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“Wie oft Stillen ist denn (noch) normal?” – Infos über Clusterstillen

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Clusterstillen gehört zu den Phänomenen, die viele Babys in der Stillzeit nutzen, um über einen kurzen Zeitraum viele kleine Mahlzeiten aneinander zu hängen.

Es kann sein, dass du dabei das Gefühl, dass dein Baby ständig nur noch an dir klebt und ein bisschen stillt – einschläft – und sofort wieder stillen will, wenn du nur eine falsche Bewegung machst.

Dann hattest du vielleicht auch schon einmal den Gedanken, ob dir deine Milch für dein Baby überhaupt noch reicht.

Vielleicht hast du schon mal mit jemandem darüber gesprochen. Vielleicht hast du bereits gehört, dass dieses Stillverhalten tatsächlich so bekannt ist, dass es einen eigenen Namen hat… oder diese Tatsache ist dir völlig neu:

Es nennt sich – wie oben erwähnt – Clusterstillen.

Dieses rätselhafte Verhalten zeigen Babys phasenweise oder dauerhaft.

Unsere Elterngeneration hat dies meist ignoriert und nicht mehr darüber gewusst. Deshalb sind das genau die Phasen, in der es noch heute in vielen Fällen schnell zu dem Rat kommt doch ein Fläschchen zu geben.

Da das Fläschchen-geben anfangs der Plan der wenigsten modernen Eltern ist, zeige ich dir in diesem Artikel, was es mit dem häufigen Stillen auf sich hat und wie oft das Stillen normal ist.

#1: Wie oft Stillen Babys normalerweise?

In den Ländern der Erde gelten zum Stillen höchst unterschiedliche Normen.

Bei naturnah lebenden Völkern kommt es ohne Weiteres vor, dass ein Baby mehrere Duzend Male am Tag Stillen darf. Und möchte. Dort leben die Babys meist “auf” ihren Eltern, insbesondere der Mama, sobald sie geboren wurden.

Reicht das Stillen?!

Trag dich gleich ein für regelmäßige Infos zu Blogartikeln und Kursen.

Lerne in meinen eMails mehr über das Stillen. Wie es reicht. Wie lange es reicht. Wann es reicht.

Und am wichtigsten: Was DU tun kannst.

Dürfen europäische Kinder weitestgehend selbstbestimmt Stillen und den Rhythmus vorgeben, begnügen sich die allermeisten von ihnen mit 8-12 Mahlzeiten in 24 Stunden. In Zeiten von Entwicklungs- und Wachstumsschüben stillen auch sie meist deutlich häufiger.

Manche Babys Stillen auch hierzulande generell im Verlauf ihrer gesamten Stillzeit von Haus aus häufiger. Fast so wie die naturnah lebenden Babys eben.

Beim Stillen nach Bedarf wird beobachtet, dass die Babys meist ein oder auch zwei Phasen am Tag haben, zu denen sie die Stillmahlzeiten eng aneinanderreihen. Dabei lassen sie kaum eine ruhige Minute – über Stunden hinweg.

Das nennt man Clusterstillen.

#2: Was ist Clusterstillen denn genau?

Ein Cluster ist eine Ansammlung gleicher oder ähnlicher Objekte. In diesem Fall eben die Stillmahlzeiten.

Letztlich bedeutet das nichts anderes, als das über 2, 3, 4 oder mehr Stunden hinweg abwechselnd von links nach rechts und umgekehrt gestillt wird. Gelegentlich wird es in dem Cluster auch ein paar Minütchen Pause im Dämmerschlaf geben, ehe sich dein Baby entscheidet noch ein weiteres Mal stillen zu wollen.

#3: Warum Babys nicht regelmäßig über den Tag verteilt Stillen

Der genaue Grund für das Clusterstillen ist bisher unbekannt.

Zum einen gibt es die Annahme, dass in deinem Baby tiefe Routinen direkt in seinen Genen liegen, die zu diesem Verhalten aufrufen. Ein Automatismus quasi.

In einem Zeitalter, in dem der Mensch unbefestigt, in der Natur oder auf Wanderschaft gelebt hat, scheint die Ruhezeit – am Abend insbesondere – eine gute Gelegenheit gewesen zu sein, um den Stillhunger besonders ausgiebig zu stillen. Dann war es gemütlich, gemeinsam beim Lagerfeuer zu stillen – keine komplizierte Stillsituation, wie es sie tagsüber unterwegs häufiger gegeben haben muss.

Darüber hinaus steigt in den späteren Abendsstunden hin zur Nacht die Ausschüttung des für die Milchproduktion so wichtigen Hormons Prolaktin an. Aber eben nur, wenn aktiv gestillt wird.

Ein weiterer sinnvoller Grund, das reichliche Stillen am Abend zu praktizieren.

#4: Warum ein Baby Stillen möchte, obwohl es vor 10 Minuten erst fertig war

Auch völlig ohne diverse Hintergrundfaktoren, ist es einfach sehr sinnvoll, die Zusammensetzung der Milch dem aktuellen Hunger anzupassen.

In den für dich kurzen 10 Minuten, verändern sich die Sättigungshormone im Körper deines Kindes. Ein weiteres Mal scheint es den Anstoß zu bekommen, noch einmal nachzufassen.

Du kannst dir das vorstellen, als wärst du auf einer Hochzeit mit Buffet eingeladen. Zu Beginn nimmst du vielleicht hungrig & reichlich. Dann lässt du es erst einmal setzen, ehe du dir wieder den Teller füllst.

Langsam wird es vielleicht schon schwerer etwas zu finden, was dir schmeckt – aber köstlich ist doch alles was angeboten wurde. Außerdem weißt du, dass das Buffet irgendwann abgeräumt wird … immer wieder wirst du deine Unterhaltung also kurz unterbrechen, um noch einmal aufzutun.

Letztlich werden dann die Käsespezialitäten gereicht. Sie sind noch einmal reichhaltig und köstlich. Meist bleibt vom Käsebuffet die größte Menge übrig, denn jetzt sind alle satt.

Auch beim langwierigen Clusterstillen erhöht sich der Fettgehalt deiner Milch immer weiter und dein Baby sorgt für eine längere Schlafphase vor. Eine, die für dich auch sehr lohnenswert zu nuten ist.

Selbst wenn sie nur 2 Stunden andauert.

#5: Musst du dieses Stillverhalten hinnehmen?

Ganz ehrlich?

Nein.

Hier in dieser industriealisierten Welt hast du viele Möglichkeiten, dein Baby zu versorgen, ohne dich dem Clusterstillen auszusetzen.

Du kannst – wie es viele Familien tun – ein Fläschchen am Abend geben.

Klingt einfach oder?

Ja. Ob deine Abende dann ruhiger verlaufen, kann dir aber niemand voraussagen. Denn es gibt viele weitere Auslöser, die dein Baby zum Weinen bringen können. Auch dann können andere Aspekte des Stillens deinem Baby helfen, die Abendunruhe zu überwinden.

Zudem kann es sein, dass sich dein Baby in diesem Prozess, zu der häufig leicht-läufigeren Flasche hin, vom Stillen verabschiedet.

In jedem Fall wird dein Baby nicht mehr vom ausschließlichen Stillen und seiner gesundheitlichen Bedeutung profitieren können. Was in Nordeuropa meist nicht so tragisch ist, denn wir haben eine gute Gesundheitsversorgung und die meisten Nachteile von Ersatznahrungen können ausgeglichen werden. Dennoch kommt es auch hierzulande zu deutlich heftigeren und langwierigeren Infektionen bei Kindern, die von der Muttermilchersatznahrung abhängig sind.

#6: Gibt es Möglichkeiten deinem Baby dieses Stillverhalten abzugewöhnen?

Ja.

Auch ohne Ersatznahrungen kannst du versuchen, deinem Baby dieses Stillverhalten abzugewöhnen.

Dazu sind 2 Tipps im Umlauf, die ich nicht empfehlen kann – dennoch nennen werde. Danach erkläre ich, welche Nachteile sie mit sich bringen. Über die Vorteile die in den Methoden gesehen werden, kannst du viele andere Meinungen recherchieren.

  1. Du nutzt den Schnuller, um die nächste Stillmahlzeit hinauszuzögern
  2. Du nutzt Tee oder Wasser, um die nächste Stillmahlzeit hinauszuzögern

Beide Methoden haben eines gemeinsam.

Sie führen das Sättigungsgefühl deines Babys in die Irre.

  1. ….durch das Sättigungsgefühl, welches beim Saugen entstehen kann.
  2. ….durch das Sättigungsgefühl, welches ein gefüllter Magen ja auslösen soll. Hinzu kommt, dass Wasser eine völlig andere Elektrolytverteilung hat, als deine Muttermilch.

Und jetzt überleg mal – wann benutzen wir Erwachsenen diese beiden Methoden?

Na. Als junge Frau, egal welcher Gewichtsklasse, wirst du bestimmt einer der beiden Methoden – oder sogar beiden – mal begegnet sein.

Wir benutzen sie selbst, um schlanker zu werden.

Um Gewicht zu verlieren.

Soll dein Baby abnehmen?

Nein keinesfalls!

Niemals wieder soll und darf dein Baby – prozentual – so viel zunehmen, wie in seinem ersten Lebensjahr.

Wenn du das anzweifelst, ist es besonders wichtig, dass du dir Unterstützung holst. Denn für dein Baby müssen andere Gewichtsentwicklungen gelten, als du sie vielleicht für dich anwendest.

Also zurück zur Frage – ja es geht und es birgt das Risiko, dass irgendwann deine Milch nicht mehr reicht. Dann kommst du um ein dauerhaftes Zufüttern von Ersatznahrungen nicht mehr herum.

Deshalb sorge dafür, dass du wenn du zb. für dein Baby den Schnuller nutzen möchtest, dies auf eine (einigermaßen) sichere Art und Weise geschieht.

#7: Was du tun kannst, wenn das Baby 12 Stunden am Tag ausschließlich Clusterstillen macht

Nun verstehst du vermutlich klarer, dass Clusterstillen erstmal total normales Babyverhalten ist. Es gehört zu einem breiten Repertoire an Verhaltensweisen, die uns in unserer westlichen Welt fremd geworden sind. An die wir uns aber wieder gewöhnen können.

Wenn du magst – auch du 🙂

Inzwischen kannst du deine eigene Sorge vermutlich schon klarer lokalisieren.

Eine “Ausnahme” beim Clusterstillen möchte ich dir nicht vorenthalten.

Dazu gibt es zwar keine offizielle Richtlinie, doch da es mir in der Beratung immer wieder auffällt, teile ich es hier mit dir.

Wenn du merkst, dass dein Baby den Großteil des Tages Clustern will, lohnt es sich einfach einmal einen Blick auf euer Stillen und die Gewichtsentwicklung deines Babys zu werfen. Sollte sich da eine ungute Richtung entwickeln, halte ich es für viel viel sinnvoller das frühzeitig zu bemerken und nützliche Maßnahmen zu gleich zu integrieren, als viel zu spät darauf aufmerksam zu werden.

Der erste Schritt der dazu gehört ist, eine Gewichtsentwicklungskurve anzulegen und detailliert zu besprechen. Idealerweise mit einer Stillberaterin, die dann auch Maßnahmen an der Hand hat, die euch und eure Stillzeit schützen können.

#8: Wie du genügend Schlaf finden kannst, wenn das Clusterstillen in der Nacht stattfindet

Ein wichtiges Thema möchte ich in diesem Kontext auch noch ansprechen.

Es ist total wichtig, dass du genug Schlaf finden kannst!

Auf Dauer zu wenig Schlaf zu haben, wird dich an den Rand deiner körperlichen und psychischen Leistungsfähigkeit bringen. Dann kann es dir ganz schnell auch das Stillen verleiden.

Allerdings wird es immer wieder Tage geben, an denen du einfach nur noch müde bist.

Dann ist das erste Gebot: Sei dir deines Schlafmangels bewusst!

Versuchst du dich künstlich wachzuhalten, indem du zum Stillen auf das Sofa gehst oder dich dort mit deinem Baby häuslich einrichtest, ist eure Schlafsituation leider gar nicht so sicher.

Besser ist es – so zeigen die aktuellen Zusammenfassungen vieler Daten verschiedener Studien – wenn die Sicherheitsrichtlinien für das gemeinsame Schlafen eingehalten werden. So wird das Stillen – als einer der wichtigsten Einflussfaktoren für die Sicherheit deines Babys zur Schlafenzeit – besser funktionieren.

Für dich selbst kann es helfen, wenn du das Stillen in einer halbaufrechten Position praktizierst. Gestützt durch ein stabiles Stillkissen, welches sich deiner Form anpasst. Bettdecken dürfen nur so genutzt werden, dass sie auch im Falle des Einschlafens das Gesicht deines Babys nicht versehentlich bedecken können. Das kannst du bewirken, indem du dir deine Decke weiter unten um deinen Körper schlingst und feststeckst.

Wenn du unter dem Auskühlen der Schultern leidest, kannst du mit einem Jäckchen oder einem Schal für genügend Wärme in deinem müden Körper sorgen.

Wie gesagt – gerade wenn du unter Schlafmangel leidest ist es weiterhin immer noch besonders wichtig, dass ihr eine sichere Schlafumgebung für euer Baby schafft!

#9: Bekommt dein Baby durch das kurze Stillen beim Clustern nur Vordermilch?

Die Zusammensetzung der Milch verändert sich tatsächlich. Allerdings nicht bei Minute “10” oder “20”, sondern allmählich während des Stillens.

Das hängt damit zusammen, dass die Milch, die sich nach der Stillmahlzeit in deine Milchbläschchen füllt tendenziell etwas fettärmer ist. Dieses “Auffüllen” der Milchbläschchen findet bei häufig und kurz hintereinander stattfindenden Stillsessions aber nicht in diesem vollen Ausmaß statt.

Du kannst also getrost und sicher sein, dass dein Baby auch und besonders fettreiche Muttermilch abbekommen wird.

#10: Warum dir vorher niemand gesagt hat, dass dein Baby so häufig stillen wird?

Noch immer gibt es viele Menschen, denen gar nicht bewusst ist, dass Babys von sich aus gerne so häufig stillen. Sie wissen auch gar nicht, dass dieses Stillverhalten einen positiven Einfluss darauf hat, dass das Stillen klappt.

Daher kann es auch sein, dass du Kommentare und Nachfragen erhältst, wenn dein Baby bereits da ist.

Dann wird manchmal gefragt, ob es denn sein kann, dass das Baby “schon wieder” Hunger hat. Oder ob du nicht einmal ein Fläschchen geben wollen würdest, damit dein Baby “endlich mal satt” würde.

Das sind Reaktionen, die daraus resultieren, dass die betroffene Person es tatsächlich nicht besser weiß. Dennoch kann dich das tief verunsichern.

Muss es aber nicht!

Babys die häufig und nachdrücklich das Stillen einfordern sind meist auch kräftig genug, um genug Milch bei dir produzieren zu lassen. Sollte es einen Grund geben, dass dir nachdrücklich, vielleicht sogar von Fachpersonal, zum Fläschchen geraten wird, ist das ein Grund einmal genauer hinzusehen und zu ermitteln, ob die Gewichtsentwicklung Anlass zur Sorge gibt, dass dein Baby tatsächlich nicht genug Milch bekommt.

Fazit: Wie du auf deine Kräfte achten kannst – trotz Clusterstillen

Das Leben mit Baby und ohne Clan war für uns natürlicherweise nicht wirklich vorgesehen.

Heute können wir uns unseren Clan meist nur künstlich erschaffen, indem wir die Eigenschaften, die der Clan hatte, in unserem Alltag abbilden. Sei es durch Dienstleister oder Berater, durch Freunde oder ein Kontaktnetzwerk das wir online gründen und welches dann auch wieder zurückstrahlen kann in die Offline-Welt.

Selbst auf deine Grundbedürfnisse und Kräftelevel zu achten ist wichtig. Und diese Kräftelevel können sehr individuell schnell aufgezehrt werden.

Schlaf & Essen gehören zu den wichtigsten Energiegebern.

Diese beiden versuche stets ausgeglichen zu halten, so dass du über Dürrephasen hinweg kommen kannst. Richte dich so ein, dass du gut versorgt auf dich achtest.

Hast du das schon längst getan?

Dann teile deine Tipps hier gerne mit uns allen! Schreibe gerne in den Kommentaren, wie du dafür sorgst selbst genügend Energiereserven zu erhalten. Oder wie du sie wieder auffüllst, wenn sie mal über Maße beansprucht wurden.

Alles Liebe und bis bald,
~Tabea

 

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Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

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