Baby, Geburt, Schwangerschaft
Kommentare 2

Warum dein Arzt behautet, „das“ sei gefährlich

Hast du schon mal so eine Situation erlebt?

Du gehst zu deinem Arzt zur Vorsorge und als du ihm eine Entscheidung mitteilst erklärt er dir umgehend, wie gefährlich das sei.

Vielleicht wirft er dir sogar vor, dass du dein Leben aufs Spiel setzt. Oder die Gesundheit deines Babys gefährdest.

Das kann dich wahlweise sehr durcheinander bringen und verzweifelt machen. Oder auch sehr sehr wütend.

Dennoch steht dieser Vorwurf im Raum, den DU erstmal wieder loswerden musst.

Heute zeige ich dir 6 Gründe, aus welchen dein Arzt dich verantwortungslos nennt. Und: warum er das tatsächlich so meint. So kannst du herausfinden, was davon zu deiner Wahrheit passt oder noch viel besser: dich davon frei machen.

Denn eigentlich ist es ein bisschen, wie in dieser Szene in „Dirty Dancing“ in der Baby ihren Johnny darauf aufmerksam macht: „Das ist mein Tanzbereich und das ist deiner.“

Jonny wusste das natürlich. Er selbst hatte es ihr sogar zuvor beigebracht. Dennoch überschreitet er die Grenze zu ihrem Tanzbereich.

So sehr uns diese Szene schmunzeln lässt.

Im wahren Leben ist das ein wenig anders.

Die Schwangerschaft
gemeinsam erleben


Du wünscht dir einen respektvollen Austausch mit anderen Schwangeren, die genauso "weit" sind wie du?

Du möchtest nicht "Hinz & Kunz" mit deinen Schwangerschaftsfragen nerven - aber platzt, wenn du nicht bald jemanden zum reden hast?

Dann komm jetzt gleich in deine Schwangerschaftgruppe und triff Gleichgesinnte.

Wenn unsere Grenzen ständig überrumpelt werden – und anders kann man es oft wirklich nicht bezeichnen – erleben wir eine Machtlosigkeit, die einfach ungerechtfertigt ist.

Doch wenn wir anfangen zu verstehen, was unser Gegenüber bewegt, können wir anfangen unsere eigenen Grenzen besser zu schützen. Oder uns Menschen als Begleiter wählen, bei denen dieser Schutz vor Grenzüberschreitungen nicht ständig notwendig ist.

Wir können auch entscheiden, welche Wege wir lieber alleine gehen.

Eigenverantwortlich.

Weil wir uns der Konsequenzen selbst bewusst sind.

Die gibt es ja immer auf beiden Seiten. Auf den Seiten des „tun“ und des „nichts-tun“.

Welche 6 Gründe bewegen Menschen (denn es sind ja beileibe nicht nur Ärzte, sondern ebenso gut andere Fachkräfte und Laien) also dazu, dich verantwortungslos zu nennen.

1. Aus Profitinteresse

In den Medien liest man es immer wieder.

Unser Gesundheitssystem bezahlt Krankheitsdiagnosen besser, als die Gesundheitsförderung.

Klar. Denn die Kosten sind ja auch höher.

Ebenso aber auch die Gewinnspanne. Das ist sogar so interessant, dass in einer Erhebung nachgewiesen werden konnte, dass der wirtschaftliche Anreiz zu mehr Not-Operationen führt – wo es bisher einfach „sekundärer Kaiserschnitt“ genannt wurde.

Nicht nur unter der Geburt, sondern bereits in der Schwangerschaft, kann dein dich begleitender Arzt andere „Diagnosen“ abrechnen, wenn es die Möglichkeit dazu gibt.

Übergewicht, Schwangerschaftsdiabetes, Rauchen und viele andere Einflussfaktoren sind einerseits wichtig zu beachten, werden aber auch gerne als Diagnose genutzt.

Versteh mich nicht falsch. Natürlich ist es gut, wenn du dich gut überwachen lassen möchtest in deiner Schwangerschaft. Aber auch Verdachtsdiagnosen sind luktrativ, weil sie weitere Untersuchungen notwendig machen. Vielleicht auch bei einem Kollegen, an den dann gerne weiter verwiesen wird…

Leider ist da nicht jeder Arzt nur dem hippokratischen Eid, sondern auch noch ganz anderen Interessen verpflichtet.

Spinnen wir das ganze ein wenig weiter.

Zuletzt las ich in einem Austausch auf Facebook, wie eine Frau berichtet, dass sie von mehreren Seiten zuerst ermutigt wurde mit einem Team von Spezialisten für eine Geburt aus Beckenendlage diese zu versuchen.

Die Reaktion ihres Belegarztes war leider nicht besonders wohlwollend. Er las ihr ordentlich die Leviten. Ob es die 2700 EUR waren, die für eine Geburt per Kaiserschnitt mindestens von der Krankenkasse bezahlt werden, die ihn zu dieser Aussage hinreißen hatten lassen?

Wir wissen es nicht.

Vielleicht gab es ja auch einen anderen Grund.

Wie zum Beispiel….

2. Aus Gewohnheit

Das hamma immer schon so g’macht.“ ist jene Einstellung, mit der einige Menschen ganz gut durchs Leben kommen.

Gerade im klinischen Alltag lernen wir „nach Standard“ zu arbeiten.

Das hilft uns – gerade in Teams – eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten. So lange diese Standards auf aktuellem, wissenschaftlichen Stand gehalten werden ist dagegen erst einmal nichts einzuwenden.

Aber natürlich. Die Individualität geht dabei ein wenig verloren.

Oder auch mehr.

Und auch wenn dein Arzt alleine das Sagen hat in seiner Praxis, kann es sein, dass sich da im Laufe der Jahre eine gewissen Gewohnheit eingeschlichen hat.

So ist er vielleicht gewohnt, niemals bei der ersten Vorsorge einen Mutterpass auszustellen, obwohl dich das zutiefst verunsichert hat. Dir hat es vielleicht das Gefühl vermittelt, dass mit deinem Baby beim Ultraschall doch etwas nicht gestimmt hat.

Vielleicht ist er es auch nicht gewohnt, dass eine seiner Patientin seine Einschätzung in Frage stellt oder eine Vorgehensweise wählen würde, die ihm selbst nicht entspricht.

Das klingt dann schon fast danach, als gäbe es einen weiteren Grund:

3. Aus Standesdünkel

Man hat studiert. Man hat klinische Studien begleitet. Man hat eine Doktorenarbeit geschrieben.

Und dann möchte diese junge Frau, die hier um Hilfe bittet einfach mal so eben die Welt umdrehen.

Vor diesem Weiß-Kittel-Syndrom sind allerdings leider auch Nicht-Studierte nicht gefeit. Selbst wenn sie nicht einmal den weißen Kittel tragen.

Immer wieder fällt mir tatsächlich auf, dass es eine gewisse Hörigkeit gegenüber bestimmten Berufsgruppen gibt. Das widerum hebt den Menschen der einer dieser Berufsgruppen angehört in eine Stellung, die nicht notwendig ist!

Es ist niemals notwendig sich selbst für mehr-wertiger zu halten, als andere Menschen. Oder gar andere herablassend zu behandeln.

Und entsprechend diesem musst du dich niemals herablassend behandeln lassen!

4. Aus Engstirnigkeit

Man sollte meinen, dass Menschen die sich einem Studium hingeben auch fähig sind sich einen gewissen Weitblick anzueignen.

Nicht mit Garantie. Klar.

Aber manchmal scheint es, wie ein Virus, um sich zu greifen.

Das nicht-abrücken wollen vom eigenen Standpunkt.

Völlig egal, ob er widerlegt werden konnte oder nicht.

Mehr kann ich dazu gar nicht sagen.

5. Aus Unwissenheit

Frage dich selbst: „Was erwartest du von deinem Arzt.“

Neigst du dazu zu sagen: „Das muss er doch wissen.“!?

Ganz nach dem Motto „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.“?

Dann machst du es deinem Arzt besonders schwer. Und dir auch.

Denn manchmal ist die erste Reaktion einfach wirklicher Unwissenheit geschuldet.

Aber hier ist Raum für wirkliche Zusammenarbeit, wenn er nicht unter gewissen anderen Aspekten wie Hochmut oder Engstirnigkeit leidet.

Allerdings bist du dazu gefordert dir selbst die Informationen an Land zu ziehen, die du selbst zum Treffen deiner Entscheidungen brauchst. Und das kann durchaus bedeuten, dass du nicht nur „Eltern-Literatur“ sondern tatsächlich Fachliteratur rund um die Schwangerschaft wälzt.

Im Austausch mit anderen die den Weg einer selbstbestimmten Schwangerschaft wählen kannst du herausfinden, welche Quellen dich mit Wissen unterstützen können.

Werde Profi in eigener Sache. Für dich und dein Baby.

Und reiße gerne begeistert deinen Arzt mit 😀

6. Aus Angst

Die Verantwortung, die Ärzte tragen ist hoch.

Gerade in der Geburtshilfe.

Ärzte, die Geburten begleiten sind von den gleichen Schadensersatzforderungen betroffen, die die Hebammen mit ihrer Haftpflichtsituation geraden an den Rand des Ruins treiben.

Immer wieder kann man regelrecht sehen, wie es ein angstgesteuertes Verantwortungsgerangel gibt. Manchmal erst um den Geburtstermin, manchmal während der Schwangerschaft oder auch dann, wenn dein Baby auf der Welt ist.

Diese Angst kann dich mitreißen. Oder du kannst ihr stark entgegentreten.

Vielleicht ist es möglich durch ein Gespräch über die Übernahme deiner eigenen Verantwortung zu einer guten Zusammenarbeit zu kommen.

Sprich an, wenn du frühzeitig informiert sein willst, über Untersuchungsangebote im Rahmen der jeweils nächsten Vorsorgeuntersuchung, damit du dich darüber informieren kannst und eine eigene informierte Entscheidung treffen kannst oder dich noch einmal mit deinem Arzt besprechen kannst.

Denn „eigentlich“ geht es ja um eine vertrauensvolle, wertschätzende Zusammenarbeit.

Fazit zur Meinung anderer über deine Entscheidungen

Dass du selbstbewusst und selbstverantwortlich entscheidest, ist vielleicht nicht für jeden nachvollziehbar.

Die Meinung anderer kann – gerade wenn sie von im betreffenden Bereich fachlich qualifizierten Personen kommt – ganz schön durchschütteln. Vor allem, wenn damit der Vorwurf einhergeht, dass du unverantwortlich entscheidest oder handelst.

Wenn du darauf reagierst, indem du alle anderen Meinungen ablehnst, kannst du dich selbst in deiner Entscheidungsfreiheit weiter beschneiden.

Wichtig ist es, dich hier innerlich und äußerlich zu befreien.

Dabei kann ein begleitetes Coaching helfen. Oder als erster oder auch entscheidender Schritt ein Selbstcoaching-Buch beim rantasten helfen.

Speziell für die Vorbereitung auf deine Geburt kann ich dir dafür das Buch „Meisterin der Geburt“ von Jobina Schenk* empfehlen. Es begleitet dich auf diesem Prozess, bei dem du mehr und mehr zu deinem eigenen Weg finden wirst.

Kennst du andere Frauen, die sich schon häufiger gefragt haben, warum Ärzte scheinbar immer Recht haben müssen? Dann teil diesen Artikel gern über die Buttons oder indem du den Link oben kopierst.

Alles Liebe und bis bald,
~Tabea

[mc4wp_form id=“1173″]

Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

Ich helfe dir bei Stillproblemen und Fragen im Leben mit deinem Baby. Weinen, Verwöhnen, Bedürfnisse, Schlafen, Beikost und bis hin zum Abstillen. Oder auch zum Weiterstillen in einer Folgeschwangerschaft. Alles hat seinen Raum.
Im Blog findest du dazu viele Gedanken und Anregungen - individuelle Beratungen finden per Videochat & Hausbesuch statt.
Schön, dass du da bist.

2 Kommentare

  1. Ja, es ist wirklich traurig, dass Schwangeren oftmals so viel Angst gemacht wird, anstatt dass man sie in der neuen Situation bestärkt. Ich würde mir wünschen, dass endlich wieder mehr Schwangere „guter Hoffnung“ sein dürfen und sich auf ihr Baby freuen dürfen.
    Ich habe zu diesem Thema mal ein kurzes Video zu gemacht, das Frauen für die tolle Zeit der Schwangerschaft wieder Mut machen soll:
    http://www.nadine-beermann.de/schwangerschaft-geniessen/

    LG Nadine

    • Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin sagt

      Hallo Nadine,

      was für ein wunderbares Willkommens-Gruss für alle Neu-Schwangeren. Wunderbar <3

      Trotzdem, schwingt in mir ein leises Aber ... das Aber der 30% Frauen, die mit einem Kaiserschnitt konfrontiert werden und den vielen anderen, deren gute Hoffnung am Tag der Geburt auch ein jähes Erwachen forderte ... darüber wird leider wirklich oft nicht geredet ... und ich finde wir sollten da eine Kultur von mehr Transparenz leben - ohne Angstmacherei ... sondern im Dialog.

      Erst heute schrieb mir eine Frau im Austausch, welcher Schock der ungeplante Kaiserschnitt für sie war, weil sie dadurch auch dachte, jetzt könne sie nicht stillen - keiner hatte mit ihr in den gesamten 9 Monaten darüber gesprochen, was passieren würde, wenn es zu einem Kaiserschnitt kommt.

      Doch dafür braucht es Zeit. Zeit um die Möglichkeiten an und durchzusprechen. Deshalb empfehle ich am Liebsten diese Zeit in der Hebammenvorsorge zu buchen 😉 und darüber hinaus das eine oder andere gute Buch zu lesen oder mit weiteren Beratern für die Zeit nach der Geburt oder während der Schwangerschaft zu sprechen. Authentisch und offen.

      ~Tabea

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.