Stillzeit
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Dein Baby beisst beim Stillen? Das kannst du tun.

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Monatelang ging alles gut und plötzlich das – dein Baby beisst dich beim Stillen in die Brustwarze. Nicht nur das – es grinst dich danach sogar noch an.

„Unerhört!“, denkst du.

Vielleicht hast du beim 1. Mal vor Schreck aufgeschrien.

Wahlweise findet das dein Baby richtig ängstigend oder erst recht witzig.

Es kann sogar den Eindruck machen, dass dein Baby nun testet, ob du nochmal so aufquietscht.

STOPP!

Nimm dir einen Moment Zeit und lies meinen Text.

Zuerst einmal sei gesagt – wenn dein Baby beim Stillen beisst ist das weder ein Grund

  1. mit dem Stillen aufzuhören, noch
  2. es auszuhalten.

Beissen kann unglaublich schmerzhaft sein und massive Verletzungen hinterlassen – deshalb ist es jetzt total wichtig umgehend einen passenden Umgang damit zu finden.

#1 – Du hast eine Verletzung durchs beissen abbekommen.

Da Verletzungen (auch micro-kleine) an der Brustwarze eine Eintrittspforte für Keime sind, kann das zu einer Brustentzündung führen.

Reicht das Stillen?!

Trag dich gleich ein für regelmäßige Infos zu Blogartikeln und Kursen.

Lerne in meinen eMails mehr über das Stillen. Wie es reicht. Wie lange es reicht. Wann es reicht.

Und am wichtigsten: Was DU tun kannst.

Es ist wichtig, dass du die Verletzung umgehend richtig pflegst.

Die wichtigsten 10 Tipps bei wunden Brustwarzen erkläre ich dir hier.

Servicehinweis für Stillclub-Mitglieder: Eine ausführliche Anleitung zu allen genannten Maßnahmen findest du in der Ersten Hilfe bei wunden Brustwarzen. Mehr Infos zum Stillclub hier.

#2 – Ein deutliches NEIN! nach dem beissen beim Stillen ist oft kontraproduktiv

Der häufigste Tipp ist „Sag sehr deutlich NEIN! und nimm dein Baby sofort von der Brust, wenn es beisst!„. Gern noch ergänzt mit dem Nachdruck, dass die Brust dann erstmal weggepackt werden sollte und dann halt erst später wieder gestillt wird.

Ganz nach dem Motto: „So aber nicht.

Uff.

Wir reden hier von einem Baby!

Und nein – auch ein älterwerdendes Stillkind hat nicht als erstes Ziel dich zu foppen, zu ärgern oder dir gar weh zu tun.

Im Gegenteil – diese Reaktion kann dein Baby sehr erschrecken, verunsichern und sogar zum Ablehnen der Brust führen.

Nicht gerade ein liebevolles Ende einer Stillbeziehung.

Plötzliches Abstillen in so einer „Krisensituation“ ist weder zugewandt noch natürlich. Wenn auch einfach eine normale Reaktion aus dem Schreck heraus.

Das heisst jedoch nicht, dass dein Kind aktuell bereit ist abzustillen.

Wenn du noch viel gestillt hast, riskierst du darüber hinaus einen Milchstau und eine Brustentzündung.

#3 – Was braucht dein Baby wenn es beim Stillen beisst?

Mein Credo ist: Es hat immer einen Grund!

Dein Baby beisst nicht einfach, weil es deine Reaktionsfähigkeit testen will oder weil es dein quiecken lustig findet.

Natüüürlich kann es im Verlauf zu einer Art „Kommunikations-Spiel“ werden. Genau das kannst du durch das Aufquietschen oder einem strengen Blick & „NEIN!“ sagen übrigens auslösen.

Warum hat dein Baby gebissen?

Es gibt ganz unterschiedliche Auslöser fürs beissen.

Einige Beispiele:

  • Zahnen
  • Ablenkung
  • Erschrecken
  • Milchfluss stoppen
  • In den Tiefschlaf fallen
  • Zähnchen sind durchgebrochen und der Winkel in eurer Stillposition passt nicht mehr
  • oder etwas ganz anderes

Da dein Baby dir nicht sagen kann, was los ist, kannst du die Situation reflektieren und versuchen zu erahnen was der Grund sein könnte.

Im Stillclub-StillmamaZOOM erzählen Mamas solche Begebenheiten und anhand der Details gibt es meist 2-3 Gründe die in die nähere Auswahl kommen. So findet sich schnell eine gute Lösung, damit vor allem keine Verletzungen entstehen! Möchtest du meine Unterstützung – schau hier für mehr Infos.

#4 – So hilfst du deinem Baby beim Stillen nicht mehr zu beissen

Nun ist es wichtig, dein Baby zu unterstützen, dass das beissen wieder aufhört und sich nicht als Gewohnheit verfestigt.

Denk immer daran – dein Baby will dir nicht weh tun!

Sei bei den Stillmahlzeiten aktuell so „da“ wie möglich.

Während ich es normalerweise total prima finde dabei auch zu lesen, Kontakte zu halten, Podcast zu hören, kann es sein, dass deine Aufmerksamkeit gerade einfach voll und ganz gebraucht wird.

Auch wenn du normal deine Brust nicht mehr hältst, weil es nicht mehr nötig ist, kannst du die C-Haltung deiner Hand nutzen, um immer einen Finger parat zu haben.

Im Notfall schiebst du schnell den Finger (kurze Fingernägel sind da wichtig!) in die Wangentasche deines Babys zwischen die Kieferleisten, um deine Brustwarze zu befreien.

Sollte es überhaupt nicht möglich sein, deine Brustwarzenspitze zu befreien, bitte nicht einfach „ziehen“. Damit riskierst du erst Recht eine ordentliche Verletzung.

Absolute Notfallmaßnahme (bitte wirklich vorsichtig und mit Bedacht einsetzen): Du kannst in so einer Situation das Köpfchen deines Babys zügig an deine Brust ziehen – weil du damit die Nasenlöcher mit Brustgewebe verlegst, öffnet dein Baby den Mund um zu atmen. Es lässt los und du nimmst es sofort wieder von der Brust weg.

Doch damit es dazu am Besten gar nicht kommen musst, empfehle ich die Maßnahmen auf den Grund anzupassen.

Dein Baby beisst beim Stillen wegen dem Zahnen

Beim Zahnen hat dein Baby möglicherweise Beschwerden, Schmerzen oder ein verändertes Mundgefühl.

Damit dein Baby durch das Zahnen nicht versehentlich beisst, braucht es jetzt aufmerksamere Stillbegleitung, als zuletzt vielleicht nötig. Außerdem kannst du vor dem Stillen die Zahnungsbeschwerden lindern.

Dein Baby beisst beim Stillen wegen Ablenkung

Je aufmerksamer Babys werden, desto leichter lassen sie sich von allem was neu ist ablenken. Auch während der Stillmahlzeit.

Das ist nur für eine Weile so, aber in dieser Zeit ist es manchmal nötig einen geschützten Rahmen für die Stillzeiten zu schaffen.

Es hilft…

  • das Stillen im Tragetuch
  • in einem abgedunkelten Raum zu stillen
  • eine gleichbleibende Geräuschkulisse während dem Stillen zu gewährleisten

Dein Baby beisst beim Stillen weil es erschrocken ist

Als meine Freundin mir davon erzählte, wie sie in Ohnmacht gefallen ist, als sie beim Stillen gebissen wurde, fuhr es mir durch Mark und Bein. Ein knall-lauter Donner hatte ihr Stillkind erschreckt und zu dem Biss geführt.

Nach kurzer Bewusstlosigkeit kam sie wieder zu sich und war froh, dass sie einen stabilen Platz zum Stillen hatte.

Ein Biss ist dann eine Schreck-Situation für euch beide – und es kann auch sein, dass du ungewollt anders reagierst, als sinnvoll ist. Sei nachsichtig mit euch beiden!

Versuche gut in den Bauch zu atmen. Den Boden unter dir zu erspüren. Dich zu „erden“. Sprich leise mit deinem kleinen Schatz.

Dein Baby beisst beim Stillen um den Milchfluss zu stoppen

Wenn dein Baby gerade gerne einfach saugen möchte, aber gar nicht trinken möchte nennt man das „non-nutritives“ Saugen. Es gehört zum Stillen dazu.

Manche Babys lösen dabei ungewollt einen Milchspendereflex aus oder können nur mit einem Unterdruck-Saugmuster Stillen, weil die Zungenbeweglichkeit eingeschränkt ist und bisher niemand ein Augenmerk darauf gelegt hat.

Es kann helfen die Stillmahlzeit kurz zu unterbrechen und ein saugfreies Beruhigungsangebot zu machen.

Eine ganz ähnliche Situation zeigt sich, wenn dein Baby doch gar keinen Hunger hatte und nicht stillen möchte. Vielleicht ist grad noch ein anderes Bedürfnis dringlicher.

Dein Baby beisst beim Stillen wenn es tief einschläft

In der Tiefschlafphase erschlafft die Kiefermuskulatur und der Kiefer klappt zusammen. Das ist super wichtig, weil so der Mund nachts geschlossen bleibt und die Zähne umspeichelt bleiben. So sind sie besser vor Karies geschützt.

Beim Stillen konnte sich die Mundmuskulatur so aufbauen, dass die Funktion vorhanden ist.

Eine weitere Situation ist, dass manche Babys beim Einschlafen immer weniger aktiv saugen und so die Mamillenspitze langsam Richtung Kauleisten rutscht, bis es weh tut.

Das ist genau genommen dann kein „Biss“ – tut jedoch schrecklich weh.

Es hilft frühzeitig beim Einschlafstillen die Seite zu wechseln, so dass der Milchfluss das Stillen aktiv hält oder zu stoppen, wenn dein Baby nicht mehr aktiv saugt. (Manche Babys wollen dann nochmal kurz intensiv nachsaugen, ehe sie mit dem loslassen einverstanden sind.)

Dein Baby beisst beim Stillen mit den neu durchgebrochenen Zähnen

Wenn neue Zähne durchgebrochen sind, passt die alt bekannte Stillposition manchmal nicht mehr.

Die unteren Zähne werden von der Zunge überdeckt. Ist dies nicht der Fall, muss immer auch an orale Restriktionen oder eine Verkürzung vom Zungenband gedacht werden. Kontaktiere am besten eine Stillberaterin mit Weiterbildungen zum Thema Zungenband.

Beim Durchbruch der oberen Zähnchen ist es wichtig, dass ihr bei der Stillposition wieder erhöhte Aufmerksamkeit habt. Um den passenden Winkel zu erreichen benötigt es bei größeren Stillkindern häufig einiges an Geduld. Stell dir beim erarbeiten eurer Stillposition vor, du würdest einen sehr großzügig belegten Burger essen – in diesen Winkel ist deine Brustwarze am Besten vor den spitzen Zähnchen geschützt, weil sie nur „aufliegen“ nicht „reinpieken“.

#5 – Weiterem Beissen beim Stillen vorbeugen

Um dem Beissen vorzubeugen, nutze ich gerne die „Kraft des Spiegelns“ und der Kommunikation.

Dazu zeigst du deinem Baby am Tag in wachen, aufmerksamen Situationen das Spiel „Mund weeeeit aufmachen.“. Ihr könnt dabei wunderbar Quatsch machen und blödeln.

Während dem Anlegen zeigst du deinem Baby ebenfalls, dass es den Mund weeeeeit aufmachen soll – mach es vor und übt so lange die Geduld mitmacht. Insbesondere bestehst du darauf, wenn es dir sonst weh tut.

Das kannst du – wenn dein Baby es verinnerlicht hat – auch nachts im Dustern „abrufen“.

Außerdem übe für dich, ganz ruhig und konkret zu benennen, was du von deinem Baby möchtest. „Mach den Mund weeeeit auf.“ – und „Oh vorsichtig, mach den Mund nochmal weeeeit auf.„, oder auch „Ganz vorsichtig Stillen bitte.“ – Nutze dafür Worte die ihr eh schon nutzt. Sagt ihr statt Stillen eher Mimi, Nene oder etwas anderes, bleibst du natürlich bei diesem Wort.

Du kannst das „vorsichtig“ verstärken, indem du es ganz leise und bedacht sagst. Zb. „Manchmal pieken deine neuen Zähnchen, bitte sei ganz vorsichtig. Mund weeeeit auf.

Kommst du alleine nicht recht weiter? Per Video und im Gespräch lässt sich vieles der o.g. Tipps nochmal besser erklären. Du bist herzlich eingeladen zum Stillclub dazu zu stoßen.

Alles Liebe,
Deine Tabea

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Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin
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