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Wie das Stillen mit Stillhütchen eure Stillzeit beeinflussen kann

Wenn du selbst bereits das Stillen mit Stillhütchen praktizierst, kann es sein, dass du gerne laut rufen möchtest, dass all die Kritik gegen das Stillhütchen ja überhaupt nicht stimmt.

Lass es mich so sagen – Menschen gehen täglich über die Straße. Viele von ihnen, ohne nach links & rechts zu sehen. In vielen Fällen geht es gut – in einigen Fällen ist es tödlich. Jeder von uns hat gelernt, dass es einfach wichtig ist, achtsam im Straßenverkehr zu sein.

Ebenso lohnt sich ein achtsamer Umgang beim Stillen mit Stillhütchen.

Gerade, wenn es Gründe gibt, das Stillhütchen direkt zum Beginn der Stillbeziehung und dauerhaft einzusetzen, ist es umso wichtiger gut darauf zu achten, dass das Stillen langfristig gut funktionieren kann. Dazu musst du wissen, wie es wirkt. Dann kannst du entsprechend handeln, ehe das Stillhütchen zum ungewollten Abstillen führt.

Dieser Artikel ist Teil des Live-Book-Projekts – mehr dazu hier

stillen mit stillhütchen

 

Wusstest du, dass die meisten Frauen “Flachwarzen” haben?

Ein schreckliches Wort.

Ich habe in meinem Leben tatsächlich schon ziemlich viele Mamas beim Stillen gesehen und eine hervorstehende Mamille haben tatsächlich die wenigsten.

Reicht das Stillen?!

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Und am wichtigsten: Was DU tun kannst.

Ganz grob geschätzt vielleicht 10%?

Meistens sind das Frauen, die bereits über längere Zeit ein Kind gestillt haben. Aber selbst dann muss das nicht so sein.

Dennoch erhalten Mamas bereits in den ersten 24 Stunden nach der Geburt diese Stillhilfe verpasst?

Was läuft hier also verkehrt und welchen Einfluss hat das auf eure Stillbeziehung?

1. Das Stillhütchen als “schnelle” Stillhilfe

Das echte tägliche Leben in deutschen Kliniken ist nicht gerade “stillfreundlich”.

Üblicherweise wird das Personal in Kreißsaal und Wochenbettstation nach einem errechneten Mittel eingeplant. Das herrscht nur sehr selten vor.

Sind gerade wenige Mamas zu versorgen, werden fleissig Überstunden abgebaut, die sich durch Krankheit und Urlaubszeiten angehäuft haben – Personal bleibt zu Hause. Haben gerade viele Babys gleichzeitig die Idee auf die Welt zu kommen, steht meist die durchschnittliche Menge an Personal zur Verfügung.

Das ist bedeutungsvoll für deinen Stillbeginn, denn so bleibt – neben den Alltags- und Dokumentationsarbeiten – häufig nur wenig Zeit, um dich beim Anlegen in Ruhe anzuleiten und zu begleiten.

Hast du “Glück” so wird dir dein Baby fluchs an die Brust angelegt. Hast du besonderes Glück, so bleibt dein Baby auch erfolgreich an der Brust und saugt genüsslich seine Portionen des Kolostrums.

Häufig ist das in den ersten Tagen allerdings noch nicht so.

Dann kommt Stillhütchen zum Einsatz. Es ist das wohl am häufigsten genutzte Stillhilfsmittel in den ersten Tagen.

Segen & Fluch zu gleichen Maßen – denn na klar … was würdest du tun, wenn du hilfesuchend mit deinem Baby im Klinikbett oder im Stillzimmersessel sitzt und auf Unterstützung angewiesen bist?

Mit dem Stillen, hat dein Baby zumindest einen Reiz im Mund, der es dazu animiert daran zu saugen.

Es ist also dein Zugang zum Stillen. Doch dann geht es schon los mit den Problemen…

2. Das Stillhütchen verringert die Trinkmenge deines Babys

Auch mit dem Stillhütchen muss dein Baby kräftig saugen, damit dein Milchspendereflex in Gang gesetzt werden kann.

Es ist sogar schwerer. Dauert länger.

Warum?

Na, weil die Rezeptoren auf deiner Haut abgedeckt sind. Durch eine Silikonschicht.

Und aus einem weiteren Grund verringert das Hütchen ganz häufig die Trinkmenge.

Im Hütchen können die Milchgänge abgedrückt werden.

Das heißt, wenn dein Baby saugt, wird deine Mamillenspitze tiefer in das Hütchen hineingesaugt. Die melkende Bewegung der Zunge kommt nicht mehr so stark an – dafür eben der Unterdruck, der dafür sorgt, dass die Milch in deinem Baby landet. Sobald der Milchspendereflex ausgelöst wurde.

Problem – wenn das Hütchen zu schmal ist oder der vorgegebene Winkel nicht gut passt, können deine Milchgänge abgedrückt werden. Bei jedem Saugen. So wird verhindert, dass die Milch – die jetzt dank der Hormone eigentlich sprudeln würde – zu deinem Kind gelangt.

Meist läuft etwas Milch nach, jedes Mal, wenn dein Baby nicht saugt und der Unterdruck weniger wird.

In der langfristigen Beobachtung oft nicht ganz genug.

Das merken wir dann in der Stillberatung an einer zögerlichen Gewichtsentwicklung, die meist irgendwann “Thema” wird, wenn sich die Gewohnheit bereits breit gemacht hat.

Erst dann wird gehandelt – und häufig zum Zufüttern geraten.

3. Das Stillhütchen reduziert deine Milchmenge

Mit der reduzierten Stimulation deiner Hautsensoren und mit dem entleeren von weniger Milch – immer gerade so, dass dein Baby keinen Hunger leidet, weil es im entsprechenden Fastenmodus weilt – wird auch deine Milchbildung weniger angeregt.

Es kommt zu einer geringeren Milchproduktion.

Der derzeitige Wissensstand und die Erfahrung aus der Praxis zeigen: es ist wichtig in den ersten Tagen und wenigen Wochen nach der Geburt die Milchproduktion auf ein reichliches Maß zu pushen.

Zu jedem späteren Zeitpunkt ist das “Hochfahren” deiner Milchproduktion um ein Vielfaches schwieriger – manchmal sogar trotz aller Bemühungen nicht mehr möglich.

4. Das Stillhütchen verändert die Saugtechnik deines Babys

Etwas weiter oben habe ich es bereits erwähnt.

Es gibt verschiedene Techniken, mit denen dein Baby an deine Milch gelangen kann.

Stell dir folgendes vor.

Du nimmst einen Wasserbomben-Luftballon und füllst ihn mit Wasser. An einer Stelle bringst du einen fingerlangen Streifen Tesa-Klebeband auf. Dort stichst du ein sehr feines Löchlein mit einer ganz kleinen Nähnadel hinein.

Nun öffnest du deinen Mund weit, legst die Wasserbombe auf deine Zunge, schließt den Mund und beginnst kräftig zu saugen.

Mit aller Muskelkraft ist dein kompletter Kiefer-Wangenbereich aktiviert und du trinkst Wasser.

Du kannst das übrigens gern ausprobieren – ein sehr erleuchtendes Erlebnis.

Nun ein anderes Szenario.

Du hast eine Sportflasche mit Wasser gefüllt. Sie hat einen dieser anhebbaren Sportverschlüsse. Den öffnest du und setzt deine Lippen an.

Um daran saugend zu trinken wirst du viel mehr Muskelenergie in der Mitte deines Mundes zentrieren.

Natürlich kommst du auch so an dein durstlöschendes Wasser – aber dauerhaft werden andere Muskelbereiche unterschiedlich ausgeprägt sein.

Bei uns Erwachsenen nicht besonders schlimm. Wir wechseln ja auch die Art zu trinken ab. Üblicherweise. Bei unseren Kindern hingegen sind die Knochen noch viel weicher – und die erstarkende Muskulatur formt den Knochen.

Ausgeprägter ist dieses Saugverhalten bei schmalen Flaschensaugern. Aber auch am Stillhütchen kann sich ein solches Saugmuster einschleichen.

Daher ist es wichtig nicht nur für die Brustwarze, sondern auch für dein Baby die richtige Hütchengröße zu wählen und darauf zu achten, dass das Saugmuster mit breit aufgelegtem Mund und nach außen gestülpten Lippen dem Saugen an der Brust möglichst ähnlich ist.

Ein weiteres Problem zeigt, wie wichtig die Wahl des richtigen Hütchens ist.

5. Das Stillhütchen verursacht Verletzungen

Zu kleine Stillhütchen, sowie zu große Stillhütchen belasten die Brustwarze an Stellen, die für eine Belastung überhaupt nicht vorgesehen sind

  • Ist der Hütchen-Innenraum zu kurz, stößt deine Mamille bei jedem Saugen vorne an.
  • Ist das Hütchen zu schmal, wird deine Mamille gequetscht.
  • Ist das Hütchen zu breit, kann es sein, dass die sensitive Haut der Areola stark gezogen und belastet wird.

Auch das Aufsetzen des Hütchens will gelernt sein!

Damit dein Stillhütchen zumindest für den Zeitraum seines Einsatzes sinnvolle Dienste leisten kann. Du benötigst zum Stillen mit Stillhütchen die richtige Hütchengröße und rollst den Bereich nach dem Knick dann ein wenig auf – wie eine Hutkrempe.

So legst du das Stillhütchen über deine Mamillenspitze.

Durch die Abrollbewegung des Hütchens, wird deine Mamille etwas mehr in das Hütchen hineingesogen. Damit wird das Stillen mit Stillhütchen möglicherweise etwas schmerzärmer, weil es nicht zu dem ständigen Wechsel zwischen Sog und Loslassen kommt.

6. Das Stillhütchen ermöglicht das Stillen

Für manche Mama ist das Stillen mit Stillhütchen der einzige Weg, den sie sich vorstellen kann, das Stillen überhaupt zuzulassen.

Das kann ganz verschiedene, persönliche Auslöser in der eigenen Geschichte haben – oder auch einfach akute Auslöser haben.

Bist DU das?

Dann ist es vermutlich einfach einmal Zeit, tief durchzuatmen. Denn wenn du aktuell mit Stillhütchen stillst, kann ich mir gut vorstellen, dass dein Stillbeginn ein gar nicht ganz so einfacher war.

Gerade wegen dem, was ich in Punkt 4 geschrieben habe, kann es sein, dass das Ende für das Stillen mit Stillhütchen noch einmal mit einem Kraftaufwand einhergeht. Dennoch ist es gut, wenn dieser Punkt kommt – am Besten nicht erst dann, wenn ihr tatsächlich unter nachteiligen Auswirkungen leidet, die das Stillhütchen euch mitgebracht hat.

Wäge daher ganz in Ruhe ab und nutze den richtigen Moment, um dir nochmal Unterstützung zu holen, damit das mit dem Stillen erfolgreich klappen kann.

Mein Expertentipp?

Das Stillen lässt sich oft leichter im Halbschlaf weglassen. Eine Möglichkeit ist es das Stillen mit dem Stillhütchen zu beginnen und dann nach kurzer Zeit des Stillens kurz erneut ohne Hütchen anzulegen.

Wenn dein Stillkind schon größer ist und du es in gern im Tragetuch stillst, kann auch dort ein guter Ort sein, um das Stillhütchen wegzulassen.

Fazit: Warum Stillhütchen kein Weltuntergang sind und dennoch auch kein Schlaraffenland

Das Stillhütchen ist aktuell ein sehr häufig genutztes Stillhilfsmittel.

Es gibt verschiedene Gründe, warum die Nutzung so ausgeprägt ist – obwohl der Einsatz tatsächlich viel besser abgewägt werden sollte.

In unserer Realität, wo häufig keine Zeit da ist, um dir in Ruhe beim Stillen zu helfen, ist es allerdings total nachvollziehbar, dass es zu einer so häufigen Hütchennutzung kommt.

Die Alternative wäre viel zu oft, gänzlich auf das Stillen zu verzichten.

Nichtsdestotrotz lassen sich die Nachteile und Gefahren beim Stillen mit Stillhütchen leider nicht totschweigen. Deshalb ist es gut, wenn die Nutzungsdauer nur so lange wie nötig und so wenig wie möglich stattfindet.

Wie sind deine Erfahrungen mit dem Stillhütchen?

Ich freue mich über deinen Erlebnisbericht in den Kommentaren.

Dieser Artikel ist ein Abschnitt des Live-Book Projekts „Nie wieder Fläschchen“. Er wird während der Buchentstehung frei verfügbar sein. Weitere bereits verfügbare Buchabschnitte findest du über das Inhaltsverzeichnis.

Hinterlasse mir deine Rückmeldungen und Fragen zu den Abschnitten gerne in der Kommentarbox. So kann ich darauf eingehen und das Buch wird deine Fragen noch besser beantworten können.

Alles Liebe und bis bald,
~Tabea

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Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

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