Baby, Nach Geburt & Wochenbett, Stillzeit
Kommentare 9

Wie oft Stillen ist normal? 7 völlig falsche Annahmen, wenn Babys zu oft Stillen

baby wie oft stillen

Du fragst dich, wie oft Stillen noch normal ist? Du hast bereits gehört, dass Babys deutlich häufiger als alle 4 Stunden Stillen dürfen.

Doch dein Baby stillt -zumindest gefühlt- ständig!

Über Stunden hinweg kannst du nicht einmal in Ruhe zur Toilette gehen. Es ist nervenaufreibend! Wie oft Stillen Babys also normalerweise?

Wie oft stillen Babys normalerweise?

Da sich viele Stillkinder gar nicht an einen Rhythmus halten und Rhythmen auch ganz unterschiedlich gezählt werden (oder hast du auch schonmal überlegt, ob eine Schwester oder Hebamme die nachfragte jetzt 2-stündlich ab Beginn oder ab Ende der Mahlzeit meinte?), ist das die unzuverlässigste Methode, mit der du die Mahlzeiten deines Kindes bestimmen kannst.

Zählen wird auch wieder jeder anders.

In meinen Beratungen stelle ich es – wenn wir eine Mahlzeitenhäufigkeit aufzeichnen müssen – der jeweiligen Mama meist frei, welchen regelmäßigen Aufzeichnungspunkt sie wählt. Denn jede Mama stillt anders. Oder wir besprechen es vorab.

Dann sehen wir uns gemeinsam den entstandenen Zeitstrahl an und ich erkläre, welche Bedeutung diese Mahlzeitenverteilung hat.

Die Frage wie oft Stillen normal ist, ist so individuell zu beantworten.

Während das eine Baby mit 6 Still-Mahlzeiten in 24 Stunden gedeiht, wählt ein anderes Baby eher 16 Mahlzeiten.

Annahme 1: Deinem Baby reicht die Milch nicht (mehr)

Wir sind in unserer Gesellschaft dieses Babyverhalten nicht gewohnt.

Unsere Vorgenerationen haben volle Arbeit geleistet und unter dem Ansporn gesellschaftlicher und politisch geprägter Anführer versucht unnatürliche Rhythmen in unseren Leben zu etablieren.

So kam es wirklich dazu, dass die Milch häufig nicht reichte. Das Babys vor Hunger schrien.

Auch dir wird daher heute vermittelt, dass deine Milch nicht (mehr) reichen würde. Sonst würde dein Baby doch friedlich schlummern, wird erwartet.

Nun brauchst du ein dickes Fell. Dieses lässt sich in Wochenbett und junger Mutterschaft nur schwer wachsen und pflegen. Doch du darfst stetig darauf achten.

Letztlich kann es sogar sein, dass du dich gegen medizinische Instanzen vom alten Schlag durchsetzen musst – ehe du den Befreiungsschlag zu dieser Aussage schaffst. So lange die Gewichtsentwicklung deines Babys allerdings normal ist, ist häufiges Stillen auch normal und ok.

Für dein Baby.

Wie oft Stillen für Babys normal ist, weiss man übrigens sehr genau! Die meisten Babys stillen in Europa zwischen 8-12 Mahlzeiten in 24 Stunden, um dabei gut zu gedeihen. Manche sogar noch häufiger!

Annahme 2: Deinem Baby ist deine Milch zu dünn

Der Mythos von zu dünner Milch hält sich stetig.

Er ist völlig unwissenschaftlich und unmittelbar von der Hand zu weisen.

Denn: Zu dünne Milch gibt es nicht.

Muttermilch wird in einem fein ausgeklügelten Chemie-Labor-System in deinen Milchbläschchen frisch hergestellt. Dazu nutzt die Zelle das vorbeifließende Blut deiner Gefäße. In einer vorgegebenen Zusammensetzung entsteht nun die Milch für dein Baby.

Diese Zusammensetzung ist so starr, dass die Muttermilch einer südlich lebenden Afrikanerin eine nahezu Identische ist, wie die Zusammensetzung der Muttermilch einer nördlich lebenden Norwegerin. Einziger Unterschied ist – je nach Auswahl der Ernährung – die Zusammensetzung der Fette. Es ist davon auszugehen, dass die Norwegerin einen höheren Fischkonsum hat und daher eine höhere Konzentration von Omega-3-Fettsäuren.

“Aaaaaber….!”, wird der kluge Mensch nun einwerfen. “Wie kommt es dann bitte zu den ausgemergelten Babys in armen Ländern? Gibt es sie nicht doch, die zu dünne Milch?”

Nein.

Diese Babys sind unterernährt, weil ihre Mütter aufgrund eigener Unterernährung tatsächlich nicht mehr fähig sind Muttermilch in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen.

Oder noch viel wahrscheinlicher haben sie nicht einmal gestillt, sondern zu teurer Babynahrung gegriffen. Wie die Reichen im Westen. Und weil das Geld nicht reicht, wurde diese Nahrung gestreckt.

Wirkliche Unterernährung kann also einen Einfluss auf die Milchmenge haben. Sie bleibt dann einfach, trotz reichlichem Stillen, weg.

Furchtbar!

Doch das sei nur nebenbei angemerkt.

Wie oft dein Baby hintereinander stillen möchte, beeinflusst übrigens auch die Zusammensetzung deiner Milch. Sie wird mit jedem Durchgang, der kurz hintereinander gestillt wird ein wenig fettreicher.

Annahme 3: Dein Baby bekommt Bauchweh, wenn neue Milch auf alte Milch gestillt wird

Ein altes Ammenmärchen vermittelt, dass neue Milch nicht auf alte Milch gegeben werden dürfe. Sonst würden Gase entstehen.

Betrachten wir diese Aussage genauer.

Bei der Verdauung können durchaus Gase entstehen. Durch das häufige Stillen über einen längeren Zeitraum, bleiben allerdings ebenso wieder Zeiten am Tag, wo der Magen ausruhen darf.

Noch dazu kann das Baby ganz nach seinem Körpergefühl trinken, ohne dass sein Magen dabei überdehnt wird.

Ein weiterer Blick in unsere Erwachsenenwelt.

Wenn du vor einer halben Stunde etwas gegessen hast und merkst nun, dass du noch Hunger hättest. Bekommst du dann eher Bauchweh, wenn du noch etwas isst? Oder eher, wenn du dir das Essen trotz Hunger für noch weitere 4 Stunden abwartest? Altersmäßig angebracht wäre natürlich dann eher ein Vielfaches an Stunden. 😉

Wie oft dein Baby Stillen möchte, darf es also ganz selbst entscheiden. Dass dein Baby vom Stillen nach Bedarf Bauchweh bekommt, ist also recht unwahrscheinlich. Wobei ein Baby natürlich auch TROTZ Stillens nach Bedarf einmal Bauchweh haben kann.

Annahme 4: Dein Baby trinkt nicht richtig

“Jetzt trink halt mal g’scheit!”

Es scheint wirklich zum mäuse-melken, wenn Babys “nicht richtig” trinken.

Sie unterbrechen nach wenigen Minuten des Stillens die Stillmahlzeit für abermals ein paar Minuten.

Ein unregelmäßiges Stillverhalten ist für Babys total normal.

Manchmal trinken Babys kurz. Lassen dann wieder los. Trinken dann wieder ein bisschen. Schlafen 10 Minuten.

Ganz schnell kann es dir gegenüber dann heißen, dass dein Baby “nicht richtig” trinken würde.

Doch wie hilft es dir?

Leider gar nicht.

Manchmal verändert sich dieses Stillverhalten – vor allem so lange dein Baby noch ganz klein ist – wenn ihr während dem Stillen im direkten Hautkontakt seid.

Wie oft Stillen für dein Baby gerade relevant ist, hängt also auch von Entwicklungsschüben und Entdeckerlaune ab. Und manchmal auch von dem Bedürfnis sich rückzuversichern, wenn es gar nicht um das Trinken an sich, sondern um andere Bedürfnisse geht.

Annahme 5: Dein Baby muss zum trinken wach gehalten werden

Die Stilldauer von Babys ist unterschiedlich.

Wichtig ist die Frage, was steckt hinter der Müdigkeit!

Sehr müde Babys, die zum Beispiel wegen einer Gelbsucht müde sind, können auch durch sanfte Massagen unterstützt werden. Vielleicht braucht es dann auch ganz andere unterstützende Maßnahmen.

Bei einem gesunden Kind ist davon aber nicht auszugehen.

Falls es da doch Anlass zur Sorge gibt, kann dir eine Stillberaterin ein entscheidendes Stück weiterhelfen. Du lernst einzuschätzen, wie oft Stillen für dein Baby und seinen gesunden Gewichtsverlauf wichtig ist und wie du die Stillmahlzeiten effektiver gestalten kannst.

Annahme 6: Dein Baby schläft nicht gut, weil es zu wenig bekommt

Mit einigen Wochen – und manchmal auch von Anfang an – kann es sein, dass du beobachtest, dass dein Baby gar nicht so tief schläft. Sobald du versuchst es abzulegen, ist es wieder wach. (Und will vermutlich auch wieder Stillen.)

Ebenso kann es sein, dass du gar nicht mehr “aufstehen darfst”, wenn ihr zum Stillen gemeinsam im Bett gelegen habt.

Der leichte Schlaf schützt Babys vor dem plötzlichen Kindstod. Früher – zu Zeiten als wir mit Sippen auf Wanderschaft gingen – war er darüber hinaus der Garant, dass ein Baby nicht zurückgelassen wurde.

Draußen, in unverschlossenen Lagern, wäre es bereits eine große Gefahr gewesen, wenn sich die schützende Erwachsene nur wenige Meter vom Baby entfernt hätte.

Hinderlich vor dem tiefen Schlaf ist also nicht deine Milchmenge, sondern viel mehr das innere genetische Programm.

Annahme 7: Dein Baby soll Wasser oder Tee bekommen, wenn es zu oft stillt

Babys, die “zu häufig” Stillen wollen, sind ein sehr neues Problem.

Gab es das früher also nicht? Stillten die Babys früher seltener?

Nein!

Doch es scherte sich niemals jemand um die Stillhäufigkeit!

Mit der Frequenz in der dein Baby stillt, steuert es die Milchmenge. Trinkt es stattdessen aus der Flasche, wird sich deine Milchmenge nicht ausreichend anpassen können. Dann bekommt dein Baby wirklich Hunger, weil es kalorienfreie Flüssigkeit erhalten hat UND dein Körper weniger stark in der Milchproduktion angekurbelt wurde.

Fazit für Babys, die häufig stillen wollen

Dein Baby bestimmt wie oft Stillen notwendig ist. Jeden Tag neu. Über die Häufigkeit des Stillens reguliert dein Baby die Muttermilch die es bekommt exakt nach seinem Bedürfnis.

Das Clusterstillen gehört dabei zu den normalen Phänomenen, die beim Stillen auftreten. Wenn dein Baby das von sich aus nicht tut und gut gedeiht ist das ebenfalls in Ordnung.

Während wir Erwachsenen uns ein unterschiedliches Essverhalten zugestehen, sind wir bei Kindern besonders kritisch. Es fällt uns schwer ihre Essgewohnheiten nicht irgendwelchen Regeln und Vorgaben zu unterwerfen. Mit weitreichenden Folgen – wie wir am teils wirklich neurotischen Essverhalten unserer eigenen Altersklasse sehen können.

Neben der üblichen Spannweite von 8-12 Still-Mahlzeiten in 24 Stunden, gibt es Babys die darüber hinaus weitaus häufiger Stillen möchten. Ob deine Milch für dein Baby ausreicht, kann darüber hinaus nur eine Analyse des Gewichtsverlaufes zeigen, wie ich sie zum Beispiel auch mit dem kleinen Henri gemacht habe, als seine Mama Xenia sich nicht sicher war, ob ihre Milch noch reicht.

Du hast immer noch ein ungutes Gefühl und dir wurde bereits vermittelt, dass du vielleicht zufüttern werden musst?

Wenn du nicht nur eine zweite Meinung, sondern eine persönliche und individuelle Begleitung haben möchtest, dann melde dich einfach bei mir. Völlig egal, wo du wohnst. Dann besprechen wir, wie ich dir am Besten helfen kann.

Alles Liebe und bis bald,
~Tabea

 

Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

Ich helfe dir bei Stillproblemen und Fragen im Leben mit deinem Baby. Weinen, Verwöhnen, Bedürfnisse, Schlafen, Beikost und bis hin zum Abstillen. Oder auch zum Weiterstillen in einer Folgeschwangerschaft. Alles hat seinen Raum.
Im Blog findest du dazu viele Gedanken und Anregungen - individuelle Beratungen finden per Videochat & Hausbesuch statt.
Schön, dass du da bist.
Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

9 Kommentare

  1. Katja sagt

    Sehr toll geschrieben. Vielen Dank. Deine Themen und wie du alles erklärst – super verständlich und sooo hilfreich. Mach weiter so. Alle unwissenden Mamis da draußen müssen aufgeklärt werden.

    • Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin sagt

      Ich wünsche mir Mamis, die so stark in Wissen & Selbstbewusstsein sind, dass sie im rechten Moment die Ellenbogen rausnehmen können, um für die Gesundheit ihres Babys einstehen zu können.

      Deshalb gibt es seit kurzer Zeit den Mindful Mama Clan, wo wir uns gegenseitig helfen in der Mama-Rolle weiter zu wachsen

      <3

  2. Jessica sagt

    Hallo Tabea! Ich verstehe, dass mehr stillen normal ist, aber uns läuft es gerade aus der Bahn. Tagsüber” nach dem Aufstehen um 8 bis Mitternacht kommen wir auf 10 Stillmahlzeiten. Nachts hat meine Tochter auch alle 2-3 Stunden Hunger. Das ans sich nicht das Ding. Wir hatten schon immer solche Abstände. Das Problem ist allerdings das sie die Brust als Einschlafhilfe braucht. Sie schläft nicht gut, wird nach 10 Minuten manchmal einer halben Stunde wieder “wach” und sucht die Brust. Wir sprengen also locker den Rahmen von 8-12 Mal stillen und ich gehe langsam auf dem Zahnfleisch. Meine Hebamme meinte sie braucht die Nähe und es ist normal, sie ist erst 4 Monate. Ich werde aber langsam egoistisch und möchte gerne nicht 10 Mal die Nacht wach werden. Ich versuche es durch streicheln und Nähe sie wieder in den Schlaf zu bringen, aber sie sucht und wird sonst wach und schreit. Das ganze kann doch auch für die Maus nicht erholsam sein!! Tagsüber in Tragetuch, Kinderwagen oder Arm schläft sie auch, es braucht also nicht immer die Brust.

    • Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin sagt

      Liebe Jessica,

      die 10-12 Mahlzeiten zu sprengen passiert tatsächlich häufiger, aber das was du beschreibst hört sich unglaublich auszehrend an und tatsächlich glaube ich eine Anamnese wäre sehr wichtig, um herauszufinden, ob es nicht einen Grund gibt, der dein Baby so häufig stillen lassen will – das sieht man wenn weitere Ansatzpunkte hinzukommen.

      Klar ist, dass wenn du nicht mehr kannst unbedingt Strategien entwickelt und etabliert werden müssen, damit es dir UND deinem Baby mit dem Stillen gut geht!!

      Bitte hol dir dafür nochmal zusätzliche Hilfe!
      ~Tabea

  3. Jessica sagt

    Danke für deine schnelle Antwort Tabea!

    Es ist wirklich alles andere als einfach. Ich bekomme irgendwie genug Schlaf, lege mich auch nachmittags mit ihr hin. Aber das ständige An und Abdocken weckt mich schon häufig auf.

    Tagsüber schafft sie es auch mal länger ohne. Heute waren wir den ganzen Tag im Zoo mit Tragetuch und ich habe sie so alle 2,5 Stunden gestillt und sie war da auch nicht gerade am verhungern und glücklich.

    Ich sehe dass sie wächst und gedeiht und ein glückliches Baby ist. Sie strahlt mich an, dreht sich jetzt schon seit zwei Wochen ganz flink von Bauch in Rückenlage und umgekehrt und hält den Kopf stabil seit zwei Monaten. Auch unsere Hebamme meinte dass sie ungewöhnlich kräftig für ihr Alter ist trotz Leichtgewicht (etwas über 5 Kg, sie war immer schon ein Mini). Ich mache mir also keinen Kopf um sie, weil es ihr gut geht, sondern um mich.

    Ich habe jetzt mal eine Stillberatung kontaktiert und schaue was herauskommt….

    Ich denke es hat schon damit zu tun, dass sie meine Nähe will. Aber vielleicht kann sie doch schon sanft „lernen”, dass eben nicht nur die Brust diese Nähe gibt.

  4. Julia sagt

    Toller Beitrag! Ich hoffe, dass auch endlich die Generation unserer Eltern aufhört mit ihren klugen Ratschlägen. Die Kommentate mit „du darfst nur alle 4 Stunden stillen“, „gib dem Kind einen Schnuller“,… gehen mir echt auf die Nerven.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.