Beikost
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9 Aussagen der WHO zu Beikost

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Häufig wird die WHO Beikost-Empfehlung und ihre Aussagen zur Beikost zitiert.

Vor allem in Facebookgruppen und Foren mit bedürfnisorientiert lebenden Eltern geht es meist darum, dass die WHO einen hohen Wert auf eine unverkürzte Stillzeit legt.

Dabei spricht die WHO Beikost-Empfehlung vom vollen, ausschließlichen Stillen in den ersten 6 Monaten und vom Weiterstillen bis zum 2. Geburtstag und darüber hinaus so lange Mutter & Kind es wünschen.

Gleichzeitig erscheint es wie eine Flüsterpost, bei der viele Informationen verloren gehen.

Die international geltenden Empfehlungen werden dabei gleichzeitig ebenso häufig verfälscht.

WHO-Beikost-Falschinfo #1 – mindestens 50% Stillen:

Das Stillen müsse im 1. Lebensjahr mehr als 50% sein.

Es rührt von der Annahme her, dass ein Baby mehr als 10 Stillmahlzeiten habe. Und, dass zu jeder Beikost-Mahlzeit gestillt werden müsse.

Hierzu hält sich die WHO Beikost-Empfehlung allerdings sehr bedeckt.

WHO-Beikost-Falschinfo #2 – mindestens 6 Monate voll Stillen:

Man dürfe erst nach dem vollendeten 6. Monat mit der Beikost beginnen. Die WHO Beikost-Empfehlung macht deutliche Aussagen in ihrer Richtlinie und empfiehlt etwa 6 Monate voll zu stillen. Ein Gesetz ist darin nicht zu erkennen.

WHO-Beikost-Falschinfo #3 – Vorgabe von Beikostreifezeichen:

Die WHO Beikost-Empfehlung würde behaupten, dass Beikost nach Erreichen der Beikostreife einzuführen sei. Im Fall des Falles eben auch erst mit 8-10 Monaten.

Dies ist mit nichten der Fall! Im Gegenteil – im Folgenden wird sehr klar, dass die WHO einen hohen Wert auf einen zeitgerechten  Beikostbeginn legt.

WHO-Beikost-Falschinfo #4 – Phantomkauen & Pinzettengriff seien Beikostreifezeichen:

Zu den Beikostreifezeichen gehöre das “Phantomkauen” vom Baby, während es anderen beim Essen zusieht. Natürlich braucht ein Baby die Bereitschaft zu kauen, sobald es mit fester Nahrung hantiert – aber die zeigt es eher an Spielzeug. Manche Babys kauen auch phantomartig mit und ahmen das Kauen von Erwachsenen mit.

Ebenso gehört der “Pinzettengriff”, bei dem ein Baby mit Daumen und Zeigefinger kleine Teile aufheben kann, nicht zu den obligatorischen Reifezeichen. Das Erreichen dieses Entwicklungsschritt der Feinmotorik ist zwischen 8-9 Monaten zu erwarten. Also deutlich später als der Beikostbeginn.

Was sagt die WHO zum Thema Beikost?

Was sagt die WHO also tatsächlich zum Thema Beikost?

Die WHO Beikost-Empfehlung sieht die globale Ernährungssituation trotz all ihren Facetten als gesamte Basis für ihre einheitliche Ernährungsempfehlung.

WHO-Beikostinfo #1 – Beikostalter ist von 6 Monaten bis 18-24 Monate

In den Augen der WHO Beikost-Empfehlung ist das Beikostalter weit gefasst.

Es beginnt mit dem Erreichen des 7. Lebensmonat – also nach 6 Monaten Vollstillzeit. Im Anschluss reicht es bis ins 2. Lebensjahr, manchmal auch bis zu dessen Vollendung.

WHO-Beikostinfo #2 – Beikost beschreibt den Übergang zur Familienkost

Beikost in der Definition der WHO ist eine Übergangsphase zur Familienkost. Also eine Zeit, in der noch mal mehr auf die Bestandteile der angebotenen Nahrung geachtet wird.

Das ist besonders deshalb interessant, weil die WHO es nicht ausschließt, dass ein Kind auch nach dem 2. Geburtstag weiter stillt und dennoch dem Beikostalter selbstverständlich entwachsen ist. Ergo normal am Tisch mit isst.

WHO-Beikostinfo #3 – Beikost soll zeitgerecht starten

Anders als andere Beikostempfehlungen – zum Beispiel die der ESPGHAN oder der nationalen Stillkomission in Deutschland – ist die WHO beim richtigen Zeitpunkt für die Beikost strikt.

Sobald der 6. Lebensmonat vollendet ist, soll gestartet werden.

WHO-Beikostinfo #4 – Beikost soll entwicklungsgerecht sein

Durch diese strikte Haltung der WHO für den Zeitpunkt des Beikostbeginns, braucht es notwendigerweise ggf. eine Anpassung von Konsistenz und Art des Angebotes in der Beikost.

Ob Brei oder Fingerfood wird daher nicht diskutiert, sondern völlig offen gelassen.

WHO-Beikostinfo #5 – Beikost soll achtsam gegeben werden

Deutlich wird die WHO bezüglich der Haltung in der die Beikost gegeben werden soll.

Um ein gutes Verhältnis zur Ernährung zu bekommen ist schon lang bekannt, dass eine achtsame Haltung notwendig ist. Die Signale vom Baby müssen beachtet und geachtet werden.

WHO-Beikostinfo #6 – Beikost soll hygienisch einwandfrei sein

Im Beikostkurs online kommt immer wieder die Frage auf, wie man mit der Beikost auf Reisen umgehen soll.

Die WHO hat in ihrer internationalen Beikostempfehlung dafür gleich einen wichtigen Rat parat: Beikost soll immer hygienisch einwandfrei sein.

Hier kann der Grundsatz „Waschen, Schälen, Kochen – oder vergessen!“ herangezogen werden. Vor allem von rohen tierischen Produkten muss Abstand gehalten werden.

WHO-Beikostinfo #7 – Beikost benötigt aktive Versorger

Engagierte Eltern sind überlebenswichtig für Körper und Seele kleiner Babys.

Auch das erwähnt die WHO in ihrer Beikostempfehlung ganz explizit.

Babys werden mit der Beikost nur beginnen können, wenn sie diese aktiv angeboten bekommen. Dabei ist manchmal auch die Kreativität gefragt, wenn bestimmte Beikostprodukte nicht dem Geschmack des Babys entsprechen, gewisse Obst- & Gemsüesorten verschmäht werden oder Konsistenzen Ekel hervorrufen.

Erlaubt ist hingegen was Freude bereitet und ungefährlich ist.

Bei welchen Lebensmitteln besondere Richtlinien gelten, was vollständig verboten ist und was unter gewissen Umständen doch möglich ist, besprechen wir ausführlich im Beikostkurs online.

WHO-Beikostinfo #8 – Beikost beginnt mit 2-3 Mahlzeiten

In einem Punkt unterscheidet sich die Empfehlung der WHO gänzlich von allen Stufenplänen, wie sie häufig in deutschen Kinderarztpraxen und Lebensmittelläden ausliegen.

Die WHO beginnt nicht stufenweise mit einer einzelnen Mahlzeit pro Tag, sondern die Beikost startet umgehend zügig. Beikostempfehlung der WHO ist, 2-3 Mal pro Tag Beikost anzubieten.

Das bedeutet nicht, dass die Mahlzeit vollständig ersetzt wird, sondern, dass dein Baby täglich mehrere Gelegenheiten hat, sich mit neuen Nahrungsmitteln zu befassen.

WHO-Beikostinfo #9 – Beikostmahlzeiten sollen in ihrer Anzahl zügig gesteigert werden

Im Anschluss steigert sich die Mahlzeitenanzahl laut den WHO Beikost-Empfehlungen dann ebenfalls zügig.

Mit 9 Monaten sollen bereits 3-4 Mahlzeiten angeboten werden.

Ab dem 1. Geburtstag sollen Babys 3-4 Hauptmahlzeiten und zuzüglich 1-2 Zwischenmahlzeiten angeboten bekommen.

Fazit zu den Aussagen der WHO zur Beikost:

Die WHO Beikostempfehlung ist in manchen Bereichen legerer als nationale Beikostempfehlungen von D-A-CH oder auf europäischer Ebene (ESPGHAN) und in anderen sehr viel stringenter.

Wie alle Standardempfehlungen haben auch diese ein bestimmtes breites Feld an Babys vor Augen, für die es wichtig ist für eine ausreichende Nährstoffversorgung zu sorgen.

Im Beikostkurs online brechen wir die Beikostempfehlungen für dich und dein Baby so herunter, dass du klarer entscheiden kann, wo du welche Empfehlung einsetzen möchtest. Ganz bewusst und ohne dein Baby in die Gefahr einer Mangelernährung zu bringen.

Denn letztlich ist für eine freudvolle Beikostzeit nicht nur ein engagiertes Elternpaar notwendig, sondern auch ein Elternpaar, welches seine Entscheidungen fundiert trifft.

Na? Was hat dich bei den Aussagen der WHO zu Beikost am Meisten überrascht?

Schreib mir gern einen Kommentar!

Bist du der Ansicht, dass die WHO doch etwas anderes zum Beikostbeginn sagt als hier behauptet? Dann hinterlasse mir gern die Quelle dazu in den Kommentaren.

 


Quellen:

WHO – Complementary Feeding –
https://www.who.int/nutrition/topics/complementary_feeding/en/

WHO – Infant and young child feeding –
https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/infant-and-young-child-feeding

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Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

Ich berate Frauen in der Vorbereitung auf die Stillzeit, helfe beim Lösen von Stillproblemen und darüber hinaus in allen Phasen der Stillzeit, beim Tandem-Stillen und bis hin zum Abstillen.
Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

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