dich deine neue Lebenssituation mit deinem Baby nicht überrollen muss.

Dann wird es immer noch viele Umstellungen für dich geben: klar! Zu deinem Leben gehört dann ein kleiner, äußert hilfebedürftiger Mensch.

Die Schwangerschaft
gemeinsam erleben


Du wünscht dir einen respektvollen Austausch mit anderen Schwangeren, die genauso "weit" sind wie du?

Du möchtest nicht "Hinz & Kunz" mit deinen Schwangerschaftsfragen nerven - aber platzt, wenn du nicht bald jemanden zum reden hast?

Dann komm jetzt gleich in deine Schwangerschaftgruppe und triff Gleichgesinnte.

Zu wissen, welche Einflüsse dir diesen Prozess erschweren hilft dir, sie einzuschätzen und entsprechend damit zu planen.

1. Du hast die Überzeugung: beim Stillen klappt alles wie von selbst

Stillen ist schließlich die natürlichste Sache der Welt!

Ja klar. Und die Hormone und Instinkte wirken um die Geburt herum auch besonders stark.

Aber: wir sind Weltmeister darin, diese Instinkte und Vorgänge so zu beeinflussen, dass auch der Stillbeginn nicht mehr so natürlich angebahnt wird, wie es ohne diese Einwirkungen der Fall ist.

Sorgen, Ängste und Stress wirken dabei als Gegenspieler. Genauso aber auch verschiedene Umstände rund um die Geburt. Nicht immer unmittelbar – aber doch im Gesamten.

So kann man Stillschwierigkeiten häufiger beobachten, wenn die Geburt schwierig war, mit Medikamentengaben einherging oder per Kaiserschnitt stattfand. Nicht immer deshalb, weil ein Einflussfaktor per se ein Grund für ein Stillproblem darstellt. Viel mehr, weil Umstände die das Stillen erschweren meist nicht alleine kommen.

Anhand des Kaiserschnittes lässt sich das hier zum Beispiel sehr plakativ zeigen. Du wirst natürlich danach andere Stillpositionen bevorzugen. Und für ein entspanntest Stillen auch genug Schmerzmittel benötigen, um nicht vor lauter Schmerzen völlig zu verkrampfen. Ebenso wie vermehrte Hilfe, um dich in eine Position zu bewegen, in der du bequem Stillen kannst.

Ohne das Wissen darüber passiert es viel eher, dass du versuchen wirst dich da irgendwie alleine durchzuwurschteln.

Das gilt aber auch für viele, viel weniger beeinträchtigende, Faktoren. Denn viel zu oft erleben Mütter die ebenfalls dachten: „das regelt sich schon alles von selbst“, dass aus einem kleinen Schmerz ein großes Problem wuchs.

Unvoreingenommen in die Stillzeit zu gehen und das Positivste zu erwarten funktioniert immer wieder – viel zu oft leider nicht.

2. Du hast den beständigen Glauben an Ammenmärchen

Vielleicht ist deine erste Reaktion jetzt, loszuziehen und das Gespräch mit anderen zu suchen. Informationen zu sammeln.

Wie war das Stillen, damals bei deiner Mama, deiner Tante, deiner Großmutter oder zuletzt bei deiner Freundin.

Auch hier ist Vorsicht geboten.

Die Qualität der Antworten hängt von deren persönlichen Erfahrungen und der Aktualität des Stillwissens ab.

In den meisten Fällen verbreiten sich auf diesem Wege Ammenmärchen, wie ein unaufhaltbares Lauffeuer.

Du hörst von Stillabständen, Seitenwechseln, dass du selbst viele Liter oder spezielle Flüssigkeiten trinken musst. Es wird behauptet, du dürftest vieles nicht essen, wunde Brustwarzen wären normal zu Beginn oder dass du mit diesen Brustwarzen sowieso nicht stillen könntest.

Alles quatsch?

Jaein.

Das Hauptproblem an Ammenmärchen ist, dass sie große Macht besitzen.
Wenn du sie einhältst, werden sie wahr werden. Denn oft bedingen sie sich gegenseitig auf eine Art und Weise, dass du keine Chance mehr haben wirst den Stillbeginn mit deinem Baby normal zu erleben.

Wenn du zum Beispiel glaubst, dass deine Brustwarzen nicht zum Stillen geeignet wäre. Darüber hinaus einen Mahlzeitenabstand von 4 Stunden einhältst und dazwischen Fläschchen oder Schnuller zum Einsatz kommen,… dann kann es gut sein, dass dein Baby sich schwierig tun wird, mit dem Wechsel zwischen den verschiedenen Saugarten – deine Milchproduktion zu selten stimuliert wird und nicht in Gang kommt und du das Stillen vielleicht nach viel Kraftanstrengung frustriert aufgibst.

Doch was bleibt in deinem Kopf?

„Meine Brustwarzen sind ungeeignet für das Stillen“.

Mit Ammenmärchen und Hörensagen wirst du viel Glück brauchen, um dein Baby erfolgreich stillen zu können.

3. Du hast ein schlechtes Besuchsmanagement

Wenn es an ein solch großes Ereignis, wie die Geburt geht, dann liebe ich den Vergleich zu einer Hochzeit.

Nach einer Hochzeit ist es recht selbstverständlich – und gesellschaftlich voll akzeptiert, dass das Paar sich in die Flitterwochen verabschiedet. Und für eine Weile seine Ruhe hat.

Eure Geburt wird ein einschneidendes Erlebnis sein.

Das Babyflittern kann euch allen helfen, die neue Familienkonstellation erst einmal zu realisieren.

Denn anders als bei der Hochzeit heutzutage, müsst ihr euch ja wirklich erst einmal kennenlernen.

Ist Besuch also generell und immer nur schlecht?

Nein – absolut nicht. Da hinkt dann wohl auch der Vergleich zu den Flitterwochen.

Es gibt 2 Arten von Besuch.

  1. Besuch, der sich selbst wichtig nimmt, dem es darum geht das Baby zu begrüßen und zu halten, wohlgemeinte Ratschläge zu geben, Gast zu sein und wenn er genug hat wieder zu gehen
  2. Besuch, der seine Freude in Hilfe ausdrückt, Essen mitbringt, euch im Haushalt etwas unterstützt, kommt wenn ihr ihn braucht und sich zurückzieht, weil er von sich aus merkt, dass ihr wieder Ruhe braucht

In der Organisation eurer Besucher ist es deshalb wichtig darauf zu achten, dass ihr genug Raum für Rückzug findet. Und bei ersterer Sorte frühzeitig kommuniziert, was geht und was nicht geht. Und dass ihr euch offenhaltet jederzeit auch kurzfristig abzusagen oder einen Besuch zu beenden.

Hey: in dieser Situation hast du gerade ein Baby geboren. Du darfst jederzeit sagen, dass dir gerade alles zu viel wird!!

4. Du bekommst unqualifizierte Ratschläge von allen Seiten

Manchmal haben Besucher und Gratulanten neben einem netten Geschenk gerne auch weiteres im Gepäck: Ratschläge.

Diese bekommst du als frischgebackene Mutter zu gern ungefragt und in einer solchen Häufigkeit, dass für dich kaum noch unterscheidbar wird, was jetzt zu tun ist. Was euch hilft. Was euch weiter bringt.

Ein Schild, an dem das alles abprallt, wäre jetzt wohl das Beste.

Gibt es in dieser Form leider nicht.

Dafür jedoch etwas anderes: zu allem worüber du dir zuvor Gedanken machen konntest und deine Entscheidung schon gefunden hast, kannst du Ratschläge viel besser einordnen.

Du siehst deinen eigenen Weg klarer und kommst auch leichter wieder darauf zurück, wenn du vor lauter Rat-Einschlägen nicht mehr recht wusstest, wo es für dich lang geht.

5. Du hängst von der unflexiblen Urlaubsgestaltung deines Partners ab

Viele werdende Eltern hängen in dieser Sache ganz maßgeblich vom guten Willen der Arbeitgeber ab. Dem Urlaub für den Zeitraum rund um die Geburt.

Natürlich ist es gut, wenn du im Wochenbett eine gute Entlastung in allem erfährst, was das „drumherum“ angeht.

Kochen, Aufräumen, Putzen oder Einkaufen sind Aufgaben die sich wunderbar delegieren lassen. Im Wochenbett gehört das jedenfalls nicht zu deinem Job.

Eine Möglichkeit für deinen Partner ist es, ab der Geburt für ein oder zwei Monate Elternzeit einzureichen. Das erleben viele Paare als große Entlastung.

Ist dies nicht möglich, könnt ihr überlegen, welche Aufgaben sich wie verteilen oder organisieren lassen, damit du Kopf davon frei hast und erst einmal sehen kannst, wie es dir mit deinem Baby geht.

6. Du triffst auf Personal mit unzureichendem Stillwissen

Wo auch immer du dein Baby zur Welt bringst. Dieses letzte muss ich dir leider recht schonungslos und offen sagen.

Viele von uns, die wir im Wochenbett arbeiten – dazu gehören Gynäkologen, Ärzte, Hebammen, Krankenschwestern, Kinderkrankenschwestern – haben: keine Ahnung vom Stillen. Zumindest viel zu wenig, um dir zu helfen.

  • Unsere „normale“ Ausbildung beinhaltet das Thema Stillen zu einem verschwindend geringen Teil.
  • Unsere Ausbilder zu diesem Thema, haben keinerlei spezielle eigene Ausbildung.
  • Das Wissen in unseren Lehrbüchern war oder ist viel zu oft veraltet.

Unsere Arbeitgeber wissen selten um die Bedeutung des Stillens. Sie planen für Weiterbildung hierzu ein recht kleines Budget ein. Wenn es sehr gut läuft, dann wird alle 5 oder 10 Jahre einmal eine Mitarbeiterin zu einer IBCLC Stillberaterin weitergebildet.

Was wir viel großzügiger bekommen sind Fortbildungen, die zu einem großen Teil von Firmen gesponsert werden.

„Stillfortbildungen gesponsert von Nahrungsmittelherstellern?“, wirst du dich jetzt vielleicht fragen. Ja was wird man da lernen? Natürlich schon das eine oder andere zum Thema „Stillen“ … aber vor allem auch, welches Produkt die entsprechende Firma für am geeignetsten hält, um in den ersten Tagen zuzufüttern.

Die Wahrscheinlichkeit, dass du mit deinen Fragen zum Stillen in den ersten Tagen an eine mit entsprechend aktuellem Stillwissen ausgestattete Fachkraft kommst liegt damit bei 1:???

Ist das immer so? Natürlich nicht. Du selbst wirst diejenige sein, die abwägen werden muss, ob die Fachkraft, die dir gerade gegenübersteht, zum Stillen wirklich mehr weiß als du selbst.

Ein Tipp: in Kliniken die mit der Plakette „Babyfreundliches Krankenhaus“ ausgestattet wurden gibt es spezielle Richtlinien für die Herangehensweise an Weiterbildung und Stillbegleitung.

Also.

Ist das alles ein Horrorszenario? Wenn es dich in aller Härte trifft, tendiere ich zu ja.

Genau hier setzen wir an, wenn wir im Stillvorbereitungskurs zusammen erarbeiten, was ihr beide – du und dein Baby – braucht, um euren Stillbeginn aktiv mitzugestalten.

Dort besprechen wir,

  • was dein Baby braucht, um gesund ernährt zu sein
  • was du tun kannst, um dich auf die Stillzeit selbst gut vorzubereiten
  • was dein Körper braucht, um ausreichend Nahrung für dein Baby zu produzieren
  • was du tun kannst, wenn dich dennoch Herausforderungen erwarten

Solche Stillvorbereitungskurse werden seit einiger Zeit immer häufiger auch vor Ort angeboten.

Lerne mehr über den Onlinekurs zur Vorbereitung auf die Stillzeit in meinem Webinar zum Thema. Melde dich gleich an und erhalten kostenfreien Zugang.

Herzliche Grüße und bis bald,
~Tabea

Bildquelle (abgerufen und bearbeitet am 09.07.2015):
„Feeding Sophie“ by David Veksier – flickr, lizensiert unter CC BY-SA 2.0

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Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

Ich helfe dir bei Stillproblemen und Fragen im Leben mit deinem Baby. Weinen, Verwöhnen, Bedürfnisse, Schlafen, Beikost und bis hin zum Abstillen. Oder auch zum Weiterstillen in einer Folgeschwangerschaft. Alles hat seinen Raum.
Im Blog findest du dazu viele Gedanken und Anregungen - individuelle Beratungen finden per Videochat & Hausbesuch statt.
Schön, dass du da bist.

Kategorie: Stillen lernen

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