Abstillen, Langzeitstillen
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Was bedeutet eigentlich “Abstillen”?

was bedeutet abstillen

Abstillen bedeutet die Beendigung der Stillbeziehung. Das Wort sagt nichts darüber aus, von wem das Abstillen ausging oder warum es nötig wurde.

Manchmal wundern sich Menschen in meinem Umfeld, warum mir das Thema “Abstillen” als Stillberaterin so wichtig ist. In meiner Arbeit erlebe ich einfach sehr häufig Frauen, die zu mir kommen, kurz bevor sie abstillen wollen, sollen oder (vermeintlich) müssen.

Wenn eine Stillbeziehung beendet wird, spricht man allgemein vom Abstillen.

Im Duden wird das Abstillen dem Wort “entwöhnen” gleichgesetzt. Manche Mamas erleben dementsprechend genauso das Ende der nahen Fläschchenbeziehung: Als einen bemerkenswerten Schritt.

Diese Wortbedeutung schließt aber viele lebensreale Erfahrungen von Mamas nicht mit ein.

  • Nicht jedes Abstillen geschah freiwillig
  • Abstillen kann einvernehmlich mit dem Kind sein oder nicht
  • Nach dem Abstillen festzustellen, dass der Prozess nicht notwendig war, kann sehr schmerzhaft sein
  • Fläschchenbeziehungen können sehr stillnah erlebt werden
  • Es gibt viele Arten des Stillens oder Abstillens

Die WHO äußert sich zum Abstillen so, dass sie in ihrer weltweit gültigen Stillempfehlung eine Stilldauer von 2 Jahren empfiehlt. Darüber hinaus kann die Stillbeziehung weitergeführt werden, so lange Mutter und Kind es wollen.

Häufig wird die Stillbeziehung demnach – aus unterschiedlichsten Gründen – frühzeitig beendet. Nur jedes 8. Kind wird 6 Monate ausschließlich gestillt, obwohl 9 von 10 Kindern mit dem Stillen beginnen. [Quelle: RKI / KiGGS-Studie]

Abstillen ist viel zu häufig der “Notnagel” an den alles gehangen wird. Es geschieht schnell, unbedacht und mit Tränen.

Dabei kann Abstillen ein Prozess sein, der einfach ist und allen Beteiligten gut tut. Stärkt. Ermutigt. Dann wenn er mit Bedacht auf den richtigen Zeitpunkt und die richtige Geschwindigkeit erlebt werden kann.

Häufig sieht Abstillen doch erstmal anders aus.

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Und am wichtigsten: Was DU tun kannst.

Abstillen kann eine ärztliche Empfehlung sein

Bei der Einnahme von Medikamenten sind viele Ärzte auch heute noch unsicher, ob Abstillen notwendig ist. Dabei ist das häufig gar nicht! Das Embryotox bietet eine öffentliche Datenbank zum Nachfragen. Dort berät man Ärzte telefonisch auch individuell für deine Behandlung. Kostenfrei!

Weitere Möglichkeiten zu Medikamenten in der Stillzeit habe ich hier zusammengestellt. Es hilft sehr, wenn du dich auch selbst informierst. Informiere dich bereits durch Fachinformationen bevor du deinem Arzt konsultierst. So könnt ihr gemeinsam besprechen, welche Behandlung sich für dich in der Stillzeit eignet.

Auch bei Brustentzündungen wird immer wieder fälschlicherweise zum Abstillen geraten, obwohl die Leitlinie zur Behandlung von Mastitis das Weiterstillen empfiehlt. Die Leitlinie wird aktuell überarbeitet.

Bei zu geringer Gewichtsentwicklung raten Kinderärzte teils sehr schnell zum Zufüttern. Selten wird dabei darauf geachtet stillfreundlich zuzufüttern – was wiederum häufig zu einer geringeren Stimulation der Milchproduktion und zum Abstillen führt.

Auch im Verlauf der Stillzeit kommt es immer wieder zu einer Abstillempfehlung. Ebenso zum Pendant für Fläschchengefütterte Kinder. Unnötigerweise, wenn man die WHO-Empfehlung ansieht.

Abstillen aufgrund von Missverständnissen passieren

Ein solches Missverständnis ist zb. eben, dass das Zufüttern immer mit der Flasche passieren müsse.

Oder auch dem Missverständnis, dass Säuglingsersatznahrung die einzige Lösung sei, wenn ein Stillproblem vorliegt.

Die Bedeutung der Stillbeziehung wird in großem Maße immer noch unterschätzt. Dabei denke ich sowohl an die Bedeutung der Ernährung durch Muttermilch mit arteigenen Eiweißen, als auch an die psychisch-psychologischen Komponenten für Kind UND Mama.

Wer schonmal mit Stillproblemen zu tun hatte, kennt die psychische Belastung, die das mit sich bringt. Nicht immer hat man da als Mama die Kraft, sich alle Infos für stillfreundliche Wege selbst zu suchen – und die Unterstützung in diese Richtung ist häufig mau.

Abstillen folgt häufig auf akute Stillprobleme

So sind akute Stillprobleme auch der stärkste Faktor in den ersten Wochen und Monaten, die zum Abstillen führen.

Ich meine, das ist total verständlich!

  • Stillen unter Schmerzen
  • anhaltende Verletzungen
  • ein hungriges Baby

Wer möchte nicht, dass es endlich gut funktioniert!?

So kann es sein, dass das “Abstillen der Mama” im Sinne des Ende der Milchproduktion bereits sehr früh in der Stillbeziehung passiert.

Mamas in meinem Netzwerk erleben dann sehr häufig, dass – wie bereits erwähnt – auch die Fläschchen-Beziehung lange andauernd und mit vielen wichtigen emotionalen Aspekten bestückt sein kann.

Das Wort Abstillen kann vieles bedeuten

Allein bis hier hin kann “Abstillen” bedeuten und möglicherweise fallen dir unten noch andere Erklärungen oder besondere Situationen ein.

Das was ich hier schreibe erhebt keinen Anspruch auf völlige Korrektheit oder Vollständigkeit. Es zeigt viel mehr die Vielseitigkeit von Stillbeziehungen auf.

  • Eine Mama hat abgestillt und ihre Milchproduktion beendet – das Baby oder Kleinkind trinkt Fläschchen mit Pre-Nahrung
  • Das Baby wird nicht mehr angelegt. Die Mama, hält ihre Milchproduktion allerdings aufrecht mit Pumpen – wir sprechen dann von “pumpgestillt” als eine Form der bunten Vielfalt von Stillbeziehungen

Man kann als Mama kann allerdings auch weiterhin der “Tätigkeit des Stillens” nachkommen, ohne überhaupt Milchproduktion zu haben. Oder je gehabt zu haben. Das passiert beim Stillen mit dem Brusternährungsset dann, wenn eine Adoptiv- oder Regenbogenmama stillt – ohne jemals in die Milchbildung zu kommen.

Das kann auch Frauen betreffen, die nach einer Mamma-Ablatio wegen Brustkrebs einen optischen Brustaufbau hatten. Dann fehlt milchbildendes Gewebe. Oder Mamas, die nicht ausreichend in die Milchbildung kommen können – aus welchen Gründen auch immer..

Wann bei diesen Frauen der Abstillprozess beginnt?

Eine Frage des Blickwinkels.

Denn andersherum ist ein Baby, welches keine Muttermilch aus der Brust bekommt, weil es die Brust möglicherweise nie korrekt erfassen konnte zwar “Abgestillt” – bekommt von der Mama aber möglicherweise abgepumpte Muttermilch.

Abstillen ist vom persönlichen Umfeld ein häufiger Rat

Egal ob in einer Problemsituation oder aus anderen Gründen.

“Abstillen” ist im persönlichen Umfeld häufig der lauteste Rat.

Ja – natürlich kenne ich in den Familien die ich begleitet habe auch den umgekehrten Fall. Aber das ist vergleichsweise selten. Leider geht es dann auch eher mit Druck statt mit Hilfe einher.

Gründe für diesen Abstill-Rat die ich beobachte können sein:

  • der Glaube, dass in der Familie keiner Stillen könne
  • das Beschützen wollen des (erwachsenen) Kindes vor Schmerzen
  • Hilflosigkeit
  • nicht aufgearbeitete eigene frustrierende Stillerfahrung
  • die Hoffnung ein fläschchengefüttertes Baby früher mitversorgen zu dürfen

Manche Gründe sind sehr wohlwollend gedacht – andere sehr egoistisch. Was überwiegt ist nicht immer offensichtlich.

Abstillen wenn sich das Kind von selbst abstillt

Über die genaue Länge der Stillzeit machen sich viele Mamas vor ihrer Schwangerschaft, vor der Geburt oder auch in den ersten Monaten noch überhaupt keine Gedanken.

Irgendwann wird das Kind das Stillen ja nicht mehr brauchen.

Im Hinterkopf schwebt sie allerdings bereits. Die magische 6-Monats-Marke. Sie kommt das erste Mal zum wanken, wenn die Beikostempfehlung plötzlich und fälschlicherweise 4 Monate lautet.

Es entsteht die erste Schräglage. Denn: wie soll das gehen?

Jetzt Abstillen?

Ein Beikost-Stufenplan vermittelt recht schnell den Eindruck, dass das Stillen innerhalb weniger Wochen-Monate zu Ende gehe. Nächtliche Stillmahlzeiten werden gar nicht mehr aufgeführt.

Es kommen erste Zweifel auf, ob das mit dem “von selbst abstillen” so funktionieren kann.

Nun: Es kann!

Aber eher im Rahmen der WHO-Empfehlung Ausschließliches Stillen für 6 Monate, dann Weiterstillen bis zum 2. Geburtstag zusätzlich und darüber hinaus, so lange Mutter und Kind es wollen. Eine Stillempfehlung, die man hierzulande nur selten als Handreichung erhält.

Sehr selten wird der individuelle, physiologische Abstillzeitpunkt im 1. Lebensjahr erreicht. Manchmal stillen Babys unerwartet und plötzlich ab, weil eigentlich ein Stillproblem oder ein Stillstreik die Ursache war.

Babys stillen seltenst im Säuglingsalter ab und die Stillzeit zieht sich dann deutlich länger durch das Leben von Mamas…

Warum ich auch immer wieder intensiv über das Abstillen schreibe, spreche und Kurse darauf ausrichte

In einer Generation, die nach einer Zeit von wenig verbreiteten Stillerfahrungen existiert, erlebe ich viele Mamas bei jeglicher Art von Herausforderungen sofort mit dem Thema Abstillen konfrontiert. Es fehlen Lösungsstrategien!

Durch die Zusammenarbeit mit Mamas die häufig länger Stillen als irgendjemand vorher in ihrer Familie erlebe ich oft große Hilflosigkeit. Wenn der Schlafmangel zu groß wird oder völlig unklar ist, wie ein erweitertes Betreuungsnetzwerk etabliert werden kann, scheint die Antwort auf der Hand zu liegen: Abstillen ist die Lösung.

Doch das stimmt eben nicht so ohne weiteres.

So erleben Mamas ebenso, dass nach dem Abstillen die Nächte noch katastrophaler werden. Einfach, weil das Kind noch gar nicht bereit für eine Veränderung des Schlafrythmus war.

Oder die Betreuung klappt nicht, weil sie nicht den Bedürfnissen von kleinen, bedürfnisstarken Kindern entsprechend angebahnt, aufgebaut und stabilisiert wurde.

Ist Abstillen die einzige Option, die jetzt richtig ist?

“Abstillen ja / nein” ist der Gedanke, der erstmal geklärt werden muss, ehe wir in der Arbeit ansetzen.

  • Woher kommt der Abstillgedanke und wohin führt er mich?
  • Habe ich Bock darauf, Veränderung in meinem Leben mit dem Stillkind zu erleben? Ohne Abstillen zu müssen.

Wenn das Abstillen für eine Mama notwendig wird – unabhängig von den Gründen und dem Alter des Kindes – begleite ich auch das. In einer so möglichst natürlichen Geschwindigkeit (oder viel mehr Langsamkeit) wie es das für beide zur Umstellung braucht.

Oft kommen wir beim Blick durch die Lupe aber auch an den Punkt “Ich will eigentlich noch gar nicht abstillen”. Die Alltagsherausforderung, die fehlende Hilfe, die katastrophalen Nächte oder Behauptungen von außen hören mit dieser Erkenntnis allerdings nicht zwingendermaßen auf.

Das ist der Punkt, an dem ich mit meiner Monatsbegleitung oder auch im NOW!-Programm helfe, die eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse vom Stillkind wieder so in die Waage zu bringen, dass du wieder mit Freude Stillen kannst.

Deshalb rede ich über das Abstillen.

Denn das Abstillen ist der Gedanke, an dem die meisten, die diese Herausforderungen als Belastung erleben, schon einmal durchdacht haben. Worüber wir gerade auch in der bedürfnisorientierten “Szene” gerne viel öfter reden dürfen. Denn wir sind alle keine Übermenschen.

Ok.

Bevor ich jetzt allzu philosophisch werde…. schreib mir einfach, wenn du merkst, dass du Bock hast, deine Situation zu verändern! Ich freu mich auf dich und dein Baby und darauf euren Alltag und das Stillen wieder schön zu machen.

Alles Liebe
♥️
Deine,
~Tabea

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Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin
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2 Kommentare

  1. A.W. sagt

    Hallo Tabea,
    Ich habe eine Frage zum Abstillen. Ich würde mich freuen wenn du mir helfen könntest.
    Meine Tochter ist jetzt 2 1/2 Jahre und ich stille sie noch zum Einschlafen und wenn sie ein Sicherheitsbedürfnis hat kommt sie auch. Nun soll sie bald in den Kindergarten und ich versuche gerade, dass sie ohne Mama Milch einschläft. Sie ist total ausser sich und wütet dann. Sie lässt kein kuscheln zu und tritt. Ich bekomme sie nicht beruhigt. Was kann ich tun…
    Das tut mir so in der Seele weh…
    Bitte hilf mir !
    Liebe Grüsse Anja

    • Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin sagt

      Hallo liebe Anja,
      du meinst, du versuchst sie wegen dem Mittagsschlaf im Kindergarten abzustillen? Das ist häufig nämlich gar nicht notwendig. Aber klar helf’ ich dir gerne Klarheit für deinen Weg zu finden – du darfst dich jederzeit für ein Infogespräch bei mir im Kalender eintragen und wir schauen, wie ich dir am besten grad helfen kann – da brauch ich vorher noch ein paar Infos von dir 🙂 Also lass uns gern sprechen 🙂 (und wenn es darum geht, dass DU gerne einfach Abstillen willst, dann können wir auch darüber reden) – du findest meine freien Slots unter http://www.mama-baby-vision.de/wp-admin
      Lg Tabea

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