Stillen lernen
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Solltest du dein Baby zum Stillen wecken oder schlafen lassen?

Eine Mama aus dem Stillclub fragte mich kürzlich: “Muss ich den kleinen (9,5 Wochen) wecken, wenn er in der 2. Schlafphase pennt?

Da wir uns aus dem Stillclub schon sehr gut kennen und auch davor schon länger, war die Frage schnell geklärt. Doch ich möchte das hier nochmal aufgreifen.

Darf man ein Baby zum Stillen überhaupt wecken?

“Schlaf ist heilig!”, tönt es in meinen Ohren.

Dem stimme ich absolut zu!

Aber!

Gesundheit ist noch heiliger.

Bedeutet also, wenn dein Baby einen ausgeprägten Schlaf zugunsten einer geringen Nahrungsaufnahme hat, kann es problematisch werden.

Das soll nicht sein.

Gerade weil der Magen deines Babys in den ersten 2 Lebenswochen noch eine begrenzte Nahrungskapazität hat, solltest du deinem Baby kürzere Nahrungsabstände ermöglichen. 8-12 Stillmahlzeiten in 24 Stunden sind dabei als völlig normal einzustufen, manchmal auch mehr.

Kommt ja auch immer ein bisschen auf die “Zählweise” an.

Reicht das Stillen?!

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Lerne in meinen eMails mehr über das Stillen. Wie es reicht. Wie lange es reicht. Wann es reicht.

Und am wichtigsten: Was DU tun kannst.

Ein schläfriges Baby wecken

Schläfrige Babys können abhängig sein vom Wecken. Sie zeigen sich besonders “brav” und “unkompliziert”. Sie trinken selten. Häufig stillen sie nur 5-7 Mahlzeiten in 24 Stunden.

Je jünger ein kleines Baby noch ist, desto mehr Wachsamkeit braucht es, um frühzeitig zu erkennen, ob beim Stillen alles rund läuft.

Seltene Stillmahlzeiten über den Gesamtzeitraum von 24 Stunden, können also ein erstes Indiz sein. Kommen andere Indizien, wie seltener Stuhlgang hinzu oder will die Gewichtszunahme nicht so richtig in Gang kommen, kann das Wecken eine erste Maßnahme sein.

Noch besser: ihr holt euch eine Stillberatung hinzu, mit der ihr im Detail besprecht, wo es für euch am einfachsten ist in einen physiologischen – also baby-normalen – Nahrungsrhythmus zu kommen.

Zum Stillen wecken wegen Zuckerabfall

Häufig wird im Kontext der Babyschlafentwicklung darauf hingewiesen, dass ein Baby mit einem gewissen Alter keine nächtliche Nahrung mehr bräuchte. Hintergrund ist, dass es dann den Blutzucker auch über einen längeren Zeitraum stabil halten kann. Ohne Nahrungsaufnahme.

Diese fehlinterpretierte Information (im Kontext der Schlafentwicklung – die hängt ja nicht nur vom Blutzuckerhaushalt ab) hat aber eine wichtige Bedeutung!

Im ersten halben Jahr ist es wichtig ganz genau hinzusehen, wenn dein Baby plötzlich “durchschläft”. Vom Durchschlafen reden wir bei einer ununterbrochenen Schlafdauer von länger als 5 Stunden.

Betrachte dann, ggf. gemeinsam mit einer Stillberaterin, ob die Entwicklung deines Babys darüber hinaus normal verläuft.

Jedes Kind ist anders.

Das bedeutet nicht, dass man “nicht hinschauen” soll, sondern lediglich, dass die Infos rund um dein Baby im Gespräch besser gedeutet werden können.

Häufiges Stillen wegen der Hirnentwicklung

Auch die Versorgung vom Gehirn ist durch die nächtlichen Mahlzeiten gesichert.

Die regelmäßige Nahrungsaufnahme sorgt für Baustoffe im Körper, die bei der Verknüpfung verschiedener Hirnregionen benötigt werden.

Dein Baby spürt am Besten, wenn es auch nachts noch vermehrt Nahrung dafür braucht. Ebenso, wie wenn es gut damit zurechtkommt ohne Nahrung auszukommen.

Schlüssel ist hierbei das Vertrauen ins Baby und davon zurück zu bleiben, die nächtlichen Stillmahlzeiten verfrüht abzuschaffen. Also bevor dein Baby es selbst tut.

Was ist dein Gefühl: Möchtest du wecken oder schlafen lassen?

Letztlich kennt jede Mama ihr Baby am Besten.

Je nachdem wie intensiv du schon mit Informationen über das Stillen versorgt bist, wird dir die Einschätzung leichter oder schwerer fallen.

Unser Bauchgefühl ist geprägt aus Informationen, Lebenserfahrungen, Bewertungen und Ängsten. Dementsprechend gehen wir entspannt / lax oder sensibel / ängstlich mit dem um, was uns so kostbar anvertraut wurde.

Gegen dein Bauchgefühl zu handeln ist also immer eine äußerst schlechte Option. Denn das hat Folgen.

Im eingangs erwähnten Austausch mit der Mama aus dem Stillclub fragte ich sie:

“Was sagt dein Bauchgefühl?”

Sie: “Schlafen lassen. Der holt es sich später.”

Ich: “Passt.”

Sie: “Danke.”

Ich: “Anders hätte es auch gepasst.”

Sie: “Das hätte ich gerne genauer erklärt.”

Also … hier die Erklärung:

Wenn dein Bauchgefühl sagt: “Mein Baby ist sehr zierlich, es bekommt nicht genug, fürchte ich.”, und alle sagen: “Lass es schlafen.” Dann kann es sein, dass das Baby wirklich zu wenig bekommt und du später zufüttern musst.

Das schöne im Stillclub ist, dass wir sowas dann auch immer wieder aufgreifen können.

Handelst du also nach deinem Bauchgefühl und weckst dein Baby, dann hast du die Chance weiter in dein Bauchgefühl reinzuhören. Hast du mehr aus Sorge heraus gehandelt, dann kannst du ganz in deiner Geschwindigkeit diese Sorge überwinden.

Du gewinnst viel mehr davon.

Du kannst nur gewinnen.

Sagt dein Bauchgefühl: “Alles fein. Baby kann schlafen.”, dann kann es natürlich sein, dass du unrecht hast. Das kannst du prüfen – zum Beispiel mit meiner “Reicht das Stillen” – Download-Tabelle. Oder durch den Austausch im Stillclub.

Bei einem jüngeren Baby hätte ich möglicherweise auch gefragt “Warum möchtest du es denn schlafen lassen?” – das ist das Schöne am Stillclub, dass es eben kein punktueller Kontakt ist, sondern über viele Monate hinweg.

Baby schlafen lassen oder wecken

Kurz zusammengefasst gilt also:

Je jünger das Baby und je schläfriger das Baby, desto eher solltest du überprüfen, ob mit dem Stillen alles rund läuft. Ggf. darfst du dein Baby sanft wecken oder mit Hilfe einer Stillberaterin herausfinden, ob es Hinweise gibt, dass dein Baby noch mehr Unterstützung braucht. So kann es seinen natürlichen Rhythmus finden.

Ist dein Baby schon älter, sind keine Still- und Beruhigungshilfsmittel im Einsatz, stillt es voll, scheidet es reichlich aus und nimmt entlang seiner Percentile zu, dann ist davon auszugehen, dass alles fein ist.

Die Gewichtskontrolle brauchst du übrigens normalerweise gar nicht selbst zu machen. In den ersten Wochen wiegt eure Hebamme dein Baby und ebenso die Kinderarztpraxis. Diese Werte kannst du nutzen, um einen kleinen Gegencheck zu starten, ob deine Milch beim Stillen reicht.

Messlatte ist und bleibt dein Bauchgefühl – nur so kann es sich gut weiterentwickeln. Du kannst es immer wieder mit Fakten überprüfen und so weiter dein “inneres Auge” schulen.

Macht das Sinn für dich?

Ich hoffe es 🙂
Alles Liebe,
Deine Tabea

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Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin
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