Geburt, Schwangerschaft, Stillen lernen
Schreibe einen Kommentar

Wozu eine Hebamme? 11 Situationen, in denen dir (d)eine persönliche Hebamme helfen kann

Wozu eine Hebamme

Zumindest noch.

Noch kann sie dir helfen. Vielleicht. Wenn du sie bald anrufst.

Denn: Zu oft sind die wenigen ihrer Art lange ausgebucht. Auf Monate!

Allerdings ist das in den ersten Wochen der Schwangerschaft – vor allem der ersten Schwangerschaft – vermutlich noch überhaupt nicht auf deinem „Schirm“.

Denn du hast jetzt gerade erst den positiven Schwangerschaftstest in den Händen gehalten. Oder auch zwei – oder drei.

Du bist aufgeregt – verwirrt. Himmelhochjauchzend – kotztütenübelbetrübt. Oder noch völlig gefangen in dieser Unwirklichkeit.

Eine Hebamme? Wozu?

Die brauchst du doch erst in 9 Monaten – denkst du.

Viel eher denkst du da an einen Arzt. Um eine Bestätigung zu bekommen, dass du wirklich schwanger bist – und die feine rosa Linie nicht nur ein Verdunstungsstreifen war. Nur er kann es dir bestätigen. Glaubst du.

Doch seine Termine sind auf die nächsten Wochen ausgebucht – erst dann ist ein Moment seiner wertvollen Praxiszeit frei für dich. Ob er sich mehr Zeit nehmen wird, als bei den schnellen Vorsorgeuntersuchungen? Das hoffst du sehr.

Deshalb halte einen Moment inne … und lies, was eine Hebamme für dich tun kann, wenn du es möchtest. Bereits jetzt.

1. Beratung in deiner Schwangerschaft

Völlig egal, ob du das Angebot einmal in Anspruch nimmst oder mehrfach – du kannst eine Hebamme grundsätzlich um ein Beratungstermin bitten.

Überhaupt ist dieser Beratungsanteil für dich vielleicht viel wichtiger, als du jetzt schon erahnst.

2. Begleitung in deiner Schwangerschaft

Der Großteil der Vorsorgeuntersuchungen bei Schwangeren wird heutzutage von Ärzten übernommen. Eigentlich verwunderlich: ist eine Schwangerschaft doch ein in höchstem Maße gesunder und natürlicher Prozess!

Wenn du dich dafür entscheidest die Vorsorgeuntersuchung bei deiner Hebamme geschehen zu lassen, kann sie alle in den Mutterschafts-Richtlinien vorgesehenen Untersuchungen durchführen.

Dazu gehört die Ermittlung deines Gewichtsverlaufes, des Blutdruckes, die Untersuchung von Urin, die Kontrolle des Wachstums deiner Gebärmutter und später auch die Lage deines Babys. Sie hört, gemeinsam mit dir, nach den Herztönen deines Babys und berät dich.

Ultraschalluntersuchungen werden in der Schwangerschaft 3x durch die Krankenkasse bezahlt. Diese können nur von einem Arzt durchgeführt werden – sind in den Mutterschafts-Richtlinien jedoch nicht vorgeschrieben.

In Zusammenarbeit mit einem Labor kann deine Hebamme – sofern diese besteht – auch weitere Laboruntersuchungen, die notwendig würden, veranlassen.

Eine Vorsorge bei deiner Hebamme verläuft ganz anders als in einer gynäkologischen Praxis (so nett dein Frauenarzt / deine Frauenärztin auch ist)!

Stell dir vor, dich treiben deine Gedanken und einige Sorgen um. Du hast schon eine ganze Weile im Wartezimmer deines Frauenarztes gewartet. Dazwischen haben die Helferinnen dein Gewicht, deinen Blutdruck und deinen Urin untersucht… noch ein kurzes Gespräch – ein konzentrierter Ultraschall, während dem du selbst vor lauter „gebannt-auf-dem-Bildschirm-nach-dem-pochenden-Herzlein-suchend“ deine doch so wichtigen Fragen vergisst.

Deine Hebamme erwartet zum Termin mit dir nur: dich!

Viele Hebammen nehmen sich für deine Beratung eine komplette Stunde Zeit und halten sich diese auch so frei.

3. Hilfe bei Beschwerden in deiner Schwangerschaft

Kommt es doch zu unerwarteten Beschwerden in deiner Schwangerschaft, hilft dir deine Hebamme zuerst einmal – wo immer es geht – eine sanfte Möglichkeit zu finden, damit es dir besser geht.

Dabei schöpfen viele Hebammen aus den Vollen: Phytotherapie aus Pflanzen, Homöopathie, Akkupunktur, Aromatherapie.

Oder sie kann dir Tipps geben, wer sonst noch helfen kann. Ein Physiotherapeut? Ein Osteopath?

  • Viel leichter kommst du so auf die sanften Wege, die deinem Körper helfen bei Beschwerden in der Schwangerschaft schnell wieder zurecht zukommen.
  • Viel konkreter kannst du deinem Arzt dann sagen, wo es hakt, wenn du – mit der Bitte um Untersuchung und ein notwendiges Rezept – zu ihm kommst.
  • Viel effektiver kann dir dein Arzt jetzt helfen – denn du kannst ihm ja bereits sagen, was du schon alles versucht hast, um die Beschwerden zu lindern.

Mit deiner Hebamme an der Seite sind Beschwerden viel leichter zu bewältigen.

4. Vorbereitung auf die Geburt im Einzelgespräch

Eher selten üblich und recht unbekannt, aber dennoch möglich:

Wenn es in deiner Schwangerschaft notwendig geworden ist, dass du hauptsächlich liegst, kann die Vorbereitung auf die Geburt auch bei dir zu Hause stattfinden.

Dazu brauchst du eine schriftliche Anordnung deines Gynäkologen. Bei ihm bist du in einer solchen Situation meist in einer überwachteren Behandlung. Vielleicht hattest du Vorwehen oder ähnliches.

Wenn du „Bettruhe“ einhalten sollst, um dich – und viel mehr deinen Babybauch – zu schonen, kann deine Hebamme mit dieser Verordnung mit dir 1:1 eine Vorbereitung auf die Geburt durchführen.

In einer solchen Situation ist es übrigens oft auch möglich, dass die Vorsorge als Hausbesuch stattfindet! Besprich das dann mit deiner Hebamme.

5. Vorbereitung auf die Geburt gemeinsam mit einer Gruppe

Viel bekannter hingegen ist der Geburtsvorbereitungskurs.

Hier bekommst du einen breiten Überblick, über die Situation der Geburt an sich.

Aber auch Wochenbett, Säuglingspflege und Stillen können thematisch angeschnitten werden.

Wie tief ihr in die einzelnen Bereiche eintaucht, ist dabei deiner Hebamme überlassen.

Die meisten Geburtsvorbereitungskurse finden über mehrere Wochen hinweg in kleinen Zeiteinheiten am Abend statt. Gerne wird darüber hinaus ein sogenannter Paarabend veranstaltet, bei dem auch die werdenden Väter willkommen sind.

Schön ist auch, dass man hier über Wochen die Möglichkeit hat Kontakte zu anderen werdenden Mamis zu knüpfen, die häufig noch über Jahre hinweg aufrecht erhalten werden.

Ist es für dich terminlich eher schwierig einen regelmäßigen Kurs wahrzunehmen?

Oder suchst du nach einer Alternative?

Dann kann ein Geburtsvorbereitungskurs am Wochenende eine prima Gelegenheit für dich sein. Der Schwerpunkt ist hier mehr inhaltlich. Gerne werden diese Kurse als Paarkurs angeboten. Hier steht weniger der Kontaktaufbau im Mittelpunkt, als viel mehr die Inhalte und die Teilnahme als Paar werdender Eltern.

6. Hilfe und Begleitung, wenn du Wehen bekommst

Hast du dich für die Durchführung deiner Vorsorgeuntersuchungen bei einer Hebamme entschieden, kannst du mit ihr besprechen, ob sie dich beim Geburtsbeginn ebenfalls unterstützen kann.

Manchen werdenden Mamis ist es sehr angenehm die erste Zeit der Geburt zu Hause zu verbringen.

Deine Hebamme kann dir sagen, zu welchen Konditionen dies möglich ist und ob zum Beispiel noch eine Rufbereitschaftspauschale auf dich zukommt.

7. Begleitung unter der Geburt zu Hause, in einem Geburtshaus oder in der Klinik

Irgendwann geht deine Geburt dann los.

Es gibt verschiedene Orte an denen du dein Kind mit einer Hebamme zur Welt zu bringen.

  • zu Hause
  • in einer Hebammenpraxis mit deiner Hebamme
  • im Geburtshaus mit einer Hebamme deines Geburtsteams
  • mit deiner Beleghebamme in einer Klinik
  • im Hebammen-Kreißsaal in einer Klinik im Schichtsystem
  • im Kreißsaal in einer Klinik mit Beleghebammen im Schichtsystem
  • im Kreißsaal in einer Klinik mit angestellten Hebammen im Schichtsystem
  • im OP einer Klinik per Kaiserschnitt

Dazu gibt es bestimmt noch weitere Variationen – aber diese einmal, um exemplarisch zu zeigen, wie bunt die verschiedenen Konstellationen sein können.

Das besondere in Deutschland:

Außer wenn deine Geburt überstürzt und unerwartet kommt, so dass keine Hebamme vor Ort sein kann, gilt immer die Pflicht für die sonstigen Begleiter: Sie müssen zu deiner Geburt eine Hebamme hinzuziehen.

Anders herum darf eine Hebamme dich bei der natürlichen Geburt begleiten, ohne dass sie einen Arzt hinzuziehen müsste. Das gilt für deine Geburt, wenn sie ohne medizinische Eingriffe oder verschreibungspflichtige Medikamente von statten geht.

Sie ist deine Ansprechpartnerin und hilft dir bei der Entscheidung, wenn du weitere Hilfe brauchst, die über ihre Kompetenz hinaus geht.

Dieses System funktioniert aber nur, so lange es freie Hebammen gibt, die uns begleiten können. Im Rahmen einer Anstellung kann es zu internen Weisungen und Ablaufrichtlinien kommen, die diese unabhängige Begleitung unterwandern.

8. Hausbesuche während deines Wochenbetts

Dass das Wochenbett diesen Namen trägt ist völlig zurecht so.

Es braucht nach der Anstrengung von Schwangerschaft und Geburt eine Weile bis du wieder alltagstauglich bist. Die Phase der Regeneration ist recht unterschiedlich.

Ein weiterer Aspekt ist in dieser Zeit auch wichtig: es ist die Phase in der auch dein Baby in dieser Welt ankommt und eure Teamqualitäten ihr Fundament legen. Da drehen sich alle Uhren etwas anders.

Die Betreuung durch deine Hebamme zu gewährleistet, dass die natürlichen Vorgänge deines Körpers normal verlaufen. Sie kann dir Hilfestellung geben, wenn das mal nicht der Fall ist.

Das Leben mit Baby wirft natürlich auch erst einmal alles über den Haufen und muss unter Umständen auch erst gelernt werden. Von deiner Hebamme erfährst du, was alles normal ist und was du tun kannst, um dein Baby zu versorgen, zu pflegen, zu verstehen und zu trösten.

Die Besonderheit der Hausbesuche ist dabei ganz wichtig, weil ihr so euren normalen Tagesablauf beibehalten könnt und keine unnötige Unruhe in diese Zeit kommt.

Aktuell empfehlen Hebammen, dass du dich schon in den ersten 3 Monaten der Schwangerschaft darum kümmerst, um eine Hebamme für dein Wochenbett zu sichern.

9. Anleitung zu Übungen, die nach der Geburt deine Rückbildung fördern

Einen Rückbildungskurs kannst du bei verschiedenen Anbietern wahrnehmen. Üblicherweise wird er dir von deiner Hebamme angeboten.

Nur bei ihr wird er auch zuverlässig von deiner Krankenkasse bezahlt. Leitet den Kurs eine Physiotherapeutin ist es wichtig, dass du dich vorher rückversicherst, dass deine Kasse die Kosten dennoch trägt – am besten schriftlich.

In der sogenannten Rückbildungsgymnastik übst du Bewegungsabläufe, mit denen du deinen Rumpf schonst und Übungen um den gleichen zu stärken.

Es geht nicht darum möglichst schnell wieder in Form zu kommen, sondern darum, dass die inneren Muskelschichten die gedehnt und belastet waren zu guter Stärke und Position zurückkommen. Erst wenn dies der Fall ist dürfen andere sportlich ausgerichtete Übungen wieder mehr Raum einnehmen.

10. Beratung, wenn du Probleme mit dem Stillen hast, auch nach dem Wochenbett

Während den 8 Wochen nach deiner Geburt, fallen alle Stillprobleme erst einmal unter die Versorgung durch deine Hebamme. Sie ist deine erste Ansprechparterin.

Aber auch danach ist sie deine Anlaufstelle, wenn es zu Problemen beim Stillen kommt. Sie kann dich dabei telefonisch oder persönlich beraten, wenn du sie um einen Termin bittest.

Ebenso kann sie dich weiter verweisen, denn sie hat in ihrem regionalen Netzwerk sicherlich Kontakte zu einer Kollegin, die sich speziell zum Stillen tiefergehend weitergebildet hat.

Kann sie dir nicht schnell genug – oder speziell beim aufgekommenen Problem nicht weiterhelfen, kannst du dich an eine Stillberaterin wenden. Dies ist leider üblicherweise nicht im Leistungskatalog deiner Krankenkasse enthalten. Manchmal werden die Kosten auf Antrag dennoch getragen.

11. Begleitung bei einer Fehlgeburt

Zu den wohl traurigsten Erlebnissen von werdenden Eltern gehört der Verlust ihres sehnlichst erwarteten Kindes.

Gerade in dieser Situation würdest du vor allem zweierlei brauchen: Zeit und Einfühlungsvermögen durch eine vertraute Person.

Beides kann dir (d)eine Hebamme geben.

Sie kann dich begleiten – völlig egal, ob dein Körper beim Abschied durch Medikamente unterstütz wird oder ob alles seinen dann von der Natur vorgesehenen Gang geht.

Deine Hebamme hilft dir einzuschätzen, ob du im weiteren Verlauf mehr ärztliche Hilfe benötigst. Sie hilft dir, deinem Körper und auch deiner Seele, diese letzten Schritte an der Seite deines Ungeborenen zu gehen.

Die Vorgänge einer sogenannten „kleinen Geburt“ sind in unserer Gesellschaft aktuell weitgehend unbekannt, weil sie häufig frühzeitig in einem medizinischen Prozess enden. Deine Hebamme kann dir helfen diesen Weg in eurem Tempo zu gehen und zu begreifen.

Fazit.

Obwohl diese Hebammenleistungen schon lange zur Verfügung stehen, sind längst nicht allen diese Leistungen bekannt.

Darüber hinaus gibt es durchaus weitere Leistungen – am wohl bekanntesten ist die Akkupunktur in der Schwangerschaft – die du auf private Kosten in Anspruch nehmen kannst.

Die oben genannten Hauptpunkte sind alles Leistungen, die deine Krankenkassen auch bezahlt. Du hast Anspruch auf diese Leistungen. Doch HALT. Du hast nur Anspruch darauf, dass deine Krankenkasse sie bezahlt und du nicht privat auf dieser Rechnung sitzen bleibst.

Einen Anspruch darauf eine Hebamme zu finden, hast du jedoch nicht.

Dieser Punkt stürzt uns in das aktuelle Dilemma.

Immer mehr Hebammen geben Ihren Beruf auf, weil sie die Lücke zwischen wenig steigenden Einkünften durch die Leistungen die sie erbringen und stark steigenden Kosten für zum Beispiel ihre vorgeschriebene Haftpflichtversicherung, nicht mehr tragen können. Eine Einigung auf politischer, gesellschaftlicher oder Versicherungs-Ebene ist – aktuell Mitte 2015 – nicht in Sicht.

Alternative Lösungen werden zwar auch von manchen Hebammen angedacht, sind bisher aber noch lange nicht der Weisheit letzter Schluss.

Damit du die wertvolle Arbeit deiner Hebamme selbst erleben kannst, kümmere dich schon recht bald um eine gute Betreuung. So kannst du ihre Begleitung schon in der Schwangerschaft in Anspruch nehmen und du kennst sie bereits gut, wenn dein Baby schlussendlich landet.

Wusstest du, was Hebammen alles für uns tun? Teil den Artikel mit deinen Freundinnen, damit sie in ihrer ersten Schwangerschaft schon Bescheid wissen und gleich eine Hebamme finden.

Alles Liebe und bis bald,
~Tabea

 

[mc4wp_form]

Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

Ich helfe dir bei Stillproblemen und Fragen im Leben mit deinem Baby. Weinen, Verwöhnen, Bedürfnisse, Schlafen, Beikost und bis hin zum Abstillen. Oder auch zum Weiterstillen in einer Folgeschwangerschaft. Alles hat seinen Raum.
Im Blog findest du dazu viele Gedanken und Anregungen - individuelle Beratungen finden per Videochat & Hausbesuch statt.
Schön, dass du da bist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.