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Kann man ein Baby mit Pre-Nahrung überfüttern?

baby überfüttern beim zufüttern

Die richtige Ernährung vom Baby sorgt viele Eltern. Weder möchtest du dein Baby hungern lassen, noch möchtest du dein Baby mit Flasche überfüttern. Gar riskieren dass es zu dick wird!

Gerade in den ersten Lebenstagen kann es schnell passieren, dass die Flaschenportionen zu schnell zu groß werden, wenn das Füttern nicht gut angeleitet wurde! In diesem Text erfährst du sowohl, ob du dein Baby überfüttern kannst, wenn du über die “magische” 1000 ml Grenze für Pre-Nahrung kommst. Ebenso besprechen wir, ob ein Wechsel auf 1er-Nahrung nötig ist. Außerdem erkläre ich dir, mit welchen Maßnahmen du sicherstellen kannst, dass dein Baby nach Bedarf und nicht überfüttert wird oder über seinen Durst hinaus trinkt.

Doch beginnen werden wir in den ersten Tagen, wenn das Baby noch ein Neugeborenes ist.

Wie viel Nahrung passt in den Babymagen ohne es zu überfüttern?

Der Babymagen ist sehr sehr klein!

Babys’ Magengröße am 1. Lebenstag ist so groß wie ein Beerenobst

Trinkmenge am 1. Lebenstag

Das Volumen, das der Magen deines Babys am 1. Lebenstag maximal aufnehmen kann, entspricht mit 5-7 ml ungefähr der Menge die in eine kleine Glasmurmel passt.

Trinkmenge am 3. Lebenstag

Bis zum 3. Tag ist das Magenvolumen gewachsen und nun kann der Magen deines Babys ca. 22-27 ml aufnehmen.

Trinkmenge am 5. Lebenstag

Ab dem 5. Tag liegt die Menge die der Magen deines Babys aufnimmt ca. bei 57 ml maximal.

Trinkmenge in der Neugeborenen-Zeit

Im Verlauf der Neugeborenen-Periode sind die Trinkmengen von Baby zu Baby und auch von Mahlzeit zu Mahlzeit verschieden.

Häufige kleine Mahlzeiten sind physiologisch

Entsprechend dem Zusammespiel von Mutter und Kind in der Milchbildung, ist es völlig nachvollziehbar, dass der Magen so klein ist. Werden große Mengen gefüttert, bleibt dem Magen keine Zeit in Ruhe zu verdauen.

Kleine Mengen zu füttern hilft, dein Baby nicht zu überfüttern.

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Und am wichtigsten: Was DU tun kannst.

Wie viel Pre zufüttern wenn die Muttermilch nicht reicht?

Es ist zu erwarten, dass die Menge an Kolostrum bei regelmäßigem erfolgreichen Anlegen mit Saug- und Schluckaktivität ausreichend ist. Sollte dies nicht der Fall sein, kannst du die IBCLC-Stillberaterin der Station hinzuziehen.

So bekommst du individuelle und stillfreundliche Fütter-Tipps.

Füttern ad libitum – was heißt das?

Früher hat man nach starren Plänen gefüttert.

Babys wurden regelrecht in einen 4-Stunden-Rhythmus hinein gezwungen.

Hatten sie nicht “genug” gestillt, wurde Fläschchen nachgefüttert.

Erwachten sie vor dem Ablauf von der 4-stündigen Pause, wurden sie “gezogen”. Mit schunkeln oder dem Schnuller. Oder schlichtweg ignoriert – auch das gab es.

Damit wollte man u.a. angeblich den 3-Monatskoliken vorbeugen – gegeben hat es sie dennoch. Kein Wunder, denn es gibt viele Gründe, warum Babys weinen.

Das Füttern “nach Bedarf” – ad lip oder lateinisch ad libitum bedeutet, dass das Baby nun selbst bestimmt wann und wie viel es trinkt.

In jüngerer Zeit konnte man sich dann zwar von dem 4-Stunden-Rhythmus (den nur wenige Babys natürlicherweise haben) verabschieden, tendierte allerdings immer wieder zu anderen Zeitvorgaben. Auch diese sind meist überflüssig!

In welchen Abständen darf Pre-Nahrung gefüttert werden?

Inzwischen weiss man: die Mahlzeitenverteilung über den Zeitraum von 24 Stunden ist höchst unterschiedlich.

Viele Babys pendeln sich bei 8-12 Mahlzeiten ein. Unabhängig davon, ob sie ihre Mahlzeit mit der Flasche trinken oder stillen.

Dabei trinkt das Baby möglicherweise ganz unterschiedliche Mengen.

Wie beim Clusterstillen oder in Entwicklungsschüben kann die Mahlzeitenanzahl und die Portionsgröße dabei variieren. Beim Fläschchen sieht man eben beides – beim Stillen “nur” die Stillhäufigkeit.

Was, wenn das Baby weniger trinkt als auf der Packung steht?

Auch anders herum gibt es manchmal Probleme. Da ist dann die Frage, ob dein Baby überhaupt genug von der Pulvernahrung trinkt. Die Tabelle auf der Verpackung der Pulvernahrungen stiftet häufig Verwirrung.

Anders als vermutet ist weniger die Trinkmenge nach der Altersangabe wichtig, als viel mehr die Pulvermenge pro Milliliter Wasser!

Dieses Mischverhältnis muss unbedingt beibehalten werden, denn der Körper deines Babys ist auf die korrekte Zusammensetzung von Eiweiss, Kohlehydraten, Fetten und Wasser mit dem richtigen Anteil an Elektrolyten angewiesen.

Nach Bedarf gefütterte Kinder können kleinere Mengen oder häufigere Mahlzeiten haben, als auf der Packung angegeben. Auch die Gesamtmenge kann variieren.

Was ist die richtige Trinkmenge für Babys?

Grundsätzlich gilt, dass dein Baby einfach nach seinem Hungergefühl trinken darf. Eben “ad lib”.

Soll die Stillbeziehung erhalten werden, während gerade aus medizinischer Indikation heraus zugefüttert werden muss? Dann gilt es die ärztlich angeordnete zusätzliche Trinkmenge auf so möglichst viele Mahlzeiten zu verteilen, stillfreundlich zu füttern und eine IBCLC-Stillberaterin hinzuzuziehen. Frühest möglichst.

Muss eine Trinkmenge berechnet werden, gibt es 2 verschiedene Rechenarten. Durch die unterschiedliche Rechnungsweise ergeben sich verschiedene Ergebnisse.

  • Variante 1: Aktuelles Körpergewicht vom Baby x 0,15
  • Variante 2: 1/6 vom aktuellen Körpergewicht

Wichtig zu wissen: bei beiden Rechenarten kann höchstens ein Anhaltspunkt als Ergebnis herauskommen.

Bist du dir unsicher bei der Trinkmenge deines Kindes, frag deine Hebamme, den Kinderarzt oder eure IBCLC-Stillberaterin.

Sind 1000 ml Pre-Nahrung zu viel?

Immer wieder wir in verschiedenen Quellen und auch von Fachkreisen die Grenze von 1000 ml Tagestrinkmenge genannt.

Zum einen gibt es v.a. bei sehr großen Einzelportionen die Sorge, dass der Magen sehr gedehnt wird.

Bei einer hohen Gesamt-Tagestrinkmenge gilt die Sorge eher den Nieren und dass sie – ähnlich, wie bei der Gabe von Wasser oder Tee – überfordert sein könnten. Sprich da im Einzelfall am besten mit dem Kinderarzt deines Vertrauens.

Große Mahlzeitenportionen sind häufig ein Ergebnis der Füttertechnik. Dazu gebe ich weiter unten einige Tipps, wie du dafür sorgen kannst, dass du dein Baby nicht durch die Füttertechnik überfütterst.

Wann sollte man auf 1er-Nahrung wechseln?

Ein Wechsel ist grundsätzlich überhaupt nicht nötig.

Wenn ein Baby mit Pre-Nahrung nicht satt zu sein scheint, zeigt sich das meist daran, dass

  • dein Baby mehr Mahlzeiten hat, als auf der Packung angegeben
  • alle 1,5 oder 2 Stunden trinken möchte
  • zwischendurch weint

ACHTUNG! Das alles sind KEINE Zeichen, dass die Pre-Nahrung nicht reichen würde!

Vielleicht hast du gelesen, dass andere Babys mit 1er-Nahrung seltener trinkt, als mit Pre-Nahrung. Doch dazu musst du wissen, dass 1er-Nahrung gar nicht mehr Kalorien hat, als Pre-Nahrung. Wenn dein Baby mit Pre-Nahrung entsprechend seiner individuellen Wachstumskurve zunimmt, braucht es diesen Wechsel nicht.

Ist 1er-Nahrung schlechter als Pre?

Die Vorgaben, wie die Säuglingsnahrungen zusammengesetzt werden dürfen, sind in Deutschland in der Diätverordnung festgehalten.

Daher dürfen für Pre-Nahrung nur bestimmte Inhaltsstoffe genutzt werden.

Die Vorgaben sind extrem eng.

Deshalb gibt es Pre-Nahrung z. B. nur auf Kuhmilchbasis. Es darf keine Stärke und keine anderen Zuckerarten (alles was auf -ose endet) zugesetzt sein.

Wird eine Nahrung aus einer anderen Tiermilch hergestellt, wird sie der Vorgabe für eine Pre-Bezeichnung nicht mehr gerecht. Dennoch gilt sie als Anfangsmilch und muss nicht zwingend schlechter sein.

Entscheidest du dich für eine 1er-Nahrung musst du bei der Prüfung, ob diese Nahrung Stärke oder Zuckerarten (für einen süsseren Geschmack) zugesetzt hat mehr Eigenleistung erbringen. Stärke bewirkt, dass die Milchnahrung sämiger wird und ggf. länger im Magen verbleibt. Manchmal macht sie dadurch länger satt – das ist allerdings keine Garantie.

Zuckerarten wie Glucose und Maltose sind der Muttermilch fremd, können allerdings zugesetzt werden, wenn es sich um einer 1er-Nahrung handelt.

Wann werden 2er- und 3er-Nahrungen oder Kindermilch gegeben?

Im Verlauf deiner Zeit als Mama wirst du vielen Kinderprodukten begegnen, die allein dem wirtschaftlichen Interesse von Herstellern dienen.

Alle Folgenahrungen sind unnötig.

Für das gesamte Pendant zur Stillzeit kann bei Pre-Nahrung geblieben werden.

Überfütterung: Zeichen, dass dein Baby zu schnell trinken muss

Wir haben verlernt, Babys Sprache zu verstehen. Als Gesellschaft. Du selbst hast vielleicht noch nicht lernen können, die Sprache deines Babys zu verstehen.

Zeichen für die Gefahr vom Überfüttern während dem Flasche geben sind:

  • schnelle Schluck-Folge
  • Milch spritzt aus dem Mundwinkel
  • flatternde Nasenflügel
  • weit geöffnete Augen
  • rudernde Arme und Beine
  • ein sich hin und her wendender Kopf

Manche dieser Zeichen können auch andere Ursachen haben – wenn sie sich durch die folgenden Maßnahmen nicht deutlich bessern, solltest du das in Betracht ziehen.

8 Maßnahmen, um dein Baby nicht mit der Flasche zu überfüttern

Es gibt viele Möglichkeiten, die dein Baby davor schützen überfüttert zu werden.

1. Bereite nur die kleinste oder ungefähr zu erwartende Menge vor – nicht mehr!

Pre-Nahrung kostet ganz unterschiedlich pro KG, je nachdem für welche Nahrung du dich entschieden hast. Bestimmt möchtest du nicht unnötig Nahrung wegwerfen. Dazu kann es allerdings leicht kommen.

Du kannst diese Sorge reduzieren, indem du darauf achtest, nicht ZU viel anzurühren.

Eine Portionsgröße sind meist 30-40 ml und schnell gemischt.

2. Mache dir die Zubereitung so einfach wie möglich

Das geht, indem du abgekochtes Wasser vorbereitest und die Pulverportionen bereits vorbereitest. Das vorbereitete Pulver kannst du in verschlossenen Miniboxen aufbewahren.

3. Ziehe eine Stulpe oder einen Strumpf über die Flasche

Beim Füttern ereilt uns manchmal sehr leicht das “Teller-leer”-Syndrom. Das übergeht das natürliche Sättigungsgefühl deines Babys.

Du kannst dich selbst überlisten, indem du eine Socke über die Flasche ziehst. So verhinderst du, dass du die getrunkene Menge irgendwie “bewerten” musst.

4. Fütter dein Baby in einer möglichst aufrechten Position

Je aufrechter dein Baby bei der Nahrungsaufnahme ist, desto besser kann es selbst den Milchfluss steuern.

In liegender Position kommt quasi ein niemals-enden-wollender Fluss an Milchnahrung in den Hals geschossen. Vor allem, weil viele Sauger die Milch viel zu leicht fließen lassen.

5. Beachte die richtige Saugerwahl

Bei der Wahl vom Sauger, sollte das Loch möglichst klein sein. Die Bezeichnungen sind leider nicht standardisiert. Von Fein über Größe S, Teesauger und andere Bezeichnungen gibt es für eine kleine Lochgröße.

Am deutlichsten siehst du es, wenn du die Milchflasche kopfüber über das Waschbecken oder ein Tuch hältst. Fließt ein feiner Milchstrahl? Dann ist das Saugerloch sehr groß. Hält der Sauger den Milchfluss zurück und bildet sich maximal sehr langsam ein kleiner Tropfen? Das ist viel besser.

6. Wähle fürs Zufüttern bei Zwiemilchernährung eine stillfreundliche Zufüttermethode

Möchtest du das Stillen gerne (zum Teil) erhalten, kannst du das Zufüttern stillfreundlich gestalten.

Auch wenn der Anteil der Muttermilch gering ist, profitiert dein Baby von jedem Tropfen Muttermilch und von der Saugtechnik, die beim Stillen eingesetzt wird.

7. Nutze das Paced Bottle Feeding für Flaschenmahlzeiten, um dein Baby vor überfüttern zu schützen

Weiter oben habe ich dir schon zu einer aufrechten Fütterposition geraten.

Das kannst du mit dem sogenannten “paced bottle feeding” zusätzlich unterstützen.

Anfangs scheint diese verlangsamte Füttern “unnatürlich” doch tatsächlich entspricht es viel mehr dem natürlichen Fütter-Rhythmus, als das reguläre Flasche füttern.

8. Achte auf die Signale deines Babys

Bedürfnisorientiertes Flasche füttern bedeutet, dass du auf die Signale deines Babys achtest. Jetzt sagst du vielleicht: Tu ich ja!

Es bedeutet darüber hinaus aber eben auch, dass du deinem Baby den Rahmen gibst, um seine Bedürfnisse überhaupt zu äußern. Denn es wird recht unwahrscheinlich passieren, dass dir dein kleines Baby die Flasche aus der Hand donnert und sagt “Ey Mama, hör mal auf mich im Schuss zu füttern, ich komm nicht hinterher und bin nur am Schlucken.”

Die Signale deines Babys deines Babys bestehen aus Babys Lautsprache und den Feinzeichen. Über beides lernst du mehr in meinem Baby verstehen Kurs im Stillclub.

Ist Fläschenfüttern komplizierter oder leichter als Stillen?

Jede Mama empfindet etwas anderes leichter.

Immer wieder wird der Vorwurf laut, als Stillberaterin wolle man das Fläschchen-Füttern nur unnötig kompliziert reden.

Das ist Quatsch!

Die Haltung in “meinem” Ausbildungsinstitut (bei dem ich die Vorbereitung auf mein IBCLC-Examen absolviert habe) ist ganz klar – Eltern die Fläschchen füttern haben auch viele Fragen und brauchen Antworten. Dazu stehen umfangreiche Informationen zum Flasche füttern für Fachkräfte (und Eltern natürlich auch) bereit.

In den Stillberatungen habe ich es – zumindest zu Beginn – häufig mit Zwiemilchernährung zu tun. Einer der festen Bestandteile unserer Beratungen ist es, die Fläschchen-Orga so einfach wie nur irgendwie möglich zu gestalten. Denn die Mamas, die sich an mich wenden, wollen meist gerne wieder Stillen.

Doch manchmal wenden sich Familien so spät an mich, dass das Stillen keine Option mehr ist. Dann ist es eine gute Möglichkeit die bedürfnis- und bindungsorientierten Maßnahmen zu nutzen. Auch Fläschchen füttern ist möglich als ganz inniger Moment.

Hast du selbst Erfahrungen mit dem Fläschchen füttern gemacht? Waren sie vermehrt positiv oder behaftet mit traurigen Gefühlen?

Teile deine Geschichte gerne in den Kommentaren.

Alles Liebe,
Deine Tabea

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Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

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